Schlicht, öko, mega-hip: Babymode aus Ickern ist weltweit nachgefragt

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Helene Pani (29) ist selbst überrascht beim Rückblick auf 2019 und Anfang 2020: Die junge Mama aus Ickern ist Babymode-Designerin und wird mit ihrem Label „Hejlenki“ zurzeit überrannt.

Castrop-Rauxel

, 06.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Eigentlich ist Helene Pani Bankkauffrau. Und Mama von Benedikt (2). Und Eigenheim-Besitzerin. Aber ihr Job bei der GLS-Bank in Bochum ruht. Ihre Leidenschaft, das Nähen von Kinderkleidung, ist ihr Haupterwerb geworden. Inzwischen beschäftigt sie in ihrem Betrieb „Hejlenki“ mehrere Mitarbeiterinnen, die für sie nähen. Ihr Mann David arbeitet auch nur noch halbtags auswärts. Ansonsten ist er Finanz- und Zahlenmann in Helene Panis Unternehmen.

„Hejlenki“ ist am 1. Juni 2020 ein Jahr alt geworden - und in diesem Jahr zu einem Start-Up-Unternehmen geworden, das seinen Onlineshop zurzeit nur selten öffnen kann. Dann wird Helene Pani von Bestellungen überwältigt. Es sind schlichte Baby- und Kinder-Sachen: sehr kurze und lange Hosen, einfarbige Shirts oder Pullover mit zwei Kordeln auf der Brust, die einen Regenbogen symbolisieren. „Ich habe mir etwas Eigenes überlegt, eigene Ideen“, sagt Helene Pani. „Minimalistisch mit einem kleinen Element und ein bisschen Bohemian-Touch“, erklärt sie. „Und zeitlos: Man kann die Kleidung für Geschwister aufbewahren, Jungen und Mädchen können sie tragen.“

Helene Pani (29) aus Ickern näht unter dem Label "Hejlenki" unter dem Dach ihres Hauses. Von fällt aus dem Fenster ihr Blick auf die Emscher.

Helene Pani (29) aus Ickern näht unter dem Label "Hejlenki" unter dem Dach ihres Hauses. Von fällt aus dem Fenster ihr Blick auf die Emscher. © Helene Pani

Am 1. Juni war der Shop auf ihrer Website von 0 Uhr an nach längerer Schließung mal wieder offen. „Wir kamen mit dem Nähen und Verarbeiten der Bestellungen nicht hinterher“, erzählt Helene Pani. „Als wir das um 2 Uhr gesehen haben, was da abgeht, habe ich noch gesagt: Wir lassen noch offen bis nach dem Frühstück.“

Am nächsten Morgen um 9 Uhr dachte sie: „Oje, wir hätten früher schließen sollen.“ Mehr als 100 Bestellungen über Nacht. Und nicht nur mal eben eine Mütze oder ein Pullover pro Order, sondern zum Teil zwölf Teile. Aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, den Niederlanden. „Hejlenki“ aus Ickern ist Trend.

Warum eigentlich? „Ich glaube wegen ‚handmade‘“, sagt Heleni Pani. Es gehe weg von „fast fashion, möglichst billig, möglichst zig Teile im Schrank, die nach kurzer Zeit nicht mehr gefallen“. Sie erkennt einen gesellschaftlichen Wandel zur Nachhaltigkeit. „Die Kleidungsstücke haben einen anderen Wert. Wir nähen extra für dein Kind, nicht in einer Fabrik, in Masse, unter schlechten Arbeitsbedingungen.“

Anfangs kaufte sie Stoffe beim Großhändler. „Sie hatten aber entweder kein Biosiegel, einen Polyester-Anteil oder die Farben gefielen mir nicht. Deswegen habe ich gesagt: Hejlenki braucht eigenes Design, einen Wiedererkennungswert. Und ich wollte bestimmen, welches Material, unter welchen Bedingungen hergestellt.“

Mit solchen Produktfotos und süßen Babys im Hejlenki-Style beglückt sie ihre Follower(innen) bei Instagram. Das ist die Basis ihres Erfolgs, ebenso wie das einfache und klare, zeitlose Unisex-Desgin mit den süßen Details wie dem Regenbogen aus zwei Kordeln.

