Junge in "Ickerner Loch" gefallen: Anzeige erstattet

Verursacher gesucht

Plötzlich tat sich der Bürgersteig der Recklinghauser Straße in Castrop-Rauxel auf: Nachdem der Schüler Sebastian Hammelstein am 3. Dezember regelrecht vom später so genannten "Ickerner Loch" verschluckt worden war, hat der Anwalt der Familie nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt.

ICKERN

, 12.01.2016, 18:48 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dr. Dirk Helwing, Rechtsbeistand der Familie, hat Anfang der Woche Strafzanzeige bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft gestellt. Diese soll nach dem Willen der Familie Ermittlungen gegen den Verursacher aufnehmen.

Vater Horst Hammelstein ist unzufrieden mit dem bisherigen Aktivitäten der Stadt und der Behörden: „Von der öffentlichen Seite ist bislang überhaupt nichts passiert, es haben nicht einmal Probebohrungen stattgefunden“, beklagte er sich jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion. Es gehe ihm nicht nur darum, die Ursachen für das plötzliche Auftun des Loches an der Haltestelle Lerchenstraße zu erfahren, sondern auch künftige Schäden zu vermeiden.

Sebastian gehe es körperlich zwar gut, doch habe er den Vorfall im Kopf noch nicht restlos verarbeitet. Rechtsanwalt Helwing ergänzte: „Unser Gedanke war es, die Staatsanwaltschaft zu veranlassen, Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzungen aufzunehmen. Ob das straf- oder zivilrechtlich zu Schadenersatz führt, ist derzeit noch offen.“

Im Verdacht: ein früherer Stollen

Nach unserer Berichterstattung über diesen spektakulären Vorfall hatten sich zahlreiche ältere Ickerner gemeldet, die einen Zusammenhang mit einem früheren Stollen unter der Recklinghauser Straße vermuteten, der bei einem Luftangriff am 11. September 1944 zerstört worden war, wobei nach zeitgenössischen Angaben 46 Menschen den Tod fanden.

Eine Befragung dieser Zeitzeugen hat nach Angaben von EUV-Chef Michael Werner widersprüchliche Angaben ergeben. Werner: „Viele Zeitzeugen konnten sich an den Stollen an dieser Stelle erinnern. Ob er aber nur zusammengefallen ist oder ordentlich verfüllt wurde, blieb unklar.“

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Zwar räumte der EUV-Chef ein, dass die Recherchen seines Unternehmens noch nicht abgeschlossen seien, da man noch den klassischen Steinkohlebergbau kontaktiert habe. Darüber hinaus sei aber alles getan worden, was „erforderlich und sinnvoll war.“ Werner wörtlich: „Das Loch ist verschlossen und standfest und wir sehen darüber hinaus aus Sicht der Stadt keinen weiteren Handlungsbedarf“.

Alles Weitere liege in den Händen des Straßenbaulastträgers Straßen NRW. Er habe die entsprechenden Informationen weitergeleitet, so Werner. Über den Jahreswechsel habe man aber keinen Kontakt gehabt.

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