Habinghorster DSL-Ausfall ist jetzt Chefsache

Bundesnetzagentur übernimmt

Nicht nur in Castrop-Rauxel sitzen zahlreiche Bürger regelmäßig digital auf dem Trockenen - deutschlandweit gibt es Störungen bei 1&1-Kunden. Weder der Internetanbieter, noch die Telekom als Besitzer der Leitungen konnte das Problem ausmerzen, geschweige denn ausfindig machen. Jetzt könnte sich endlich was tun.

CASTROP-RAUXEL

, 16.08.2017, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wolfgang Jankowskis Welt ist digital. Der Habinghorster schreibt keine Briefe, sondern E-Mails, um Papier zu sparen. Auf Computer und Internet ist er auch beruflich angewiesen und ohne Handy geht sowieso gar nichts mehr. Klingt alles so einfach – wäre da nicht die Störung, die Wolfgang Jankowski das Leben schwer macht.

Seit Ende Juni ist sein DSL-Anschluss immer wieder lahmgelegt. Vor allem an heißen Sommertagen kann er weder telefonieren noch im Internet surfen oder Fernsehen gucken, weil alles über seinen DSL-Anschluss läuft. Anbieter 1&1 war wochenlang ratlos, vermutete eine defekte Klimatisierung in einem Multifunktionsgehäuse. Verantwortlich dafür ist aber nicht 1&1, sondern die Telekom. Denn der gehören die Leitungen.

Störung hielt trotz ersetztem Klimamodul weiter an

Doch die ließ Wolfgang Jankowski lange im Stich. Ein neues Klimamodul müsse im Verteiler eingebaut werden. Wann, wo, wie? Die Telekom wusste es lange nicht. Wolfgang Jankowski arbeitete an den bislang – zum Glück – wenigen heißen Sommertagen nachts. Denn da funktionierte sein DSL-Anschluss meist.

Sechs Wochen lang wartete Wolfgang Jankowski, angeblich weil es Lieferschwierigkeiten beim betroffenen Bauteil gab. Als die Telekom es endlich austauschte, wähnte sich Wolfgang Jankowski im DSL-Himmel. Doch das hielt nur kurz. Die Störung hielt an, auch bei schlechtem Wetter kam es immer wieder zu Ausfällen. Anbieter 1&1 hat ihm mittlerweile einen eigenen Berater zur Seite gestellt. Der ist jetzt auf der Suche nach weiteren Kunden mit ähnlichen Problemen.

Kunden fühlen sich vom Internetanbieter im Stich gelassen

Denn Wolfgang Jankowski scheint kein Einzelfall zu sein. Auf unseren Aufruf haben sich innerhalb von zwei Tagen gleich 13 Leute mit den gleichen Problemen gemeldet. Sie alle sind 1&1-Kunden und sie alle fühlen sich von ihrem Telekommunikationsanbieter und der Telekom im Stich gelassen. Und nicht nur in Castrop-Rauxel gibt es massive Störungen im DSL-Netz von 1&1. Auch aus Weisenheim am Sand – das liegt in der Pfalz –, aus der Nähe von Berlin und aus Esslingen am Neckar meldeten Kunden solche Probleme.

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Wolfgang Jankowski zeigte sich am Mittwoch am Telefon euphorisch, obwohl unser Gespräch wieder mittendrin unterbrochen wurde. „Die Bundesnetzagentur hat sich der Sache jetzt offiziell angenommen“, sagte er. Am Dienstag hätte die ihm das mitgeteilt. Jankowski stimmt das optimistisch. Auch 1&1 sei darüber informiert worden.

Kunden sollen den Anbietern klare Fristen zur Behebung setzen

Die Presseabteilung von 1&1 bestätigte uns am Mittwoch nur die Informationen, die wir schon wissen. „Wir stehen in engem Kontakt mit der Telekom, um den Fehler so schnell wie möglich zu beheben“, hieß es aus der Presseabteilung. Die Bundesnetzagentur fordert den Anbieter „insbesondere bei aktuellen, über einen längeren Zeitraum andauernden Störungen zu einer Stellungnahme auf, um die Verbraucher in ihrem Einzelanliegen so weit wie möglich zu unterstützen“, so Fiete Wulff, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesnetzagentur. Außerdem rät sie den Kunden grundsätzlich dazu, den Anbietern klare Fristen zur Behebung der Ausfälle zu setzen.

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