Mit solchen Produktfotos und süßen Babys im Hejlenki-Style beglückt sie ihre Follower(innen) bei Instagram. Das ist die Basis ihres Erfolgs, ebenso wie das einfache und klare, zeitlose Unisex-Desgin mit den süßen Details wie dem Regenbogen aus zwei Kordeln. © Helene Pani

Sie ließ sich einen Stoff entwickeln. Einen Monat lang arbeitete sie mit einer Illustratorin am Design. Dann wurde der Bio-Baumwollstoff für Hejlenki mit Clementinen bedruckt. Und es gibt Hejlenki-Hosen aus Baumwolle mit Waffel-Struktur, dem ersten Stoff, der eigens für das Label bei einer alten deutschen Manufaktur gestrickt wurde. „Nach meinen Vorstellungen, in meiner Farbe gefärbt“, so Pani.

Das kostet Zeit. „An einem Pullover nähen wir allein 20 bis 30 Minuten“, sagt Helene Pani. Handarbeit. Und das Material ist hochwertig, ökologisch und fair. Das ist ihr Ding. Sie arbeitet bei einer Bank, die das verspricht. Die gebürtige Waltroperin, die mit ihrem Mann David vor fünf Jahren ein Haus am Vinckehof in Ickern kaufte, tickt so: Sie liebt minimalistisches Design und umweltbewusstes Handeln.

Als 2017 Benedikt zur Welt kam, fing alles an: Sie tat sich schwer, Kinderklamotten zu finden. „Ich mag blau für Jungs und rosa für Mädchen nicht.“ Was sie in den Geschäften fand, sagte ihr nicht zu. „Ich selbst trage auch Sachen von H&M“, sagt sie. Aber fürs eigene Kind? Was liegt an schädlichen Bestandteilen auf der Haut, die rund um die Uhr atmet?

David und das Nähmaschinen-Geschenk

Zur Geburt bekamen Panis Handmade-Sachen geschenkt. Und dann das: Papa David dachte, dass ihr gefallen könnte, selbst zu nähen. Er schenkte ihr zum 26. Geburtstag eine Nähmaschine. Einfach so. Von da an war das Dachgeschoss Nähzimmer. „Ich fand es beglückend, meinem Kind etwas anzuziehen, das ich selbst gemacht habe. Das war damals eine Mütze, die war krumm und schief - aber es war einfach ein tolles Gefühl.“

Sie näht seither jeden Tag. Vor einem Jahr reifte die Entscheidung, eine Firma anzumelden. Am 1. Juni 2019 geschah das, im Rathaus. Und heute? „Das ist sehr krass geworden“, sagt Helene Pani.

So kam es zum Namen „Hejlenki“

Ihr ältere Schwester nannte sie immer schon „Helenki“. „Und ich stehe auf minimalistische Designs wie die Schweden“, sagt Helene Pani. So wurde aus dem schwedischen Hej (für Hallo) und Helenki das Label „Hejlenki“. Diese Marke ist mit Patentschutz im Register eingetragen.

Sie war zweimal im Online-Magazin der Frauenzeitschrift Elle. Eine belgische Reporterin kontaktierte sie Anfang 2020 und schrieb auf Französisch ein Porträt über ihr Label. Später erschien dort noch ein Artikel über die zehn coolsten Sommeroutfits. Wie es dazu kam? „Die haben mich einfach angeschrieben.“

Laura Lurquin war auf Instagram, dem wichtigsten Online-Kanal für Helene Pani, auf sie gestoßen. „Ich konnte das nicht einordnen“, sagt sie heute. Auch das, was danach geschah, nicht: „Wir sind gigantisch gewachsen.“ Bei DHL meldete sie sich als Geschäftspartnerin an: Am Vinckehof fährt nun täglich ein Lieferwagen vor, um Pakete abzuholen. Es sind jetzt 150 pro Woche. Alles stapelt sich in ihrem Haus: Arbeit, Ware, Stoffe. Sie hat inzwischen sieben Nähmaschinen.

