Im Haus Rüther sollen die Gäste mit gut bürgerlichen Hausmannsgerichten verköstigt werden. Beim Restaurant-Check gelingt das mal mehr - und mal weniger.

Dingen

, 25.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

An die Stadtgrenze zu Dortmund führt uns der Restaurant-Check ins Haus Rüther. Die Traditionsgaststätte in Dingen wirbt auf der eigenen Homepage mit moderner und gemütlicher Einrichtung und dem Genuss von handfester und gutbürgerlicher Küche.

Nun, was genau man unter moderner und gemütlicher Einrichtung versteht, ist sicher Geschmackssache. Als meine Begleitung und ich den Gastraum bei unserem Besuch betreten, empfinden wir das Ambiente eher als klassische Einrichtung einer Gaststätte. Sprich: funktional und stellenweise ein wenig abgerockt. Gut, das stört uns nicht unbedingt. Wir kennen mehrere Restaurants, an denen man rein optisch gesehen wohl einfach vorbeilaufen würde und in denen einen die gute Küche aus den Latschen haut.

Freie Platzwahl

Eine Reservierung hätten wir uns an diesem Freitagabend sparen können, denn alle Tische sind frei und werden es während unseres Besuchs auch weitestgehend bleiben. An der Theke sitzen ein gutes dutzend (Stamm-)Gäste bei Bierchen und angeregtem Gespräch. Wir wählen daher einen Tisch im Nebenraum, dort ist es etwas ruhiger. Und wir fallen später bei der optischen Dokumentation unseres Testbesuchs mittels Handykamera nicht schon frühzeitig auf. Zu erkennen geben wir uns stets erst nach dem Essen.

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Restaurantcheck im Haus Rüther in Dingen

Das Restaurant Haus Rüther in Dingen im Test: Wie gut ist die Kost? Wie gut ist der Service? Wir haben probiert und bewerten, was wir geschmeckt und erlebt haben.
25.12.2018
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Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt: Wirt Ralf Schäpers steht hier hinter der Theke.© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock
Gaststätte Haus Rüther in Dingen, auch „Zur Berg-Quelle“ genannt© Tobias Weckenbrock

Leberknödel aus der Dose

Nach kurzer Wartezeit werden unsere Getränkebestellungen aufgenommen. Bei der Bestellung der Vorspeise stolpere ich über die Leberknödelsuppe. Klingt interessant, hab ich noch nie gehört. Auf Nachfrage, was denn Leberknödel seien, hilft mir der Koch weiter. Die Knödel bestünden zum großen Teil aus Schweinefleisch und Schweineleber, so stünde es auf der Dose. Die Suppe ist also nicht hausgemacht. Dennoch erfreue sich die Leberknödelsuppe großer Beliebtheit bei den Gästen, versichert der Koch.

Weil mich der Gedanke reizt, ordere ich die Suppe trotzdem, Dose hin, Dose her. Außerdem entscheiden wir uns für das Cordon-Bleu vom Schwein mit Rösti-Talern und das Rumpsteak mit Pfeffersoße. Als Beilage ordert meine Begleitung Salzkartoffeln. Den Salat vom hauseigenen Salatbüfett dürfen wir uns selbst zusammenstellen.

Salatbar fehlt der Pepp

Das genannte Büfett ist übersichtlich, steht auf einem Kühlservierwagen direkt bei unserem Tisch. Salat, Gurken, Tomaten sind da, genauso wie drei unterschiedliche Dressings und ein angemachter Salat. Das ist kulinarisch eher einfach, Konsistenz und Geschmack der Dressings lassen auf Fertigprodukte schließen und die Gurken sind an der Oberfläche schon relativ trocken, liegen also schon ein wenig. Immerhin: Alles ist gekühlt und das Gemüse ist knackig. Der Kühlwagen selbst wirkt optisch ziemlich in die Jahre gekommen. Er ist zwar sauber, aber so richtig Lust auf mehr macht uns diese Präsentation nicht.

