Dieses Bild gehört ab Dienstag (2.10.) der Vergangenheit an. Die Maskenpflicht im Unterricht entfällt am Sitzplatz. © Borys Sarad
Coronavirus

Keine Masken mehr am Sitzplatz: „Spiel mit dem Feuer“ oder „großer Vorteil“?

In den Schulen entfällt die Maskenpflicht am Sitzplatz. Die Entscheidung wird an Castrop-Rauxels Schulen oft begrüßt. Doch es gibt auch skeptische Stimmen.

Wenn die Kinder und Jugendlichen am Dienstag (2.11.) nach dem langen Wochenende zurück in die Schulen kommen, können sie am Sitzplatz ihre Masken ausziehen. Die Maskenpflicht ist dort aufgehoben. Die Entscheidung hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bereits angekündigt. Am Donnerstag (28.10.) kam der Erlass offiziell in Castrop-Rauxels Schulen an. Kommentiert wird die Neu-Regelung ganz unterschiedlich.

Die meisten Schulleiterinnen und Schulleiter empfinden die Entscheidung als richtig. Und das trotz der Befürchtung, dass die Fallzahlen im Herbst und Winter gerade bei den Jüngeren wieder steigen könnten. Allerdings: Gerade das macht einigen Schulleitern auch Sorgen.

Sie unterscheiden auch zwischen den Jüngeren, die noch keine Impfung gegen das Coronavirus bekommen können, und den Älteren. In beiden Castrop-Rauxeler Gymnasien ist unter den Oberstufenschülern die Impfquote inzwischen sehr hoch. Rund 80 Prozent der Schüler am Ernst-Barlach-Gymnasium und sogar rund 90 Prozent am Adalbert-Stifter-Gymnasium sind nach Angaben der jeweiligen Schule geimpft.

In den Grundschulen sitzen Kinder oft nicht an ihrem festen Platz

In den Grundschulen ist die Situation eine andere. „Unsere Kinder sind sehr oft nicht an einem Sitzplatz“, sagt Heike Wichmann, Leiterin der Erich-Kästner-Schule in Habinghorst. Hier wird „individuelles Lernen mit System“ gelebt. Es wird also in Gruppen gearbeitet, Kinder sind viel im Klassenraum unterwegs. Die meiste Zeit werden die Schüler hier also weiter Masken tragen.

Die Entscheidung findet Heike Wichmann trotzdem gut: „Wir können Situationen schaffen, in denen alle an ihrem Platz sitzen“, beschreibt sie. Wenn also Wörter lautiert werden, kann die Lehrerin wieder dem Schüler auf den Mund schauen und selbst deutlich vormachen, wie ein Wort ausgesprochen wird. „Wenn bei Arbeiten keine Maske mehr getragen werden muss, ist das eine große Erleichterung“, sagt Heike Wichmann.

Ihr Kollege an der Cottenburgschule auf Schwerin, Jan Hagedorn, sieht das ähnlich. „Die Kinder freuen sich, das Kollegium freut sich“, so Hagedorn. Detaillierte Sitzpläne gibt es hier schon länger, um bei einem eventuellen Corona-Fall die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.

„Man muss zur Normalität übergehen“

„Eine richtige Entscheidung“ nennt Dr. Friedrich Mayer, Leiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, die Neuerung. „Man muss zur Normalität übergehen.“ Auch er verweist darauf, dass die Masken hinderlich sind beim Erkennen von Mimik oder deutlichem Verstehen. „Die Vorteile überwiegen“, sagt er. Und auch in Klassen, wo jeder theoretisch geimpft sein könne, könne man nicht von allen verlangen, weiter Masken zu tragen.

Sein Kollege am ASG, Joachim Höck, hat die Entscheidung in Düsseldorf mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen. Grundsätzlich begrüße er den Schritt, sagt er, aber er tue sich mit dem Zeitpunkt schwer, „ausgerechnet in einer Zeit, in der die Inzidenzen wieder steigen“. Er nennt die neue Regelung „ein Spiel mit dem Feuer“.

Allerdingt betont er auf der anderen Seite, dass die Schule bisher kein Hotspot gewesen sei. „Sie ist einer der sichersten Hygieneorte“, sagt er. Ob das auch ohne Masken am Sitzplatz so bleibe – „es ist eine Entscheidung mit einem sehr ungewissen Ausgang“. Höck sagt weiter: „Ich kann jeden verstehen, der freiwillig weiter eine Maske tragen will.“

An der Gesamtschule gibt es einen Appell an jüngere Schüler

Das sehen alle befragten Schulleiter so. Alfred Horn, Leiter der Fridtjof-Nansen-Realschule, sagt: „Wer Vorbehalte hat, wer Angst vor Ansteckung hat, soll weiter die Maske tragen können.“ Es sei aber auch aus pädagogischen Gesichtspunkten eine große Erleichterung, Unterricht ohne Maske machen zu können. „Jeder Schritt hin zu einer, wenn auch sicher veränderten, Normalität ist gut.“

Violetta Kroll-Baues, Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule, geht beim Thema Masken noch einen Schritt weiter: „Wir appellieren an Schüler in den fünften bis siebten Klassen, freiwillig weiter Masken zu tragen.“ Das habe in der Vergangenheit schon mal gut funktioniert.

Nach den Herbstferien ist in Castrop-Rauxels Schulen bisher nichts von einer befürchteten schlechteren Corona-Lage zu spüren. Nur vereinzelt seien Corona-Fälle gemeldet worden. Die Betroffenen kamen dann allerdings schon gar nicht erst in die Schule. „Wir merken nichts von steigenden Infektionszahlen“, sagte beispielsweise EBG-Schulleiter Friedrich Mayer.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen