Der Digitalunterricht lief an Castrop-Rauxels Schulen am ersten Tag nach den Winterferien mehr schlecht als recht ab. (Symbolbild) © dpa
Coronavirus

Holpriger Start: Kein Digital-Unterricht an mehreren Castrop-Rauxeler Schulen

Der erste Tag nach den Weihnachtsferien mit digitalem „Home-Schooling“ war auch in Castrop-Rauxel problematisch: An Schulen musste der Unterricht komplett eingestellt werden.

Nach den verlängerten Corona-Ferien hat am Montag (11. Januar) die Schule wieder begonnen. Doch anstelle morgens zur Schule zu gehen und sich in die Klasse zu setzen, ging es stattdessen für die Schüler vor den Computer, den Laptop oder das Tablet.

Denn wegen der hohen Corona-Infektionswerte gibt es mindestens bis zum 29. Januar in ganz NRW wieder digitalen Distanz-Unterricht oder „Home-Schooling“. Die Schüler sollen von zu Hause lernen, zumindest in der Theorie.

Server sind restlos überlastet

Denn in der Praxis sind viele Server der einzelnen Anbieter mit dem Ansturm offenbar heillos überfordert gewesen. In Nordrhein-Westfalen kam es vielerorts mitten im Unterricht zu Abstürzen oder es gab erst gar keine Möglichkeit, auf die Plattformen zu kommen, weil zu viele Schüler und Lehrer zeitgleich auf die Plattformen zugreifen wollten.

Castrop-Rauxel bildet da keine Ausnahme. „Es gab deutliche Schwierigkeiten mit dem Distanzunterricht bei uns“, sagte Violetta Kroll-Baues, Direktorin der Willy-Brandt-Gesamtschule, ein.

Die Schüler hätten derartige Probleme gehabt, auf den Server der digitalen Lernplattform zuzugreifen, dass sich die Schulleitung gezwungen sah, den digitalen Unterricht erst einmal auf Eis zu legen. „Unser IT-Support ist gerade noch daran, das Problem zu beheben. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es bei diesem einen Tag bleibt“, sagt Violetta Kroll-Baues. „Wir haben schließlich auch von der Landesregierung bis zum 13. Zeit bekommen.“

Am Martin-Luther-King-Schule fehlen Endgeräte

Auf diese Frist setzt offenbar auch die Martin-Luther-King-Förderschule. In einer Mitteilung auf der Homepage der Schule heißt es, auch hier sei erst zur Wochenmitte mit Digitalunterricht zu rechen. Der Grund dafür seien jedoch nicht Zugangsprobleme auf die Lernplattform, wie es auf Anfrage der Redaktion von der Schule heißt.

Das Problem sei eher analoger Natur: Weder Schüler und Lehrer hätten die für den Digitalunterricht erforderlichen Endgeräte bereits zur Verfügung gestellt bekommen.

Verständnis für technische Probleme

Hautnah erleben konnte Schulleiter Joachim Höck vom Adalbert-Stifter-Gymnasium die Probleme seiner Schüler mit den Lernplattformen. Denn am ASG wurde auch den Schülern in der Notbetreuung ermöglicht, am Digitalunterricht teilzunehmen – wenn er denn klappte. „Wir hatten morgens wirklich Probleme. Wenn es überhaupt möglich war Unterricht abzuhalten, dann nur sehr zeitversetzt“, erzählt Höck.

Dennoch hat der Schulleiter für die technischen Schwierigkeiten auch Verständnis: „Landesweit kann man die Anbieter für Lernplattformen an einer Hand abzählen. Dass da Probleme entstehen, wenn von jetzt auf gleich jeder Homeschooling anbietet, ist eigentlich abzusehen.“

Probleme mit dem Videochat

Als besonderes Problem stellte sich dabei die Videochat-Funktion heraus: Die Übertragung kam nur zeitverzögert bei Teilen der Klasse an, es hakte und ruckelte. Zwischendurch stürzte auch die virtuelle Gesprächsrunde einfach ab.

Mehrere Anbieter raten daher jetzt schon den Schulen, den Beginn des Distanzunterrichts über die Klassen hinweg zeitlich zu versetzen. In Castrop-Rauxel läuft das Online-Angebot der Schulen jedoch über die Stadt. Diese hat Lizenzen für MSNProCLoud gekauft und diese den Schulen im Stadtgebiet zur Verfügung gestellt.

Von möglichen Störungen wollte man bei der Stadt Castrop-Rauxel indessen nichts wissen. „Der Schulserver für die Castrop-Rauxeler Schulen ist nicht überlastet“, heißt es in einer Mail der Stadtpressestelle.

Keine Störungen beim Ernst-Barlach-Gymnasium

Von Problemen war auch beim Castrop-Rauxeler Digitalisierungs-Musterkind, dem Ernst-Barlach-Gymnasium, in der Zwischenzeit nichts zu merken. Schulleiter Friedrich Mayer sagte, ihm seien „keine Besonderheiten bezüglich des Distanzunterrichts aufgefallen“.

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Volontär
Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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