Kinderarzt Axel Dworniczak: „Frühe Handynutzung ist immer von Nachteil“

Smartphone

Bei der Smartphone-Nutzung haben Eltern eine Vorbildfunktion, sagt der Castrop-Rauxeler Kinderarzt Axel Dworniczak. Er hat mehrere Tipps, wie Eltern den Konsum ihrer Kinder kontrollieren können.

Castrop-Rauxel

, 09.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kinderarzt Axel Dworniczak betont, dass Eltern bei der Smartphone-Nutzung eine Vorbildfunktion haben.

Kinderarzt Axel Dworniczak betont, dass Eltern bei der Smartphone-Nutzung eine Vorbildfunktion haben. © Patrick Radtke

Kein Smartphone vor 11 Jahren – dafür hat sich Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ausgesprochen. Hintergrund ist, dass die intensive Mediennutzung durch Minderjährige „katastrophale Folgen“ annehme. Immer jüngere Kinder würden von ihren Eltern regelrecht vor Smartphone oder Tablet geparkt.

Eltern konditionieren ihre Kinde bereits im frühen Alter auf eine permanente Reizüberflutung, wenn sie ihnen die Nutzung von digitalen Geräten erlauben. Das Ergebnis: schwächere Schulleistungen und Konzentrationsschwächen, denn auch das beste Hirn, so Fischbach, mache den „medialen Dauerbeschuss (...) nicht mit.

„Erschreckend“ bezeichnete Fischbach im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung auch, wie leichtsinnig Eltern Kindern die Nutzung des Internets erlauben. Und empfiehlt bei Kindern ab 11 Jahren: „Zwei Stunden pro Tag ist genug!“

Die Belohnung Smartphone

Svenja Zigard ist selbst Mutter eines zweijährigen Sohnes. Gelegentlich darf der Kleine am Handy spielen, aber das nur unter Aufsicht der Eltern. „Er schaut dann gerne ein Video, und weiß schon, wo er klicken muss, um das nächste zu sehen“, sagt Zigard.

In manchen Situationen dient das Smartphone als Ablenkung oder Belohnung, so, wie das bei den älteren Generationen mit Süßigkeiten war. Doch auch Zigard kennt die Erfahrung, dass Smartphones in den Händen von Kindern durchaus negative Konsequenzen haben.

Der zweijährige Sohn von Svenja Zigard darf gelegentlich am Smartphone spielen, aber nur unter Aufsicht.

Der zweijährige Sohn von Svenja Zigard darf gelegentlich am Smartphone spielen, aber nur unter Aufsicht. © Zigard

„Wir waren an einem Punkt, da hat das Überhand genommen und wir haben das Handy abgestellt“, so Zigard. Denn ihr Sohn habe regelrecht Theater gemacht, wenn er das Smartphone nicht bekam. Nun wird die Nutzung eingeschränkt, am Computer schauen darf der Kleine nicht. Und auch das Handy bekommt er nur so lange, wie Mama das möchte, dann ist Schluss. Außerhalb des Hauses gibt Zigard ihrem Sohn das Handy nur selten.

Weder auf Spracherwerb noch Motorik positiven Einfluss

Axel Dworniczak, Kinderarzt aus Castrop-Rauxel, betont die Verantwortung der Eltern. „Eltern haben eine Vorbildfunktion, das heißt, auch sie sollten das Handy nicht am Esstisch verwenden, wenn sie es den Kindern verbieten“, erklärt er. Eine frühe Handynutzung sei immer nur von Nachteil und habe weder auf den Spracherwerb noch die Motorik, die Lerngeschwindigkeit oder die Konzentrationsfähigkeit einen positiven Einfluss.

„Die unentwegte Handynutzung wird für die Kinder zur Angewohnheit, und auch in meiner Praxis halten Eltern ihren Kindern das Handy vor die Nase, um sie zu beruhigen, anstatt sie auf dem Arm zu nehmen.“ So habe ihm etwa eine Mutter erzählt, ihr dreijähriges Kind nutze kaum Medien und schaue nur zwei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags Fernsehen. „Und das Kind hat einen eigenen Fernsehen, ein Dreijähriger“, so Dworniczak.

Ein Medienkonto zur Kontrolle

Er empfiehlt Eltern ein sogenanntes Konto, um die Mediennutzung der Kinder einzuschränken und zu kontrollieren. Das Konto sollte vertragsmäßig geführt werden. „Sagen wir, ein älteres Kind darf sechs Stunden die Woche Medien nutzen, und selbst entscheiden, was es anschaut“, so Dworniczak.

„Nach den sechs Stunden ist das Konto erloschen, aber man muss kontrollieren können, ob es bei den sechs Stunden bleibt. Erstrebenswert und ein Traum wäre es, wenn das Kind dann noch mit pädagogisch hochwertigen Programmen in die Mediennutzung eingeführt wird.“ Doch das macht wohl den wenigsten Kindern Spaß, so der Kinderarzt.

Dworniczak empfiehlt Kindern ab 11 Jahren, das Smartphone nach dem Eindrittel-Prinzip zu nutzen: „Wenn das Kind 180 Minuten körperlich am Tag aktiv ist, Sport macht und draußen tobt, dann kann es ein Drittel der Zeit, also eine Stunde, fernsehen.“

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