Ickerner Schüler darf nicht mit dem Schulbus fahren

Zur Realschule Waltrop

Nicole Buckmann aus Ickern weiß nicht weiter. Ihr Sohn soll nach den Sommerferien die Realschule in Waltrop besuchen. Aber er darf nicht mit dem Schulbus dorthin fahren - obwohl seine Familie sogar bereit ist, selbst das Ticket zu bezahlen. Der Grund: Der Schüler wohnt 800 Meter zu nah an der Fridtjof-Nansen-Realschule in Castrop-Rauxel.

ICKERN

von Martin Behr

, 27.07.2017, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ickerner Schüler darf nicht mit dem Schulbus fahren

Von der Haltestelle Ickern Markt fährt ein Schulbus nach Waltrop.

Das Problem liege im Schulgesetz, sagt Heike Trümper, die bei der Waltroper Stadtverwaltung zuständig ist für Schulangelegenheiten. „Die Verordnung gibt so einen Fall nicht her.“

Dieser „Fall“ ist schnell erklärt. Weil Familie Buckmann aus Ickern von der „besseren Qualität“ der Waltroper Realschule gegenüber der in Castrop-Rauxel überzeugt ist, hat sie ihren Sohn in Waltrop angemeldet. Schon bei der Anmeldung habe die Schulverwaltung ihnen mitgeteilt, dass sogar ein neuer Schulbus eingesetzt werde.

Schüler darf den Bus gar nicht nutzen

Doch die Ernüchterung folgte schnell: Denn im Falle der Buckmanns übernimmt die Stadt Waltrop die Kosten für den Schulbus nicht, weil die nächstgelegene Realschule in Castrop-Rauxel weniger als 3,5 Kilometer vom Wohnhaus der Buckmanns entfernt liegt. Distanz zur Fridtjof-Nansen-Realschule laut Nicole Buckmann: etwa 2,7 Kilometer. „Kein Problem, dachten wir, dann zahlen wir die Beförderung selbst“, sagt die Mutter weiter. Das kenne man schließlich auch vom Schoko-Ticket.

 

Nach einem Anruf bei der Schulverwaltung in Waltrop vor wenigen Tagen dann der Schock: „Da bekam ich die Auskunft, dass mein Sohn den Bus gar nicht nutzen darf“, erzählt Nicole Buckmann. Zur Erinnerung: Die Familie ist bereit, die Stadt für den Bus-Service zu bezahlen.

"Hier kann nur die Landesregierung etwas ändern"

Auf Nachfrage unserer Redaktion zeigte sich auch die Waltroper Bürgermeisterin Nicole Moenikes unglücklich über diesen Fall. „Aber uns sind da wirklich die Hände gebunden. Hier kann nur die Landesregierung etwas ändern“, beteuert die Bürgermeisterin und begründet das auch. „Die Stadt darf die Kosten für den Bus-Transfer nicht abrechnen, weil der Junge formalrechtlich gar nicht mit dem Bus fahren darf.“ Übersetzt heißt das: Düsseldorfer Bürokratismus verhindert, dass ein Junge möglichst problemlos eine Waltroper Schule besuchen kann.

Welche Möglichkeiten Familie Buckmann nun bleiben? „Wir müssen ihn jeden Tag zur Schule fahren und wieder abholen. Zumindest solange, bis er dort Anschluss gefunden hat und dann eventuell mit dem ÖPNV fahren kann“, sagt Nicole Buckmann. Doch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Waltrop ist beschwerlich und dauert länger als mit dem Schulbus, denn es gibt keine direkte ÖPNV-Verbindung zwischen Waltrop und Ickern.

Wer muss den Bus bezahlen?
Bei der Fahrtkostenvergütung für Schüler gilt das Schulträgerprinzip. Heißt: Für die Schüler, die an Waltroper Schulen unterrichtet werden, zahlt die Stadt Waltrop - nicht der Heimatort des Schülers.
Der Bustransport wird allerdings nur bezahlt, wenn der Schulweg länger als 3,5 Kilometer (Sekundarstufe I) bzw. 5 Kilometer (Sek. II) ist. 
Zudem gilt: Möchte ein auswärtiger Schüler beispielsweise die Realschule in Waltrop besuchen, dann bekommt er den Bus nicht bezahlt, wenn es in seinem Wohnort eine Realschule gibt, die näher an seinem Zuhause ist als 3,5 bzw. 5 Kilometer. 

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