Immer mehr fremde Kennzeichen in Castrop-Rauxel

Von Augsburg bis Bochum

Wo Augsburg drauf steht, könnte Castrop drinsitzen: Seit gut zwei Jahren dürfen Fahrzeughalter bei einem Umzug in einen anderen Zulassungsbereich ihr Kennzeichen behalten. Das spart Bürokratie – und vor allem bares Geld. Heißt aber auch: Das Kennzeichen verrät mitunter nicht mehr den Wohnort eines Autofahrers.

CASTROP-RAUXEL

, 14.08.2017 / Lesedauer: 3 min
Immer mehr fremde Kennzeichen in Castrop-Rauxel

Andrè Zimmermann wollte für seine Corvette ein kleines Nummernschild – der Kreis weigerte sich, in Bochum war das kein Problem. Deswegen fährt er jetzt mit BO durch Castrop-Rauxel statt mit CAS oder RE.

Knapp 8000 Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen sind laut Straßenverkehrsamt derzeit im Kreis Recklinghausen gemeldet, rund 900 dürften es statistisch gesehen allein in Castrop-Rauxel sein. Größtenteils handelt es sich dabei um Kennzeichen aus der näheren Umgebung. Dortmund, Unna oder Bochum sind darunter. Aber nicht nur. Es gibt auch Kennzeichen-Zuzug aus anderen Bundesländern. „Von A wie Augsburg bis Z wie Zschopau rollen mittlerweile viele Kürzel über unsere Straßen“, sagt Kreissprecher Florian Adamek.

Patriotismus und Geld spielen eine Rolle

Die Gründe sind unterschiedlich. Viele Fahrzeughalter wollen Geld sparen. Während Halter für die Umschreibung eines Fahrzeugs mit neuem Kennzeichen beim Kreis Recklinghausen 30,20 Euro zahlen – Kosten für Kennzeichenprägung und mögliches Wunschkennzeichen kommen noch obendrauf –, kostet die Umschreibung bei gleichem Kennzeichen nur 17,50 Euro.

Bei anderen Haltern spielt Patriotismus eine große Rolle. „So können sie auf dem Kennzeichen ein Stück Heimat mit an ihren neuen Wohnort nehmen“, sagt Adamek.

Aber es gibt noch andere Gründe, wie das Beispiel von Autoliebhaber André Zimmermann zeigt. Der Castrop-Rauxeler fährt eine Corvette. Für ihn kam nur ein kleines Kennzeichen infrage: „Die großen verschandeln ja sonst die ganze Front.“ Weil der Kreis RE kleine Kennzeichen grundsätzlich nicht herausgibt, fährt André Zimmermann nun mit einem Bochumer Kennzeichen durch Castrop-Rauxel.

Anrufe bei der Polizei wegen auswärtiger Kennzeichen

„In Bochum war das wirklich kein Problem“, sagt Zimmermann. Die kleinen Kennzeichen sind nun offiziell eingetragen. „Dadurch sieht der Wagen auch viel eleganter aus.“ In Florida, der Heimat seiner Corvette, dürfen die Autos sogar ganz ohne vorderes Kennzeichen fahren.

Es kommt übrigens immer mal wieder vor, dass Anwohner auswärtige Kennzeichen bei der Polizei melden, die ihnen in ihrer Wohnstraße auffällig erscheinen. „Wir stellen dann meistens fest, dass die Fahrzeuge trotzdem in diese Straße gehören“, sagt Ramona Hörst von der Polizeipressestelle. Solche Anrufe habe es allerdings auch schon gegeben, bevor Fremdkennzeichen übergreifend benutzt werden konnten. „Dann handelte es sich häufig um Dienstfahrzeuge mit auswärtigem Kennzeichen.“

16.988 Fahrzeuge mit CAS-Kennzeichen
Im Stadtgebiet Castrop-Rauxel sind derzeit 51 038 Fahrzeuge zugelassen. Im Kreisgebiet Recklinghausen sind es insgesamt 436.262 Fahrzeuge.
Rund 8800 zugelassene Fahrzeuge im Kreis tragen ein auswärtiges Kennzeichen. Das sind also Fahrzeuge, die nicht die üblichen Kennzeichen-Kürzel RE, CAS und GLA an der Stoßstange tragen.
Etwa 8000 Fahrzeuge sind derzeit mit Kennzeichen des Zulassungsbezirks Recklinghausen bei anderen Zulassungsbehörden in ganz Deutschland geführt. Fahrzeuge mit den Kürzeln CAS, RE und GLA werden also auch in Städten außerhalb des Kreises Recklinghausen zugelassen.
Großer Beliebtheit erfreut sich nach wie vor das seit einigen Jahren wieder ausgegebene Altkennzeichen CAS. Zum 1. Juli waren insgesamt 16.988 Fahrzeuge mit CAS-Kennzeichen bei der Zulassungsstelle registriert. 

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