Jetzt doch? Volksbank Waltrop könnte Teil der drittgrößten Volksbank Deutschlands werden

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Die Volksbank Waltrop nimmt Gespräche über eine Fusion mit der viel größeren Dortmunder Volksbank auf. Davon, dass man „geschluckt“ wird, könne aber keine Rede sein, sagt der Vorstand.

von Markus Weßling

Castrop-Rauxel

, 31.05.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Januar hatte Volksbank-Vorstand Ludger Suttmeyer intern ausgeschlossen, dass sein Haus mit der viel größeren Dortmunder Volksbank (Bilanzsumme 2017: 6,85 Milliarden Euro, Waltrop hat rund 900 Millionen Euro) fusionieren könnte. Doch nun zeigen die Dortmunder Bereitschaft, den Bedingungen der Waltroper entgegenzukommen. So hat der Aufsichtsrat Anfang Mai den Vorstand beauftragt, Fusionsverhandlungen mit den Dortmundern aufzunehmen. Auf der Ickerner Straße gibt es wenige Hundert Meter entfernt je eine Geschäftstelle beider Institute. Die Waltroper haben außerdem Geschäftsstellen in Henrichenburg und Habinghorst.

Die Volksbank Waltrop hat 2018 ihre Stärke unter Beweis gestellt: Trotz Niedrigzinsen und zunehmender bürokratischer Bankenregulierung präsentierte Suttmeyer während der Vertreterversammlung in der Dattelner Stadthalle solide Geschäftszahlen: Die Volksbank steigerte ihre Bilanzsumme um 4,6 Prozent auf 910 Millionen Euro.

Mehr Geldanlagen trotz keiner Zinsen

Suttmeyer sagte: „Wir werten dies als Ergebnis unserer starken Kundenorientierung und unserer konservativen Geschäftspolitik.“ Als großen Vertrauensbeweis sah er das Wachstum der Kundeneinlagen an. Trotz der Nullverzinsung stieg das Volumen um 5,3 Prozent auf 692 Millionen Euro. Bei der Vermittlung der Einlagen agiert die Genossenschaftsbank weiterhin regional.

„Geld aus der Region bleibt in der Region und wandert nicht ins Investmentbanking oder in riskante Spekulationen rund um den Globus“, versicherte Ludger Suttmeyer den 357 Vertreterinnen und Vertretern aus Castrop-Rauxel, Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick.

Jetzt doch? Volksbank Waltrop könnte Teil der drittgrößten Volksbank Deutschlands werden

Ein überaus zufriedenstellendes Geschäftsergebnis präsentierten Ludger Suttmeyer (r.) und Aufsichtsratsvorsitzender Harald Lamprecht der Vertreterversammlung der Volksbank. © Medienhaus Bauer

Mit einem Kreditbestand von 608 Millionen Euro, was einer Steigerung von 3,8 Prozent entspricht, wurde eine weitere Rekordmarke gesetzt. Als ausgewogen stelle sich die Ausstattung mit bilanziellem Eigenkapital dar. Bei einem Gesamtbestand von 88,1 Millionen Euro entfallen acht Prozent auf die Geschäftsguthaben der Mitglieder und 92 Prozent auf über die Jahre geschaffenen Rücklagen.

Überschuss liegt bei 2,7 Millionen Euro

Als Ergebnis weist die Volksbank einen Jahresüberschuss von 2,7 Millionen Euro aus. Nach Zuführung zu den Rücklagen in Höhe von insgesamt 1,9 Millionen Euro verbleibt ein Bilanzgewinn von 800.000 Euro. Daraus erhalten die Mitglieder eine Dividende von vier Prozent. Suttmeyer hob in seinem Bericht auch die Gewerbesteuer von 1,1 Millionen Euro hervor, die die Bank an die Kommunen in ihren Standorten gezahlt hat.

Die Bank hat 160 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Die Dortmunder Volksbank hat 50 Filialen in Dortmund, Hamm, Unna, Schwerte und Castrop-Rauxel und 990 Mitarbeiter. Der Aufsichtsrat soll in seiner Sitzung am 3. September über das Fusionskonzept abstimmen. Das letzte Wort hat die Vertreterversammlung, die einer möglichen Fusion mit einer Dreiviertel-Mehrheit zustimmen müsste.

Das sind zwei Bedingungen, die der Vorstand stellt

Suttmeyer und Vorstandskollege Gregor Mersmann sagten, ihre Bedingungen seien unumstößlich. Könne man sich darauf mit Dortmund nicht verständigen, so würden die Gespräche abgebrochen. Zu den Bedingungen zählt, dass es keine Kündigungen gibt und dass es „regionale Nähe zu unseren Mitgliedern und Kunden durch Geschäftsstellen vor Ort“ geben soll.

Die Abstimmung könnte Ende 2019/Anfang 2020 über die Bühne gehen. Sollte die Fusion gelingen, wäre Waltrop Teil der drittgrößten Volksbank in Deutschland nach Berlin und Frankfurt. Hintergrund der Fusions-Bestrebungen sind rückläufige Zinserträge und steigende Kosten für Regulierung. Die Volksbank will Synergieeffekte heben.

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