Kein Radparadies: Eine 4+ für Castrop-Rauxel

Fahrradklima-Test

Einen Mittelplatz gibt es für Castrop-Rauxel vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) im aktuellen Fahrradklima-Test Deutschland. Die Gesamtnote 3,8 deckt sich mit der Einschätzung von Martin Kühl-Lukas, dem Sprecher des örtlichen ADFC.

CASTROP-RAUXEL

, 17.06.2017, 09:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Hat deine Stadt ein Herz fürs Rad?“ fragte der ADFC nach 2012 und 2014 wieder in allen Städten der Republik nach. Und wie schon in den Vorjahren gab es viel Mittelmaß und nur wenige positive Ausreißer in Sachen Fahrradfreundlichkeit. 

Platz 47 von 98 Städten 

Castrop-Rauxel landete mit einer Gesamtnote von 3,8 (1 ist sehr gut, 6 ist ungenügend) in der Kategorie der Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern auf Platz 47 von 98 Städten. Ein Mittelplatz also. Wenn man sieht, dass neben nur zwei Städten mit einer 2 vor dem Komma (Bocholt und Nordhorn) sich bis zum Platz 64 alles im Dreierbereich tummelt, aber kein so schlechtes Ergebnis.

„In Castrop-Rauxel hat sich in den vergangenen Jahren tatsächlich einiges in Sachen Fahrradfreundlichkeit getan“, bestätigt Martin Kühl-Lukas. So sei die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad gut, könne man viele Ziele mit dem Rad zügig erreichen.

„Und auch der Kontakt zur Stadtverwaltung ist gut“, bestätigt der ADFC-Mann. Aus der Politik könnten aus seiner Sicht dagegen mehr Signale pro Radfahren kommen: „Beim Stadtradeln sind aktuell außer den Grünen keine Politiker vertreten. Da hätte man mit einer eigenen Gruppe ein Zeichen setzen können.“

Schwachstelle: Unterschiedliche Zuständigkeiten 

Ein Radparadies ist die Stadt nicht, das sei angesichts der baulichen Gegebenheiten an vielen Stellen schlicht nicht möglich, sieht der passionierte Radfahrer Kühl-Lukas die Realitäten: „Viele Straßen sind einfach so schmal, dass man da nicht noch einen Radstreifen hinein quetschen kann.“

Und an vielen Stellen gebe es das Problem, dass unterschiedliche Behörden zuständig sind. So ist neben der Stadt etwa der Landesbetrieb Straßen.NRW für viele der großen Durchgangsstraßen verantwortlich. Und an den Übergängen von einer Stadt zur nächsten bemerke man an vielen Stellen die unterschiedlichen Zuständigkeiten.

„Da merkt man von der Metropole Ruhr nichts, da herrscht immer noch Kirchturmdenken“, sagt Kühl-Lukas. Da ist aber auch das Wasser- und Schifffahrtsamt, zuständig für die Kanalbrücken. „Und genau an diesen Schnittstellen hapert es manchmal, wenn wir als Radfahrer uns Verbesserungen vorstellen“, so Kühl-Lukas.

„Da tut sich schon was“: Positive Entwicklung

Wo es möglich sei, sehe die Kooperation mit der Stadt gut aus. „Der Herr Waldert vom Ordnungsamt ist ja selbst begeisterter Radfahrer und Herr Dobrindt auch, da haben wir schon einen guten Draht“, so Kühl-Lukas. So habe man an vielen Stellen kleinere oder größere Schwachstellen beseitigen können. Etwa seien an immer mehr Straßen die gestrichelten Schutzstreifen aufgepinselt worden, es habe Bordsteinabsenkungen gegeben, um vom Radweg auf dem Bordstein auf die Straße wechseln zu können. „Da tut sich schon was, kann man von einer positiven Entwicklung sprechen“, sagt Kühl-Lukas. 

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Immer noch endeten aber Radwege im Nichts, gebe es unklare Wegeführungen, hapere es an Einmündungen, in Kreisverkehren und an zahlreichen anderen Stellen an Radfreundlichkeit. Da werde für den Autoverkehr gebaut, Radfahrer und Fußgänger stünden hinten an.

Martin Kühl-Lukas: „Einer der Punkte, die auch in der neuen ADFC-Wertung bemängelt wird: Es gibt keine Ampelschaltungen, die auf Radfahrer abgestimmt sind. Es gibt auch immer wieder Probleme mit zugestellten Radwegen, wo nicht auf Radfahrer geachtet wird. Und Winterdienst auf Radwegen ist auch die Ausnahme.“

Fehlende Radstellgelegenheiten an Übergängen zum ÖPNV

Der ADFC wünsche sich zudem mehr und bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Auf dem neuen Marktplatz gibt es nur neun Radstellgelegenheiten, „am Busbahnhof keine einzige. Das ist einfach nicht zu verstehen, gerade an den Übergängen vom Rad zum ÖPNV muss ich mein Rad doch unterbringen können“, so Kühl-Lukas.

In der Umfrage moniert wurde auch das fehlende Angebot öffentlich zugänglicher Leihfahrräder, wie man es aus vielen Großstädten kennt. „Ob es dafür hier tatsächlich eine Nachfrage gibt, kann ich nicht einschätzen, das ist ja sogar in den großen Städten sehr unterschiedlich. In Dortmund läuft das wohl ganz gut, in Essen aber sieht das meines Wissens nach schon ganz anders aus“, sagt Martin Kühl-Lukas.

Hier geht es zu den Ergebnissen des ADFC Fahrradklima-Tests 2017.

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