Hitziger Info-Abend zwischen Amprion und den Pöppinghausern endet halbwegs versöhnlich

rnStromnetz-Ausbau

Amprion will in Pöppinghausen die Stromtrassen ausbauen. Am Donnerstag stellte der Netzbetreiber den Dorfbewohnern seine Pläne vor. Nach drei Stunden wurde aus dem Streitgespräch ein Dialog.

Pöppinghausen

, 26.01.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei Stunden wurde gestritten, erst dann kam es zum Dialog: Der erste Bürger-Informationsabend am Donnerstag zum geplanten Stromtrassen-Ausbau in Pöppinghausen war lange Zeit hitzig. Aber am Ende entwickelte sich doch noch eine konstruktive Diskussion zwischen der zehnköpfigen Entourage des Netzbetreibers Amprion und den Pöppinghauser Bürgern. Danach hatte es jedoch lange Zeit nicht ausgesehen.

150 Pöppinghauser gegen die Amprion-Vertreter

Die Fronten schienen verhärtet:

  • Auf der einen Seite die Firma Amprion, deren Aufgabe es ist, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dafür will der Netzbetreiber das Umspannwerk Pöppinghausen von 220 Kilovolt (kV) auf 380 kV aufrüsten. Das Gleiche gilt für die Stromtrassen, die durch den Ort führen.
  • Auf der anderen Seite die Pöppinghauser, die das verhindern wollen - allen voran die Bürgerinitiative „Nicht über unseren Köpfen“. Gut 150 Personen waren am Donnerstagabend in die prall gefüllte Pöppinghauser Kirche gekommen, um sich ab 18 Uhr die Pläne des Netzbetreibers erklären zu lassen.

Doch viel Zeit zur Erklärung hatten die Amprion-Vertreter nicht. Oft wurden sie bei ihren Ausführungen unterbrochen. Zu viele Fragen brannten den Zuhörern unter den Nägeln, zu groß waren die Sorgen vor gesundheitlichen Auswirkungen durch die elektromagnetischen Strahlungen, vor Wertverlusten der Grundstücke - und vor zu wenig Mitspracherecht im Entscheidungsprozess.

Auch die Empore in der Pöppinghauser Kirche war komplett besetzt. Viele Bürger erwischten nur noch einen Stehplatz im Eingangsbereich.

Auch die Empore in der Pöppinghauser Kirche war komplett besetzt. Viele Bürger erwischten nur noch einen Stehplatz im Eingangsbereich. © Marc-André Landsiedel

So entwickelte sich am Donnerstag ein Gespräch zweier Parteien, das lange Zeit aneinander vorbei führte. Teils fundierte, oft aber auch emotionale Wortbeiträge bis hin zu polemischen Kommentaren und Kampfansagen kamen aus den Reihen der Pöppinghauser. Der Tenor: „Wir lassen uns die Pläne von Amprion nicht aufzwängen.“

Amprion will Alternativen geprüft haben

Dem gegenüber standen flüchtige Antworten, vage Formulierungen und Behörden-Sprech auf der Seite von Amprion: Die Mitarbeiter schafften es nicht, den Vorwurf der Pöppinghauser, der Netzbetreiber wolle seinen kostengünstigen Plan A durchdrücken, glaubhaft zu entkräften.

„Wir haben mögliche Alternativen geprüft“, beteuerte Amprion-Vertreter Jonas Aßhoff. Er sähe derzeit aber keine realisierbare Alternative zu den beiden geplanten 380-kV-Trassen, die westlich und östlich durch Pöppinghausen verlaufen sollen. „Auch wenn Sie mir nicht glauben“, so Aßhoff mit Blick in die Runde.

Erdverkabelung im Höchstleitungsbereich nicht möglich

Eine von der Bürgerinitiative geforderte Erdverkabelung sei im Höchstleitungsbereich von 380 kV nicht möglich. Das gleiche gelte für eine alternative Trassenführung um Pöppinghausen herum am Rhein-Herne-Kanal entlang. Schuld daran sei der Aufbau des Umspannwerks, so Aßhoff. Denn den Anschluss des Werks an die 380-kV-Leitungen könne man nur von Norden aus herstellen, nicht von der südlichen Seite des Umspannwerks, an dem der Kanal entlangläuft.

Die Bürgerinitiative „Nicht über unseren Köpfen“ durfte gegen Ende des Abends mögliche Alternativen auf der Leinwand präsentieren. Die Hälfte der Kirche war da schon wieder leer.

