Kann eine Gesamtschule die Lösung aller Probleme im Castrop-Rauxeler Norden sein?

rnSchulentwicklung

Es klingt paradox: Im vergangenen Jahr lief die Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern aus. Nur ein Jahr später wird aber wieder eine weiterführende Schule benötigt. Die Tendenz ist klar.

Castrop-Rauxel

, 09.05.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es muss sich etwas tun in der Schullandschaft in Castrop-Rauxel. Der Schulentwicklungsplan, der vor Jahren aufgestellt wurde, sah 500 neue Schüler für die weiterführenden Schulen pro Jahrgang vor. Doch längst ist diese Zahl nicht mehr realistisch.

Im aktuellen Schuljahr besuchen 631 Erstklässler die zehn Castrop-Rauxeler Grundschulen. Für das Jahr 2021 werden sogar 680 neue Schüler prognostiziert. „Die Zahl pendelt sich laut unseren Rechnungen bei etwa 630 Schülern ein“, sagt die Sozialdezernentin Regina Kleff. Aber wie kommt dieser plötzliche Anstieg der Schülerzahlen zustande? „Durch Zuwanderung und mehr Geburten sind die Zahlen so rasant angestiegen. Die Schulen platzen aus allen Nähten“, so Kleff.

60 Prozent der Schüler gehen nicht auf ein Gymnasium

Ein Trend, der sich auch im kommenden Schuljahr zeigt. 578 Kinder stehen in diesem Sommer vor dem Wechsel zur weiterführenden Schule. 229 davon sind an den Gymnasien angemeldet. 144 an der Willy-Brandt-Gesamtschule, 35 an der Sekundarschule und 105 an der Fridtjof-Nansen-Realschule. 70 Anmeldungen stehen noch aus oder sind an auswärtigen Schulen erfolgt. Die WBG musste sogar fünf Schüler ablehnen.

Die Zahlen zeigen, dass knapp 60 Prozent der Castrop-Rauxeler Schüler an weiterführenden Schulen nicht auf ein Gymnasium gehen. Doch eine neue Schule muss her, um den Bedarf zu decken. Die Tendenz geht daher zu einer neuen Gesamtschule im Castrop-Rauxeler Norden. Denn bereits jetzt zieht es einige Schüler an weiterführende Schulen in anderen Städten. „Der Norden ist in Sachen Schulangebote unterversorgt“, stellt die Ausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson fest.

Castrop-Rauxeler Schüler suchen sich Schulen in Waltrop oder Recklinghausen

In Zahlen ausgedrückt: Im vergangenen Jahr starteten 98 Castrop-Rauxeler Schüler auf einer weiterführenden Schulen außerhalb des Stadtgebiets - beispielsweise in Waltrop oder Recklinghausen. Überwiegend kamen diese Schüler aus dem Norden der Stadt und gingen auf eine Gesamtschule. „Die Krux dabei ist: Wir hatten in Ickern mit der JKG sogar bis zum vergangenen Jahr noch eine Gesamtschule“, sagt Katrin Lasser-Moryson.

2012 gab es den Beschluss, die Janusz-Korczak-Gesamtschule an der Waldenburger Straße auslaufen zu lassen. Heißt: Seit diesem Zeitpunkt wurden keine neuen Schüler mehr aufgenommen. Im Schuljahr 2017/2018 gar es nur noch zwei zehnte Klassen, einen Abi-Jahrgang gab es hier schon seit 2012 nicht mehr.

Die Eltern werden in die Entscheidung miteinbezogen

Nun könnte die Schule ihr Comeback geben, wenn die Eltern mitspielen. Diese werden nämlich ab dem kommenden Montag bei einer Befragung miteinbezogen.

In den 2. und 3. Klassen der zehn Castrop-Rauxeler Grundschulen verteilen die Klassenlehrer an die Schüler Fragebögen, die sie ihren Eltern aushändigen sollen. 1300 Eltern werden somit befragt.

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Der Fragebogen ist schmal gehalten mit lediglich zwei Fragen: Auf welche Schulform sollen die Schüler nach aktuellem Stand gehen, auf welche Schulform bei einem zusätzlichen Schulangebot. Die Auswertung soll Ende Mai erfolgt sein, danach erfolgt die Entwicklung eines Konzepts. „Wir hoffen auf eine große Beteiligung und ein eindeutiges Ergebnis, das würde alles leichter machen und den Zeitplan beschleunigen“, so Katrin Lasser-Moryson.

Denn viel Zeit bleibt der Stadt Castrop-Rauxel nicht mehr. Für das Schuljahr 2020/21 muss der Bedarf gedeckt werden - wahrscheinlich dann mit einer Dependance zur Willy-Brandt-Gesamtschule an der Waldenburger Straße in Ickern.

Kommentar

Gute Idee, schlechte Planung

Jeweils zwei Gymnasien, Gesamtschulen, Realschulen und Hauptschulen sowie das Berufskolleg - so sah die Castrop-Rauxeler Schullandschaft während meiner Schulzeit aus, die vor acht Jahren endete. Mittlerweile gibt es die beiden Hauptschulen nicht mehr, auch eine Gesamtschule, das JKG, ist ausgelaufen. Gibt es etwa weniger Kinder in Castrop-Rauxel, die auf eine weiterführende Schule gehen? Im Gegenteil - es werden sogar mehr. Der vor Jahren aufgestellte Schulentwicklungsplan sah andere Zahlen vor, die ganz plötzlich nicht mit der Realität übereinstimmten. „Zuwanderungen und zusätzliche Geburten“, führt die Sozialdezernentin Regina Kleff als Gründe auf. Zuwanderungen lasse ich als Grund gelten, die Flüchtlingswelle traf Castrop-Rauxel deutlich. Ich gönne jedem Flüchtling das Recht auf einen ordentlichen Schulabschluss. Doch zusätzliche Geburten? Die Zahl der Geburten stieg, das ist Fakt. Doch diese Kinder gehen erst mit zehn oder elf Jahren auf eine weiterführende Schule. Heißt also im Umkehrschluss, dass sich das Problem über Jahre hinweg angedeutet hat. Ich frage daher: Wer hat hier gepennt? MARCEL WITTE
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