Mode von Helene Pani aus Ickern: Sie näht unter dem Label "Hejlenki" schlichte Kinderkleidung, die zurzeit sehr gefragt ist.;

Mode von Helene Pani aus Ickern: Sie näht unter dem Label "Hejlenki" schlichte Kinderkleidung, die zurzeit sehr gefragt ist.; © Helene Pani

Und Mitarbeiterinnen. Sie selbst näht Prototypen, kümmert sich mit ihrem Mann um den Zuschnitt der Stoffe. Das gibt sie dann an ihre Näherinnen weiter, die das als Minijob machen. Sie könne sich gut vorstellen, Vollzeitkräfte einzustellen. Am Ende aber geht alles durch die Hände von Helene Pani. Sie macht die Abnahme, ist sorgfältig. Ein Pullover kostet ab 35 Euro, eine Mütze ab 18 Euro.

Dazu postet sie bei Instagram - und das ist auch ein Grund, vielleicht der zentrale, ihres Erfolgs. Sie hat dort 24.000 Follower und sagt als Szenekennerin: Für ein Jahr ist das sehr viel. Andere Handmade-Shops würden sie anschreiben und sie fragen, wie sie das geschafft hat. Wie die Elle damals.

Die Geheimnisse ihres Erfolgs

Die Produktfotos, sagt Helene Pani, seien das A und O und mega-wichtig für ihren Erfolg. Sie haben ihr geholfen, eine große Reichweite zu erzielen. Außerdem gilt für die die Erfolgsformel: kopiert nicht, bleibt eurem Stil treu! Wichtig seien zudem authentische Menschen, die zum Label passen und freiwillig „Werbung“ für sie im Internet machen. „Da geht es nicht um deren Reichweite, sondern um Authentizität und dass sie selbst gute Bilder von deinen Sachen mit ihren Kindern posten.“

Hejlenkis Ware geht auch ins EU-Ausland. Zurzeit arbeitet sie daran, sich fit zu machen für den Weltmarkt, und beschäftigt sich mit Fragen wie Zoll- und Steuerregularien, die zu bedenken sind. Anfragen aus den USA oder aus Dubai bekomme sie laufend. Als Fashion-Bloggerin und Influencerin Carmen Kroll alias „carmushka“ (964.000 Follower) bei Instagram ihre Kleidung empfahl, brachen die Dämme bei den Bestellungen. Auch Influencerinnen aus New York mit mehr als 1 Million Follower erwähnten Hejlenki.

„Ich kontakte viel mit Influencern“, sagt Helene Pani. „Carmen Kroll hat mich selbst angeschrieben. Ich hab für ihr ungeborenes Kind genäht. Sie hatte mal bei Insta nach Shops für Kindermode gefragt. Ich bin ihr da sehr oft empfohlen worden“, so die Ickernerin. „Eine Wahnsinns-Ehre, dass sie Werbung für mich gemacht hat. Kostenlos. Andere zahlen für einen Post oder eine Insta-Story 1000 Euro oder mehr.“

„Ich hätte gern einen Laden“

Hejlenki ist jetzt ein Jahr alt. Wie geht es weiter? „Ich hätte gern einen kleinen Laden. Aber das ist Zukunftsmusik, vielleicht in fünf Jahren.“ Man arbeite an einer neuen Homepage mit einer besseren Shop- und Bestellabwicklung. Sie suche zudem noch zwei Aushilfen.

Dafür hat sie sich jetzt bei ihrem Arbeitgeber für drei Monate beurlauben lassen. Um ihr Geschäft auf breitere Beine zu stellen. Liegt ihre Zukunft in Ickern? „Ich fühle mich so wohl hier“, sagt die gebürtige Waltroperin. Nach dem Abitur dort zog sie nach Dortmund und wurde dann vor fünf Jahren an der Emscher heimisch. „Klein, gemütlich, man kennt schon alle hier, mein Sohn auch“, sagt sie und lacht.

Als ihr Mann David sie zum Jahreswechsel fragte, was ihr Ziel für 2020 sei, sagte sie: „Ich möchte auf der Straße einem Kind begegnen, das meine Kleidungsstücke trägt. Das ist das, was mich glücklich macht.“

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