Japaner huldigt den Tasten

Castrop Zur ersten Matinee des Jahres präsentierte Angelika Lüdke-Szech von der Musikschule Dur & Moll den 32-jährigen Pianisten Dai Asai.

20.01.2008, 16:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Japaner erteilt dort auch Unterricht. An seiner Biografie wird deutlich, wie lange eine Musikerausbildung dauert: Mit zehn Jahren entdeckte er das Instrument, erlangte in seiner Heimat wie auch in Deutschland Hochschuldiplome und steht jetzt vor dem Konzertexamen bei Prof. Boris Bloch an der Essener Folkwang-Musikhochschule. Dem Publikum stellte er sein Examensprogramm vor.

Mit Bedacht und akribischer Präzision präsentierte er den gut 40 Besuchern Mozarts Adagio KV 540, das 1788 zeitgleich mit drei ergänzenden Arien zum 'Don Giovanni' entstand. Befremdlich romantisierend wirkten bei diesem klassischen Stück seine drastischen Ritardandi.

Komplexe Triller

Seinen breiten Exkurs durch das Werk Frederic Chopins eröffnete Asai mit der Barcarole op. 60. Träumerisch mit eingeflochtenen Miniaturen, komplexen Trillern, ließ er es trotz aller Gelassenheit des Stückes im Instrument brodeln. Mit verblüffendem Einfallsreichtum hatte Chopin nachdenkliche Lethargie, fröhlichen Walzer und champagnerperlende Läufe gereiht. Vier Mazurken des polnischen Romantikers offenbarten eine Vielfalt, die vom ausgelassen tänzerischen bis zur gedankenverlorenen Melancholie reichte. Asai, der mal mit jovialer Übersicht, mal devot den Tasten huldigend, agierte, ließ jedoch in Vorschlägen und Pedalarbeit mitunter die nötige Perfektion missen.

Imperiale Größe

Bei der Sonate h-moll als Hauptwerk stellte er im Kopfsatz Wehmut gegen imperiale Größe, eröffnete dieses Allegro maestoso stürmisch und dominant, zeigte Tendenzen vorweggenommener Moderne auf. Den heiteren Läufen des Scherzo folgte das Largo, ein Tageslauf in der Einsamkeit der masurischen Seen. Beim Springtanz des Finale Presto zeigte Asai nochmals mit bemerkenswerter Präsenz Potential, hervorragende Geläufigkeit, dynamische Bandbreite und seelisch-dramatische Tiefe. Der quirlig-bravouröse Schluss sicherte ihm großen Beifall.

Martin Schreckenschläger

Lesen Sie jetzt