Die Bürgerinitiative „Nicht über unseren Köpfen“ durfte gegen Ende des Abends mögliche Alternativen auf der Leinwand präsentieren. Die Hälfte der Kirche war da schon wieder leer. © Marc-André Landsiedel

Auch ein Ausbau des Umspannwerks hinein in das östlich gelegene Naturschutzgebiet habe man geprüft. „Der Besitzer hätte sogar an uns verkauft. Aber das Gebiet wäre für den Bau zu sumpfig, das stünde in keinem Verhältnis“, erklärte Aßhoff. Die generelle Frage aus den Amprion-Reihen, ob man denn in den Naturschutz eingreifen solle, erntete höhnisches Gelächter. „Und was ist mit dem Schutz der Menschen?“, lautete die Gegenfrage der Pöppinghauser.

Gesetzliche Grenzwerte werden eingehalten

Man werde die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte einhalten, versicherte Amprions Strahlungs-Experte Benjamin Schröder: „Der Gesundheitsschutz ist sichergestellt.“ Wenn ihnen diese Grenzwerte zu hoch seien, sollten sich die Pöppinghauser bei den zuständigen Behörden beschweren, nicht bei Amprion, so Schröder weiter.

Drei Stunden ging das so - und zehrte bei allen Parteien sichtlich an den Nerven. Die Kirche war da nur noch zur Hälfte gefüllt, viele Pöppinghauser waren bereits nach Hause gegangen.

Alternative Route soll geprüft werden

Dann endlich kam es doch noch zum Dialog: Die Bürgerinitiative durfte auf einer Karte ihre Alternativ-Pläne präsentieren. Jonas Aßhoff von Amprion erklärte, warum die meisten der Vorschläge nicht realisierbar seien. Doch siehe da: Zumindest für die westliche 380-kV-Trasse konnten die Pöppinghauser eine alternative Route präsentieren, die eventuell in Frage käme. Sie führte um die betroffenen Wohnhäuser herum. „Die Idee ist gar nicht so dumm“, musste Aßhoff anerkennen - und versprach, das Szenario ausführlich prüfen zu lassen.

Amprion-Vertreter Jonas Aßhoff versprach, einen Vorschlag der Bürgerinitiative zur alternativen Führung der westlichen 380-kV-Trasse prüfen zu lassen.

Amprion-Vertreter Jonas Aßhoff versprach, einen Vorschlag der Bürgerinitiative zur alternativen Führung der westlichen 380-kV-Trasse prüfen zu lassen. © Marc-André Landsiedel

Und so nahm der Abend doch noch ein halbwegs versöhnliches Ende. Amprion-Vertreter und Bürgerinitiative kamen überein, sich vor Ostern erneut in kleinerem Kreis zusammenzusetzen, womöglich im Castrop-Rauxeler Rathaus. Bis dahin habe Amprion den Vorschlag zur alternativen Trassen-Führung im Pöppinghauser Westen geprüft. Und die Pöppinghauser Hoffnung auf eine gemeinsame Lösung lebt vorerst weiter. Zumindest mal bis kurz vor Ostern.

Zur Sache

Amprions Zeitplan

  • Im zweiten Quartal 2019 will Amprion die Genehmigungen für den Umbau des Umspannwerkes sowie der Stromtrassen bei der Bezirksregierung Münster beantragen. Der Umbau solle in der zweiten Jahreshälfte 2020 beginnen und bis 2024 andauern.
  • Schweres Material und Gerät würde für den Umbau benötigt. Der Baustellenverkehr soll laut Amprion über die Wewelingstraße und den Ringelrodtweg führen. „Wir würden den Straßenzustand dokumentieren“, so ein Amprion-Sprecher.
  • Ob Amprion die Genehmigungen der Umbaumaßnahmen per Planungsgenehmigungs- oder Planungsfeststellungsverfahren beantragen werde, stehe noch nicht fest. Man befände sich noch in einer sehr frühen Phase der Planung, so Amprion. Die Entscheidung hierüber obliege aber sowieso der Bezirksregierung, so ein Amprion-Vertreter.
  • Die Pöppinghauser hoffen auf ein Planungsfesstellungsverfahren - aufgrund der höheren Auflagen.
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Pöppinghausen steht unter Strom: Der geplante Ausbau der Stromtrassen erhitzt die Gemüter. Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Amprion-Pläne - und signalisiert Gesprächsbereitschaft. Von Marc-André Landsiedel

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