Heide Wittrien hat Chaos und viel Natur auf ihrer Terrasse

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Heide Wittriens grünes Paradies passt auf ein paar Quadratmeter. Auf ihrer Terrasse stehen viele Kübelpflanzen. Hier zeigt sich, wie gut es ist, wenn der Florist auch Künstler ist.

Obercastrop

, 26.07.2020, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind nur ein paar Quadratmeter. Doch für Heide Wittrien ist ihre Terrasse ein wichtiger Ort. „Wenn ich morgens als erstes rausschaue, ist die Laune garantiert gut,“ sagt sie. Hier blüht und grünt es überall. Selbst auf der Bank bleibt nur ein kleiner Lieblingsplatz für die Castrop-Rauxelerin. Mittendrin im Grün steht eine Skulptur.

„Chaos II“ heißt die Arbeit von Wolfgang Schlieker. Heide Wittrien schätzt ihn als Künstler sehr, aber auch als Floristen. Denn Schlieker kümmert sich um die Pflanzen auf der Terrasse, weil sie dies nicht alleine kann. „Ich finde das eine irre Kombination“, verweist sie auf die Arbeit aus Stein und Stahl.

Auch ein Kunstwerk von Wolfgang Schlieker steht auf der Terrasse.

Auch ein Kunstwerk von Wolfgang Schlieker steht auf der Terrasse. © Ronny von Wangenheim

Steine schweben scheinbar schwerelos in der Luft, gehalten oder beflügelt von Stahlbändern. Die Gravitation scheint außer Kraft. Jeder Blickwinkel bietet neue Assoziationsmöglichkeiten. Stein und Stahl sind die typischen Materialien des Künstlers aus Castrop-Rauxel, von dem zum Beispiel eine große Arbeit am Europaplatz steht. Steine, so hat er einmal gesagt, gehören für ihn wie Pflanzen zur Natur.

Bild der Disharmonie kann in der Natur nicht entstehen

Die Skulptur passt sehr gut zwischen die Pflanzen. Heide Wittrien hat keinen festen Plan, wie sie ihre Terrasse gestaltet, die von einer Buchenhecke und Lorbeer begrenzt wird. Außerhalb hat sie noch eine Kiste aufgestellt, in der wilde Blumen als Insektenfutter sprießen. Das klappt sehr gut. Wildbienen und Schmetterlinge hat sie bereits gesichtet.

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Hinein darf, was ihr und Wolfgang Schlieker gefallen. Ein japanischer Zwergahorn steht neben Hortensien, eine indische Myrrthe neben Bambus, Begonien, einer Harlekinweide und Sonnenhut. Die Seniorin orientiert sich an einem Spruch von Vincent van Gogh: „Wenn Blumen, gleichgültig welcher Farben und Formen, zusammenstehen, kann niemals ein Bild der Disharmonie entstehen.“

Heide Wittrien hat sich auf ihrer Terrasse ein blühendes Paradies geschaffen.

Heide Wittrien hat sich auf ihrer Terrasse ein blühendes Paradies geschaffen. © Ronny von Wangenheim

Mittendrin im Grün hängen etliche Meisenknödel an einem Gestell. „Mein treuester Gast ist ein Rotkehlchen“, erzälht Heide Wittrien. Schwanzmeisen kommen gleich im Schwarm zu neunt und zehnt. Auch Blau- und Kohlmeisen wissen, wo die Knödel hängen. „Die Spatzen haben sich das abgeguckt, wie man den Knödel aus dem Netz pickt. Manchmal sind sie dabei heruntergefallen“, erzählt sie lachend.

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Seit eineinhalb Jahren wohnt Wittrien in ihrer Wohnung an der Glückaufstraße. Eine der ersten Pflanzen waren Rosen, die sie aus Garbsen, einer Gemeinde in Niedersachsen, mitgebracht hatte. Der Beruf hatte sie nach dem Englisch-und Russisch-Studium dorthin geführt. „An einem Gymnasium konnte ich den Fachbereich Russisch aufbauen“, erzählt sie und schwärmt: „Russisch ist eine wunderschöne Sprache.“ Nach ihrer Pensionierung kehrte die Castrop-Rauxelerin auch aus familiären Gründen in ihre Heimatstadt zurück.

Ulme wurde mit viel Wasser vor dem Vertrocknen gerettet

Die Liebe zu Blumen zeigt sich auch in ihrer Wohnung, Heide Wittrien ist bekennende Orchideen-Liebhaberin. Das große Fenster im Wohnzimmer gibt auch von drinnen einen guten Ausblick auf die Terrasse. Dann weist sie noch über ihre Terrasse heraus. An der Glückaufstraße steht eine Ulme. „Ich habe sie vor dem Vertrocknen gerettet“, erzählt Heide Wittrien.

Langsam erweitert Heide Wittrien ihre Terrasse, dazu gehören auch die blauen Schmucklilien. Die Ulme vor dem Haus hat sie vor einem Jahr mit viel Wassereinsatz vor dem Vertrocknen gerettet.

Langsam erweitert Heide Wittrien ihre Terrasse, dazu gehören auch die blauen Schmucklilien. Die Ulme vor dem Haus hat sie vor einem Jahr mit viel Wassereinsatz vor dem Vertrocknen gerettet. © Ronny von Wangenheim

Viel, sehr viel Wasser hat sie im vergangenen Sommer mit Hilfe von Wolfgang Schneider zum Baum transportiert. „Er hatte an einem Tag alle Blüten und angesetzte Früchte verloren. Da wusste ich, es muss etwas passieren.“ Das hat funktioniert. Heide Wittrien lächelt zufrieden. „Er hat sich erholt. Das ist jetzt mein Baum.“

Heide Wittrien lässt in einer Kiste Blumen als Insektenfutter sprießen.

Heide Wittrien lässt in einer Kiste Blumen als Insektenfutter sprießen. © Ronny von Wangenheim

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