Impfung in der Apotheke stößt nicht nur auf Begeisterung

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Aus Kundensicht praktisch: Man geht in die Apotheke statt zum Arzt, um sich impfen zu lassen. Doch der Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn wirft in Castrop-Rauxel Fragen auf.

Castrop-Rauxel

, 21.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Gesetzesentwurf der Bundesregierung will Gesundheitsminister Jens Spahn verankern, dass in Zukunft auch Apotheker ihre Kunden gegen Grippe impfen dürfen. Voraussetzung ist, dass die Apotheker geschult sind und in der jeweiligen Apotheke geeignete Räume vorhanden sind.

Aus Kundensicht hört sich das zunächst gut an: Keine Terminvereinbarung beim Hausarzt, kein Rumsitzen im Wartezimmer. Die Öffnungszeiten der Apotheken sind schließlich meistens deutlich länger als die der Ärzte.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Krankenkassen mit Apotheken Verträge über die Durchführung von Modellvorhaben in ausgewählten Regionen abschließen. Das Ziel: Eine Verbesserung der Impfquote.

Apotheker haben impfen nicht gelernt

Was sich zunächst gut anhört, birgt aber Probleme. „Die Apotheker haben das Impfen an sich nicht gelernt“, betont Michael Schmitz, Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Er erklärt, dass die Kammer den Vorschlag zunächst neutral bewertet, er sei jedoch noch nicht zu Ende gedacht. „Ärzte, Apotheker und auch Patienten müssten sich zusammensetzen und ein Konzept erarbeiten“, so Schmitz, der vermutet, dass Jens Spahn diese Idee aus Frankreich hat. Dort ist es üblich, dass Apotheker auch impfen.

Zusätzlicher Aufwand entsteht

„Ich reiße mich nicht darum“, sagt auch Claus Ehrensberger von der Glück-Auf-Apotheke. Er sieht es als zusätzlichen Aufwand, der wahrscheinlich nicht entsprechend vergütet wird. „Ich müsste eine Krankenschwester einstellen oder meine Kollegen entsprechend schulen lassen“, erklärt Ehrensberger. Schließlich gehe es dann auch um Themen wie spezielle Müllentsorgung, die Überarbeitung des Qualitätsmanagementsystems und die Einarbeitung des Themas in die Arbeitsablaufprozesse. Außerdem gebe es die Raumfrage.

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Alles sperrige Bürokratie-Aufgaben, auf die er nicht scharf ist. Dass die Idee aus Kundensicht allerdings gut ist, kann er nachvollziehen. Die Impfberatung werde schließlich auch in der Apotheke gemacht, dann wäre das ein Abwasch. Doch Ehrensberger und auch sein Kollege Dr. Dirk Müller aus der Nord-Apotheke sind sich einig: „Bis die Idee in die Praxis umgesetzt werden kann, muss man sich noch über ein paar Eckpunkte verständigen“, so Müller, der sich wünscht, dass die Basis, also die Apotheker selbst, bei solchen Entscheidungen mehr eingebunden werden.

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Auch bei den Ärzten stößt die Idee nicht nur auf Begeisterung. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, erklärt, dass es beim Impfen nicht nur um den Stich gehe. Zu den ärztlichen Leistungen gehörten auch die Impfanamnese, der Ausschluss akuter Erkrankungen und die Aufklärung zur Impfung. „Mögliche Komplikationen müssen beherrscht werden. Dies setzt eine entsprechende ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung voraus. In Tagesseminaren lassen sich diese Kenntnisse nicht vermitteln“, erklärte der BÄK-Präsident im April dem Ärzteblatt.

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