Kantersieg für Rajko Kravanja – doch die Stichwahl muss entscheiden

rnKommunalwahl 2020

Rajko Kravanja (SPD) und Oliver Lind (CDU) kämpfen am 27. September darum, Castrop-Rauxels Bürgermeister zu werden. Nach dem Ergebnis des ersten Wahlgangs scheint der Sieger festzustehen.

Castrop-Rauxel

, 14.09.2020, 00:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Wahlabend begann am Sonntag gut für die CDU: In der WDR-Prognose nach Schließung der Wahllokale lagen die Christdemokraten NRW-weit deutlich vor der SPD. Das gab bei den Christdemokraten Anlass zu Optimismus.

Doch rund vier Stunden später stand fest: Die Zeit zwischen der Schließung der Wahllokale bis zu den ersten Ergebnissen war die einzige, in der die Castrop-Rauxeler CDU auf einen erfolgreichen Abend hoffen durfte. Am Ende stand sowohl bei der Ratswahl als auch bei der Bürgermeisterwahl ein deutlicher Sieg für die SPD und Rajko Kravanja.

SPD holt 20 der 23 Wahlbezirke

Obwohl die Sozialdemokraten landes- und bundesweit schlecht dastehen, gelang es der Castrop-Rauxeler SPD, ihr Ratsergebnis von 2014 (40,1 Prozent) mit 38,9 Prozent fast zu wiederholen. Außerdem gingen wieder 20 der 23 Wahlbezirke direkt an die SPD-Kandidaten, die im neuen Rat mit 20 Sitzen vertreten sein wird. Kravanja holte bei der Bürgermeisterwahl mit 49,3 Prozent sogar deutlich mehr Stimmen als im ersten Wahlgang 2015.

Der CDU blieb dagegen trotz eines starken NRW-Ergebnisses nur der abgeschlagene zweite Platz. Während sich die Verluste bei der Ratswahl noch in Grenzen hielten und die Partei auch wieder drei Direktmandate (in Frohlinde, Henrichenburg und Becklem) erringen konnte, holte Bürgermeisterkandidat Oliver Lind mit 25,1 Prozent deutlich weniger Stimmanteile als Bürgermeisterkandidat Michael Breilmann im ersten Wahlgang fünf Jahre zuvor. Er kam damals auf 39,9 Prozent.

Die Grünen waren mit ihrem Ratsergebnis sehr zufrieden: „Man sieht, dass wir flächendeckend zugelegt haben“, kommentierte ihr Stadtverbandsvorsitzender Ulrich Werkle bereits nach Auszählung der Hälfte der Stimmbezirke. Am Ende blieb mit 15,1 Prozent fast eine Verdoppelung des Ergebnisses der Ratswahl von 2014. Mit acht Sitzen ziehen die Grünen in den neuen Rat ein und belegen damit klar Platz 3. Unter den neuen Ratskandidaten sind auch sehr junge Vertreter der Grünen Jugend.

Koalitionsfrage offen

Ob es im Stadtrat wieder zu einer Koalition kommt, ließ Kravanja am Wahlabend offen: „Es kann in einer Koalition enden, es kann aber auch in Verabredungen enden“, sagte er. Vielerorts war am Wahlabend zu hören, dass in einem System wechselnder Mehrheiten ohnehin mehr zu bewegen wäre.

Chancenlos auf die Stichwahl landete der Grünen-Bürgermeisterkandidat Manfred Fiedler auf Platz 3. Und das, obwohl er sogar zusätzlich von FWI und Linkspartei unterstützt worden war. Fiedler, der vor der Wahl 30 Prozent als sein Ziel ausgegeben hatte, kam letztlich mit 16,6 Prozent auf ein deutlich schlechteres Ergebnis als die drei Parteien zusammen bei der Ratswahl (23,3 Prozent).

Einzelbewerber Mario Rommel (4,6 Prozent) und FDP-Kandidat Nils Bettinger (4,4 Prozent) hatten mit dem Ausgang der Bürgermeister-Wahl nichts zu tun. Bettinger war enttäuscht: „Ich hatte die Hoffnung, dass ich dieses Mal ein bisschen mehr erreiche, sonst hätte ich ja nicht anzutreten brauchen“, sagte er. Vor allem war er enttäuscht, dass er weniger Stimmen hatte als Rommel: 53 an der Zahl.

Fünf Parteien mit je fünf Sitzen

Im neuen Stadtrat trennen UBP, FWI, Linke und FDP (in dieser Reihenfolge) nur 132 Stimmen. Alle erreichten zwischen 4,3 und 3,8 Prozent der Stimmen und kommen ebenso auf zwei Sitze wie „Die Partei“, die als Fraktion neu einzieht und auf 2,9 Prozent kam. Insgesamt wächst der Rat damit von 50 auf 52 Sitze. Eigentlich, ohne Ausgleichsmandate, hat er 46.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte Stadtverbandsvorsitzende Lisa Kapteinat am späten Abend. „Castrop-Rauxel fängt an, den Trend der SPD wieder zu drehen.“ Carsten Papp (CDU) meinte: „Wir haben gute Politik gemacht, haben geguckt, dass wir wechselnde Mehrheiten bekommen, womit man mehr bewegen kann als in der Koalition. Das wurde von unseren Wählern aber nicht honoriert.“

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