Das Thema Bauen ist in vielen Städten ein Problem. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Meinung

Keine Bewerber für Rathaus-Jobs: Die Mitarbeiter müssen mehr Geld verdienen

Im Bauamt der Stadt Castrop-Rauxel fehlen die Fachkräfte. Anträge und Bauvorhaben verzögern sich. Das Problem ist struktureller Natur. Das Land NRW muss handeln, findet unsere Autorin.

In Castrop-Rauxel ein Haus zu bauen ist ein schwieriges Unterfangen. Sobald man mit dem Bauamt in Berührung kommt, dauert alles länger. Anträge kosten schier ewige Zeit, bis sie bearbeitet sind, selbst einfache Eintragungen werden nicht zeitnah bearbeitet – und über allem schwebt die Ungewissheit: Wann geht es weiter? Es braucht eine Menge Nerven.

Es wäre jetzt leicht, die Schuld der Stadt zuzuschieben. „Alles faule Mitarbeiter, die stellen zu wenig ein“, jeder hat sowas schon mal gehört, wenn es um die Stadtverwaltung geht. Das in der Stadtverwaltung nicht alles rund läuft, bestreitet niemand, aber ihr die Schuld am Bau-Dilemma zu geben, wäre zu kurzgegriffen. Denn die Stadt Castrop-Rauxel bemüht sich um mehr Personal im Bausektor, sie bekommt es aber nicht. Vielen Städten in ganz Deutschland geht es so.

Die Stadt hat eine Stelle für einen Sachbearbeiter in der Bauaufsicht ausgeschrieben. Seit März. Wer sich die Anzeige durchliest, stellt nach einer schnellen Recherche fest: Die Stadt zahlt deutlich weniger als die freie Wirtschaft und stellt hohe Einstiegsvoraussetzungen. Es lockt zwar die Verbeamtung, aber die kann kaum ein Anreiz sein in einer Branche, in der der Arbeitsmarkt leer gefegt ist. Fertige Bauingenieure wollen lieber an Großprojekten mitarbeiten, als sich durch den 20. Bauantrag zu wühlen und dann auch noch für weniger Geld.

Wenn die Verbeamtung und die Tätigkeitsfelder nicht locken können, dann muss das Land NRW nachjustieren. Für eine Veränderung ist die finanzielle Stellschraube wahrscheinlich die einzig wirksame Maßnahme. Es braucht eine höhere Besoldungsklasse für Fachkräfte im Bauamt. Am Ende kostet es das Land momentan mehr Geld, wenn Baustellen brachliegen und sich Millionenbeträge in Papierakten auf den Schreibtischen der Verwaltungen stapeln.

Bau ist der Motor für alles in einer Stadt. Neues Gewerbe, neue Bürger und Industrien. Wenn das Land nicht endlich mit der freien Wirtschaft in Konkurrenz tritt, dann haben die Einwohner den Schaden. Denn sie warten auf den Bau von Häusern, Supermärkten, Dienstleistern und Arbeitgebern. Und das nun einmal viel zu lange.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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