Jörg Schlösser ist in Castrop-Rauxel ein bekannter Entertainer. Unter anderem organisiert er die jährlich stattfindende Aids-Gala. © Freddy Schneider
Verbotene Segnung

Jörg Schlösser: „Kirche muss sich an die eigene Nase packen“

Entertainer Jörg Schlösser (54) ist schon seit 20 Jahren nicht mehr in der Kirche. Zum Umgang des Vatikans mit homosexuellen Menschen hat er eine klare Meinung.

Jörg Schlösser ist ein bunter Hund in Castrop-Rauxel, sein Name ist ein Begriff. Denkt man an Jörg Schlösser, denkt man an die „Terrortucken“ und die jährlich stattfindende Aids-Gala.

Gemeinsam mit seinem Mann Karsten organisiert Jörg Schlösser die beiden Männer aus Habinghorst die Aids-Gala – seit 2012 funktioniert das wunderbar. „Es ist uns beiden eine Herzensangelegenheit“, sagt der 54-jährige Jörg Schlösser.

Wichtig ist dem Ehepaar, dass Menschen verschiedener Sexualitäten zusammenkommen, Spaß haben und ordentlich für einen guten Zweck spenden. Da sei alles dabei. Homo- und Heterosexuelle, alles bunt gemischt. Das mache die Gala aus.

Castrop-Rauxel sei eine sehr offene Stadt, sagt Jörg Schlösser. Er und sein Mann seien noch nie wegen ihrer Sexualität in der Europastadt angefeindet worden.

Diskriminierende Worte stören

Woran sich Jörg Schlösser aber stört ist, dass im Jahr 2021 Menschen immer noch diskriminierende Worte benutzen.

Karsten (l.) und Jörg Schlösser organisieren gemeinsam die Aids-Gala in Castrop-Rauxel.
Karsten (l.) und Jörg Schlösser organisieren gemeinsam die Aids-Gala in Castrop-Rauxel. © Freddy Schneider © Freddy Schneider

„Mittlerweile sollte man sagen, dass zwei Menschen geheiratet haben. In der heutigen Zeit sollten wir nicht mehr über ‚Homo-Ehe“ oder ‚Verpartnerung‘ reden“, sagt Jörg Schlösser, der hauptberuflich bei einem Dienstleistungsunternehmen der Sparkasse arbeitet.

Was Jörg Schlösser auch sauer macht, ist die Tatsache, dass sich die katholische Kirche weigert, homosexuelle Paare zu segnen. Der Vatikan verbot Mitte März ihre Segnung.


„Die Kirche soll sich an die eigene Nase packen“, sagt Jörg Schlösser dazu und spielt auf die Missbrauchsfälle von Kindern in der katholischen Kirche und der Vertuschung derer an.

Mitglied in der Kirche sei er schon lange nicht mehr. „Mit Sicherheit 20 Jahre lang nicht.“ Seinen Glauben habe Jörg Schlösser aber nicht verloren.

Lesbisches Schneewittchen

Obwohl die Gesellschaft schon offen für gleichgeschlechtliche Paare sei, gebe es noch Luft nach oben. „Klar, in einer tollen Show wie „Let‘s Dance“ tanzt jetzt auch ein Schwuler mit“, sagt Jörg Schlösser. Eine Premiere für die Show, die es seit mehr als zehn Jahren gibt.

Zahlen und Fakten

Gleichgeschlechtliche Ehen in Castrop-Rauxel

Seit dem 1. Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Paare heiraten oder ihre bestehende Lebenspartnerschaft umwandeln lassen.

  • In Castrop-Rauxel wurden laut der Pressestelle 2017 4 Lebenspartnerschaften „nach altem Recht“ und nach der Gesetzesänderung 6 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen.
  • 2018 gab es in der Europastadt 10 Umwandlungen und 16 gleichgeschlechtliche Ehen.
  • Im Jahr 2019 haben 5 homosexuelle Paare ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgewandelt, zudem heirateten 14 gleichgeschlechtliche Paare.
  • 2020 heirateten 6 homosexuelle Pärchen und drei ließen ihre Partnerschaft in eine Ehe umwandeln.
  • 2021 gab es bislang nur eine gleichgeschlechtliche Ehe.

Doch noch nicht überall spielen homosexuelle Menschen eine Rolle. Zum Beispiel fehlen sie in Kinder-Filmen. „Ein schwuler Benjamin Blümchen oder ein lesbisches Schneewittchen, das wären doch mal gute Ideen“, findet Jörg Schlösser.

Denn: Kinder sollen möglichst früh lernen, dass es auf die Liebe zweier Menschen ankommt, findet Jörg Schlösser.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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