Hebewerksbrücke: Verkehr wird freigegeben – drei Jahre später als geplant

rnPannenbrücke

Zehn Wochen Bauzeit wurde für die Hebewerksbrücke eingerechnet. Das war im Sommer 2017. Jetzt erst gibt es gute Nachrichten. Der Verkehr wird rollen. Doch alles ist noch nicht fertig.

Henrichenburg

, 03.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es regnet am Donnerstag auf der Hebewerksbrücke. Für Oliver Jaswetz, Abteilungsleiter Neubau bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSA) des Bundes, ist es dennoch ein guter Arbeitstag. Er nimmt zusammen mit dem Baustellenleiter die Baumaßnahme ab. Endlich. Da kann die Laune auch nicht trüben, dass die Liste der Mängel, die sie entdecken, immer länger wird.

Am Freitag, 4. September, wird die Brücke am Schiffshebewerk für den Verkehr freigegeben. Wann genau? „High Noon“, sagt Oliver Jaswetz und es schwingt ein Lächeln in der Stimme mit. Freitag, 12 Uhr – auf diesen Moment haben viele jahrelang gewartet.

Video
Jahrelange Sperrung der Hebewerksbrücke endet

Erst einmal geht es wegen Rollsplits für einige Zeit nur mit 30 km/h über die Brücke mit ihrer Spannbreite von 44 Metern, die auf Waltroper Stadtgebiet liegt. Zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt noch der Verguss der Fugen auf dem Brückenbauwerk unter wechselseitiger, halbseitiger Sperrung.

Aus zehn Wochen wurde eine schier unendliche Geschichte

Die Geschichte dieses Brückenbaus ist lang. Sehr lang. „Peinlich“ nennt Oliver Jaswetz selbst das Bauvorhaben. „Wir hatten geglaubt, mit einer zehnwöchigen Sperrung auszukommen. Davon sollten sechs Wochen auf die Schulferien entfallen“, sagt er und ergänzt mit einer kleinen Pause: „2017.“

Jetzt lesen

Drei Jahre später berichtet der Abteilungsleiter der WSA, die in Duisburg-Meiderich sitzt, über die Geschichte dieses Brückenbaus, die von vielen Pannen begleitet wurde. Seine Kritik richtet sich an die ausführende Arge, also an die Arbeitsgemeinschaft vieler Firmen, die beteiligt waren.

Die Absperrungen an der Hebewerksbrücke, hier am Schiffshebewerk, werden nach drei Jahren weggeräumt.

Die Absperrungen an der Hebewerksbrücke, hier am Schiffshebewerk, werden nach drei Jahren weggeräumt. © Ronny von Wangenheim

Die folgenreichste Panne, die, die für die längste Verzögerung sorgte, stand gleich am Anfang. „Der Stahlbau wurde in sechs Teilen geliefert. Bei zwei Teilen fragte man sich, ob beide für die gleiche Brücke sind“, so Jaswetz. So etwas habe er in seiner langen Berufszeit noch nie erlebt. Später reihte sich eine kleine Störung an die andere. Zuletzt ging es unter anderem um Abdichtungsarbeiten. Termine wurden in diesem Sommer mehrmals immer wieder verschoben. Vor allem für die Anwohner bedeutete das weiter lange Umwege.

Ein jahrelanger Rechtsstreit auch um die Kosten deutet sich an

„Nach Schulnoten ist das fast ungenügend“, sagt Oliver Jaswetz. Er ist überzeugt, dass ein jahrelanger Rechtsstreit mit der Arge folgen wird. Da geht es auch um die Kosten. 1,9 Millionen Euro wurden 2019 veranschlagt. Mehr will die WSA auch drei Jahre später nicht bezahlen.

Erst einmal bekommen die ausführenden Firmen die Mängelliste, die am Donnerstag um ein paar Positionen wuchs. „Sechs bis acht Punkte sind normal“, berichtet der Fachmann. „Hier sind wir jetzt bei 50 bis 60 Punkten.“ Er kann aber beruhigen: „Die Mängel sind nicht so gravierend, dass sie eine Freigabe behindern. Der Verkehr wird frei fließen können.“

Am Donnerstag waren Arbeiter noch mit dem Fugenverguss beschäftigt. Zu den Mängeln zählen so simple Dinge wie die Beseitigung der Bauzäune oder des Unrats, der noch auf der Brücke liegt. Auch einige Schrauben an den Leitplanken fehlen noch und der Asphalt muss an einigen Stellen ausgebessert werden. Länger wird es dauern, den Korrosionsschutz zu optimieren. Das wird den Verkehr aber nicht beeinträchtigen, da diese Baustelle unter der Brücke ist.

Lesen Sie jetzt