Hausmannskost im Haus Rüther hinterlässt gemischte Eindrücke

Den Salat stellt man sich bei Haus Rüther am Salatbüfett selbst zusammen. © Matthias Stachelhaus

Als erstes warmes Essen kommt kurz nach dem Salat die Leberknödelsuppe an den Tisch. Dazu wird Brot gereicht, namentlich eine geröstete Scheibe Toast. Die Suppe selbst besteht aus einer Bouillon und zwei großen halbierten Leberknödeln. Die Knödel sind, trotz Dose, geschmacklich tatsächlich ganz gut. Mich erinnern sie stark an gekochte Leberrolle. Muss man mögen, ist in meinem Fall aber kein Problem, ich esse sowas ganz gerne. Die Bouillon dazu ist kräftig, aber lecker. Ich hätte mir etwas mehr Brot zum Tunken gewünscht, denn abgesehen von den Knödeln gibt es keine weitere Einlage. Nun, vielleicht muss das bei Leberknödelsuppe einfach so sein. Die Suppe ist schön heiß. Kein Highlight, aber passt schon.

Hausmannskost im Haus Rüther hinterlässt gemischte Eindrücke

Zu Vorspeise gibt es eine Leberknödelsuppe. Die kommt allerdings aus der Dose. © Matthias Stachelhaus

Hausgemachtes Cordon Bleu überzeugt

Nach weiteren rund 15 Minuten kommen die Hauptgänge. Meinem Cordon-Bleu sieht man auf den ersten Blick an, dass es hausgemacht ist. Schinken und Käse schauen auf drei Seiten aus dem geklappten Schnitzel heraus. Es ist vielleicht ein bisschen zu dunkel gebraten, das stört aber nicht. Das Fleisch ist relativ dick, durchgebraten, aber nicht trocken. Die Konsistenz ist fest, aber nicht zäh. Geschmacklich alles gut. Schnitzel mit Schinken und Käse halt. Gut bürgerliche Küche ohne Tamtam. Die Rösti-Taler sind, wie sicherlich in vielen Restaurants, ein Fertigprodukt aus dem Tiefkühler. Das geht in Ordnung, ist aber handwerklich auch keine bewertbare Leistung.

Hausmannskost im Haus Rüther hinterlässt gemischte Eindrücke

Das Cordon-Bleu vom Schwein ist hausgemacht. Dazu gibt es Röstitaler und Kräuterbutter. © Matthias Stachelhaus

Rumpsteak in Pfeffersoße ertränkt

Etwas schwieriger wird es auf dem Teller meiner Begleitung. Das Rumpsteak ist von einer großen Menge Pfeffersoße überdeckt. Ein Stück Fleisch ohne Soße probieren? Leider unmöglich. Die Pfeffersoße macht ihrem Namen dafür alle Ehre. Außer Pfeffer bleibt geschmacklich auf dem Teller meiner Begleitung nämlich nicht viel übrig. Sowohl meine Begleitung als auch ich essen per se gerne Pfeffer. Gefühlt eine halbe Packung Pfefferkörner auf einem Teller, ist aber einfach zu viel.

Hausmannskost im Haus Rüther hinterlässt gemischte Eindrücke

Zum Hauptgang gibt es Rumpsteak mit Salzkartoffeln und einer sehr feurigen Pfeffersoße. © Matthias Stachelhaus

Die Soße in einem eigenen Gefäß hätte hier einiges gerettet. Denn der Garpunkt des Rumpsteaks, geordert war Medium Rare, war in Ordnung. Ein bisschen mehr auf der englischen Seite als erwartet, aber nichts was meine Begleitung gestört hätte. Wie das Fleisch geschmacklich war? Wir wissen es einfach nicht. Einige Kartoffeln ließen sich ohne Soße testen. Alles gut an dieser Front. Erwartet man in einem Restaurant auch so.

Eis als Wiedergutmachung?

Die Kritik meiner Begleitung an der Pfeffersoße nimmt der Wirt beim Abräumen kommentarlos hin. Nachdem wir das Essen dann etwa zehn Minuten sacken lassen konnten, bekommen wir, ohne darum gebeten zu haben oder danach gefragt worden zu sein, einen Nachtisch aufs Haus an den Tisch gebracht. Eine Wiedergutmachung für die Pfeffersoße? Ein hausüblicher Gruß aus der Küche? Das wird uns nicht verraten. Auf den Tellern finden wir Marzipaneis mit Schokoglasur in Tannenbaumform. Geschmack und Aussehen ähneln verblüffend stark den Vorweihnachts-Eiskreationen mehrerer Supermarktketten. Aber dem geschenkten Gaul...

