Hund sollte eingeschläfert werden: Mitarbeiterin im Castrop-Rauxeler Tierheim rettete ihn

rnAggressive Hunde

Aggressive Hunde sind im Castrop-Rauxeler Tierheim zunehmend ein Problem. Im Interview erklärt die zweite Vorsitzende, woher die Aggressionen kommen und was man dagegen machen kann.

Castrop-Rauxel

, 30.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Mitarbeiter des Tierheims in Castrop-Rauxel sind im Umgang mit aggressiven Hunden von der Hellhound Foundation geschult worden. Ein Problem, dem Tierheime laut Kristina Rummeld immer häufiger ausgesetzt sind. Sie ist die 2. Vorsitzende des Tierheims und hat an der zweitägigen Fortbildung teilgenommen.

Was haben Sie und die Teilnehmer bei der Fortbildung gelernt?

Es ging vornehmlich darum, wie es gelingen kann, aggressive Hunde im Ernstfall besser „händeln“ zu können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Derartige Notsituationen sind zum Beispiel ein vorm Tierheim mitten in der Nacht angebundener Hund, der einem Zähne fletschend und mit Platzwunden an Kopf und Körper übersät gegenüber steht.

Ein nach einem Beißvorfall notdürftig an einen Heizkörper geketteter Hund, den man aus einer Wohnung holen muss und der sich gerade nicht nett zeigt. Ein ausgesetzter Hund, der schwer verletzt aufgefunden wird und entschieden hat, keine Hilfe anzunehmen.

Warum werden Hunde überhaupt aggressiv?

Gründe für aggressives Verhalten gibt es viele. Es ist daher wichtig, zunächst die Ursachen zu analysieren. Das können negative Erfahrungen in der Vergangenheit sein. Anschließend können Lösungen entwickelt und diese dann mit dem Hund gemeinsam umgesetzt werden . Der Hund muss lernen, wann sein Aggressionsverhalten unangebracht ist.

Grundsätzlich ist aggressives Verhalten des Hundes ein vollkommen natürliches und für ihn sinnvolles Verhalten, denn er möchte seine Situation so regeln, dass sie für ihn erträglich ist. Der Mensch steht dann allerdings 42 Argumenten, also Zähnen gegenüber. Insofern gilt es, miteinander einen Weg zu finden, der nicht zu Beißvorfällen führt.

Aggressive Hunde sind also total normal?

Ein gewisses Maß an Aggressivität im Sinne von Konfliktklärung oder Schutzverhalten gehört zu einem normalen Hundeleben dazu. Wenn dieses Maß jedoch überschritten und ständig in unpassenden Situationen eingesetzt wird, ist das nicht mehr „normal“. Der Hund sieht das natürlich nicht so.

Können Sie ein Beispiel eines aggressiven Hundes nennen?

Willi ist ein Terrier-Mischling und lebt bei uns im Tierheim. Er wurde zuvor jahrelang sehr misshandelt! Er ist allein, weil er regelmäßig aggressives Verhalten zeigt. Die Menschen weichen zurück. Er möchte kontakten, kann es aber aufgrund seiner Erfahrungen schlussendlich nicht. Ein sehr trauriger Fall!
Willi ist obendrein Nierenkrank und muss regelmäßig zum Tierarzt. Wir möchten verhindern, dass Willi, wenn es irgendwann leider soweit ist, mit einem Maulkorb und ohne menschliche Nähe auf dem Tisch eines Tierarztes eingeschläfert werden muss!

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Was können Sie tun, um Willi zu helfen?

Willi braucht vor allem eine Bezugsperson, die konsequent und ohne Angst mit ihm zusammen daran arbeitet, für seine Konfliktsituationen andere Wege zu finden. Wie dies nach der langen Zeit gezielt gehen kann, dazu haben wir sehr viel von den Hellhoundss gelernt. Infolgedessen hat Willy nun ein festes Zuhause gefunden, denn es traut sich nun jemand dauerhaft zu.

Gibt es Hunde, bei denen es Ihnen gelungen ist, die Aggressivität abzubauen?

Eddi war ein Kleiner Münsterländer, der mit zehn Jahren in unser Tierheim kam. Seine Besitzer wollten ihn nicht mehr haben. Er galt nach mehreren Vermittlungsversuchen wegen seines dauerhaft aggressiven Verhaltens auch im Tierheim als nicht vermittelbar. Er stand auf der Einschläferungsliste.
Ich konnte zu ihm in die Box gehen, ohne dass er versuchte, mich anzugreifen. Das war nicht jeden möglich. Daraufhin haben mein Mann und ich ihn in unser Hunderudel aufgenommen. Ich konnte nach einem Jahr mit Eddi auf seiner Decke schmusen und ihn zum Beispiel auch in eine Menschenmenge mitnehmen. Mit 15 ist er dann leider an einem Milztumor gestorben. Er hatte noch drei glückliche Jahre bei uns.

Hund sollte eingeschläfert werden: Mitarbeiterin im Castrop-Rauxeler Tierheim rettete ihn

So sah Eddi noch aus, als er aggressiv war und als nicht vermittelbar galt. © Privat

Wie haben Sie es geschafft, bei Eddy Nähe aufzubauen?

Wir haben analysiert, warum Eddi sich aggressiv verhielt. So konnten wir sein Verhalten gezielter beeinflussen. Außerdem haben wir beobachtet, wie er sich im Hunderudel aufstellte. Daraus haben wir viel gelernt und auf unseren Umgang mit ihm sozusagen übertragen.

Hat es auch schon Verletzungen im Umgang mit aggressiven Hunden im Tierheim gegeben?

Solange ich das Tierheim kenne - seit 2008 - hat es keine ernsthaften Verletzungen gegeben.

Was können Hundehalter gegen die Aggressivität tun?

Es gibt kein Patentrezept. Jeder Hund ist anders und reagiert anders. Man sollte unbedingt einen Hundetrainer einschalten, um sich professionelle Hilfe zu holen.

Kann jeder einen aggressiven Hund aus dem Tierheim aufnehmen?


Solche Hunde sich nichts für Anfänger. Wir achten darauf, dass die Halter Erfahrung mit aggressiven Hunden mitbringen. Es reicht nicht aus, einfach nur lange Hunde gehabt zu haben. Man muss über sehr spezielle Kenntnisse verfügen.

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