KC Rebell besucht Berufskolleg in Castrop-Rauxel

Rap-Star trifft Schüler

Vor zwei Jahren überfiel die Terrormiliz „Islamischer Staat“ den syrisch-kurdischen Kanton Kobanê. Der Essener Rapper KC Rebell, selbst Kurde, hat einen Song über die Auswirkungen der Vorfälle geschrieben. Darüber sprach der 28-Jährige am Mittwoch vor 140 Schülern des Berufskollegs Castrop-Rauxel.

CASTROP-RAUXEL

, 21.09.2016, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
KC Rebell besucht Berufskolleg in Castrop-Rauxel

Michael Trockel lud den Rapper ein, nachdem ein Schüler ihn auf den Song "Fata Morgana" aufmerksam gemacht hatte. Darin zitiert Xavier Naidoo im Refrain aus der Bergpredigt, einem der bekanntesten Texte des Neuen Testaments.

„Mohamed, der Juden hasst, Peter, der Muslime hasst; der Hass unter den beiden Parteien ist übertrieben krass“, rappt KC Rebell im Song „Fata Morgana“ vom gleichnamigen Album. Den Refrain singt Xavier Naidoo und zitiert dabei aus der Bergpredigt, einem der bekanntesten Texte des Neuen Testaments: „Du siehst den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge siehst du nicht.“

Ein Song wie gemacht für die Unterrichtsreihe „Religiöse Motive in der Kunst“, dachte sich Pfarrer und Religionslehrer Michael Trockel, nachdem ein Schüler ihn darauf aufmerksam gemacht hatte. Und weil der Schüler auch noch Kontakt zu KC Rebells Management hatte und Trockel hartnäckig baggerte, klappte es tatsächlich mit dem Besuch.

Hüseyin Kökseçen alias KC Rebell hat so etwas vorher noch nie gemacht, steht dafür aber ganz locker und souverän vor seinem jungen Publikum und sagt viele kluge Dinge. Er startet mit einigen Sätzen zu seiner Biografie; erklärt, wie schwierig es gewesen sei, nach dem Weggang aus Pazarcik, einer Stadt im Süden der Türkei, in Magdeburg Fuß zu fassen.

„In der Schule gab es damals genau zwei Ausländer – meine Schwester und mich.“ Er sei deshalb mit wenig Selbstvertrauen aufgewachsen. Später, in Essen, sei das alles anders gewesen. „Als ich im Ruhrgebiet ankam, hab ich nur gedacht: Was los?! Hier sind ja richtig Kanaken.“

"Wir können glücklich sein, dass wir hier Multikulti haben"

Problematisch werde es, wenn zu viele Ausländer sich in Gruppen zusammentun und auf diese Weise ihre eigene Integration erschweren, sagt der Rapper. „Wir können glücklich sein, dass wir hier Multikulti haben. Und dankbar, dass wir in einem Land leben, in dem man sich in allen Bereichen ausleben kann.“ Dort, wo er herkomme, gebe es so etwas nicht. „Unschuldige Menschen sterben durch größenwahnsinnige Leute, die eine Vision haben und Religion als Mittel zum Zweck missbrauchen“, sagt KC Rebell. Religiös begründeter Extremismus betreffe auch das Christentum, wirft Michael Trockel ein. „Man denke nur an die Kreuzzüge. Da ist vom Prinzip her dasselbe geschehen.“

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KC Rebell zu Besuch in Castrop-Rauxel

Auf Einladung von Religionslehrer und Pfarrer Michael Trockel besuchte der Rapper KC Rebell das Berufskolleg in Castrop-Rauxel.
21.09.2016
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Honorar für den Besuch sei zu keiner Zeit ein Thema gewesen, sagte Michael Trockel. "Wir haben ihn mit der Neugierde und Wertschätzung junger Leute geködert, die sich ernsthaft mit seiner Kunst auseinandersetzen."© Foto: Robert Wojtasik
Hinterher nahm KC Rebell sich Zeit für ein paar Klassenfotos.© Foto: Robert Wojtasik
Hinterher nahm KC Rebell sich Zeit für ein paar Klassenfotos.© Foto: Robert Wojtasik
Hinterher nahm KC Rebell sich Zeit für ein paar Klassenfotos.© Foto: Robert Wojtasik
Michael Trockel lud den Rapper ein, nachdem ein Schüler ihn auf den Song "Fata Morgana" aufmerksam gemacht hatte. Darin zitiert Xavier Naidoo im Refrain aus der Bergpredigt, einem der bekanntesten Texte des Neuen Testaments.© Foto: Robert Wojtasik
KC Rebell (l.) und Pfarrer Michael Trockel sprachen vor Schülern des Berufskollegs Castrop-Rauxel über religiöse Motive in der Kunst.© Foto: Robert Wojtasik
Das Pädagogische Zentrum war mit 140 Schülern bis auf den letzten Platz und darüber hinaus gefüllt.© Foto: Robert Wojtasik
Schulleiter Fred Nierhauve saß in der ersten Reihe.© Foto: Robert Wojtasik
"Was kannst du einem Newcomer mit auf den Weg geben?", wollte dieser junge Mann von KC Rebell wissen. Antwort: "Mach 'ne Ausbildung!"© Foto: Robert Wojtasik
Hinterher nahm KC Rebell sich Zeit für ein paar Klassenfotos.© Foto: Robert Wojtasik
Hinterher nahm KC Rebell sich Zeit für ein paar Klassenfotos.© Foto: Robert Wojtasik
Hinterher nahm KC Rebell sich Zeit für ein paar Klassenfotos.© Foto: Robert Wojtasik
Schlagworte Castrop-Rauxel

"Mach 'ne Ausbildung!"

Für die meisten anwesenden Schüler dürfte Religionsunterricht selten so spannend gewesen sein wie heute. Es ist mucksmäuschenstill, wenn KC Rebell oder Michael Trockel sprechen. „Alles, was ins Extreme geht, das kann Glaube sein oder Nationalismus, all das ist nicht gut“, sagt der Rapper und betont noch mal die Kernaussage seines Songs Fata Morgana: „Die Menschen respektieren und so akzeptieren, wie sie sind.“ Hin und wieder bleibt Zeit für Zwischenfragen. Da darf der Klassiker nicht fehlen: „Was kannst du einem Newcomer mit auf den Weg geben?“, möchte ein 20-Jähriger wissen. Und guter Rat kommt prompt: „Mach 'ne Ausbildung!

 

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