Am Ende ordere ich, auf dem Rückweg von der Zigarette danach, an der Theke die Rechnung. Satt, aber mit gemischten Gefühlen, machen wir uns auf den Heimweg.

Der Service

Bedient wurden wir prinzipiell freundlich. Auf die Kritik meiner Begleitung reagierte man allerdings kurios. Ohne Kommentar, dafür mit Gratis-Nachtisch. Für Nachfragen vor dem Essen kam der Koch extra an den Tisch, nahm sich Zeit und dabei auch gleich die Bestellung des Essens auf.

Familienfreundlichkeit

Auf der Karte finden sich, neben den Gerichten für Erwachsene, auch einige für Kinder. Für ein kleines Schnitzel mit Pommes oder Nudeln mit Tomatensoße ist also gesorgt.

Barrierefreiheit

Zwei Stufen muss man am Eingang überwinden, im Gastraum selbst kann man sich ohne Höhenunterschiede bewegen. Die Toiletten findet der Gast im Keller. Ohne Treppe kommt man dort nicht hinunter.

Preise

Für das komplette Ensemble an diesem Abend zahlen wir, inklusive einem Weizenbier und einer Cola 40,30 Euro. Das ist für ein Rumpsteak und ein Cordon-Bleu recht günstig. Gemessen an der Portionsgröße ist der Preis fair. Geschmacklich hat uns das Essen in anderen Lokalen mit vergleichbarem finanziellen Einsatz aber schon mal glücklicher gemacht.

Anfahrt/Parken

Einige Parkplätze finden Gäste des Hauses Rüther direkt vor der Tür. Weitere findet man in den angrenzenden Straßen. Eine Bushaltestelle ist direkt gegenüber in der Talstraße. Hier fährt der Bus vom und zum Münsterplatz. Allerdings nur die Linie 361, die einmal pro Stunde und Richtung abfährt.

Das sagt das Netz zu Haus Rüther

Auf 4,0 von 5 möglichen Sternen schafft es das Haus Rüther bei den Google-Rezensionen. 72 Nutzer haben hier ihre Bewertung abgegeben.

Rezensionen bei Tripadvisor gibt es keine. Bei Facebook findet sich eine einzige kommentarlose Bewertung mit 1 von 5 Sternen.

Wie üblich ist hier von „lecker“ bis „grausam“ alles dabei. Mehrfach werden die Fertigprodukte in Form von Soßen kritisiert. Lob gibt es häufiger für die Schnitzelgerichte des Haus.

Fazit

Alles in allem war unser Abend im Haus Rüther zwar keine Katastrophe, aber die Pfeffersoße ließ meine Begleitung nicht wirklich jubilieren. Die Suppe kam nachweislich aus der Dose, schmeckte immerhin ganz gut. Dafür müsste ich aber nicht essen gehen. Ein Lichtblick war das Cordon-Bleu, und auch das Rumpsteak ließ darauf schließen, dass der Koch kochen - Verzeihung, hier heißt es natürlich braten und grillen - kann.

Würden wir also wiederkommen? Wenn man abends mal schnell ein Schnitzel mit Pommes um die Ecke haben will: ja geht in Ordnung. Für einen gutes Essen mit Partner, Familie und/oder Freunden würden wir eher ein anderes Lokal wählen. Schade eigentlich. Mit ein wenig mehr gastronomischer Hingabe könnte Rüthers Hausmannskost problemlos richtig Punkten.

Restaurant-Infos

Haus Rüther, Mengeder Straße 253, 44577 Castrop-Rauxel. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11.30 bis 14 Uhr und 16 Uhr bis Ende, Sonntag von 11 bis 14 Uhr und 17 Uhr bis Ende, Montag geschlossen. Reservierungen unter Tel. (02305) 24860 Weitere Infos und die Speisekarte findet man auf der Homepage und Facebookseite von Haus Rüther.

Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken. Lesen Sie nächste Woche: das Restaurant Il Gambero in Castrop.
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