Hat Castrop-Rauxel ein Problem mit Cannabis?

Drogen- und Suchtbericht

Weniger Alkohol und Tabak, dafür mehr Cannabis – laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung ist der Cannabis-Konsum unter Jugendlichen zuletzt deutlich gestiegen. Doch wie sieht es in Castrop-Rauxel aus? Das haben wir Sozial- und Jugendarbeiter gefragt.

CASTROP-RAUXEL

, 01.09.2017 / Lesedauer: 3 min

Dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zufolge ist der Cannabis-Konsum unter Jugendlichen zuletzt deutlich gestiegen. Mehr als 7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen gaben in einer repräsentativen Drogenaffinitätsstudie an, in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis zu sich genommen zu haben. Wir erklären, wie sich die Situation in Castrop-Rauxel darstellt.

„Wenn wir die reine Nachfrage nach Beratung und Hilfen betrachten, dann ist die Zahlen der Cannabis-Konsumenten in den letzten Jahren stabil geblieben. Das gilt sowohl für den Kreis im Allgemeinen als auch für Castrop-Rauxel. Fakt ist aber auch: Es gibt eine Dunkelziffer“, sagt Peter Appelhoff. Der Leiter der Drob Drogenhilfe Recklinghausen sieht die Warnung der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) vor einer Verharmlosung von Cannabis allerdings als richtigen Schritt.

Präventionsarbeit bei Jugendlichen besonders wichtig

Aufklärung und ein umfassendes Präventionsprogramm seien gerade jetzt – in Zeiten des globalisierten Drogenmarkts und der damit zusammenhängenden Diskussion um eine Legalisierung – unverzichtbar. Cannabis könne schließlich ebenso wie andere Drogen zu einer Abhängigkeit führen.

Vor allem junge Menschen seien stärker gefährdet als Erwachsene, die schon gefestigt im Leben stehen. Allerdings hänge das Risiko stark mit der einzelnen Person zusammen. Faktoren wie persönliche soziale Probleme oder Gruppendruck seien etwa große Risikofaktoren – Leistungsabfall und soziale Isolation mögliche Folgen einer Abhängigkeit, die sich bei Verzicht unter anderem in Entzugserscheinungen wie Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit oder Nervosität äußern kann. In manchen Fällen helfe nur noch eine stationäre Behandlung.

Leiter der Drob Drogenhilfe Recklinghausen ist für Liberalisierung

Appelhoff spricht sich dennoch klar für eine Liberalisierung von Cannabis im Sinne einer kontrollierten Abgabe aus – aufgrund der Erfahrungen, die er und sein Team im täglichen Umgang mit Jugendlichen machen: „In unseren Beratungsgesprächen sagen die Jugendlichen immer wieder, dass jeder, der Drogen will, auch welche bekommt.“

Im Sinne des Jugendschutzes wäre eine Liberalisierung von Cannabis laut Appelhoff sogar förderlich: „Man hat dadurch die Chance, den Schwarzmarkt auszutrocknen. Und ein Erwachsener, der sich auf legalem Wege Cannabis besorgt, überlegt wohl eher, ob er es unerlaubterweise an Jugendliche weitergibt, als ein Schwarzmarkthändler.“

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Cannabis-Konsum: Keine negative Entwicklung 

Bei der Stadt setzt man vor allem auf das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen – und den gesunden Menschenverstand. „Wichtig ist uns, dass wir die Jugendlichen ohne erhobenen Zeigefinger über das Thema Drogen und Sucht informieren, damit sie dann eigenständig und selbstbewusst den richtigen Weg finden und sich ihrer Verantwortung bewusst werden“, erklärte Jugendschützerin Doris Spangenberg auf Anfrage unserer Redaktion. Eine negative Entwicklung hinsichtlich des Konsums von Cannabis erkennen die städtischen Mitarbeiter jedoch nicht.

Einen Anstieg können laut Angaben von Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann weder das Team Jugendarbeit noch die Streetworker der Aufsuchenden Jugendarbeit oder die Schulsozialarbeiter bestätigen. Dennoch bilde die Suchtprävention einen wichtigen Baustein ihrer Arbeit, zu der auch regelmäßige Veranstaltungen wie etwa Workshops in Schulen gehörten.

Frank Ronge vom nicht städtischen Jugendtreff Café Q kann einen Anstieg des Cannabis-Konsums unter Jugendlichen bei seiner täglichen Arbeit ebenfalls nicht feststellen. „Ich kenne noch nicht einmal einen Jugendlichen, der das nimmt“, so Ronge auf Anfrage unserer Redaktion. Der einzige Trend, den er beobachten könne, sei der zum Shisha-Rauchen. Aber dabei werde kein Cannabis konsumiert.

Hilfe für Betroffene
  • Die Drob Drogenhilfe in Recklinghausen & Ostvest e.V. bietet umfassende Beratung für Eltern und Jugendliche an. Kontakt unter Tel. (02361) 36022 oder auf .
  • Zum Angebot gehören unter anderem eine strukturierte Beratung, bei der Jugendlichen Bewältigungsstrategien vermittelt werden, um den Konsum eigenständig zu reduzieren oder aufzuhören.
  • Für fachgerechte Informationen und Online-Beratung empfiehlt die Drob Drogenhilfe zudem die Seite

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