Kindergeschrei und Hilferufe - Polizisten beim Einsatz verletzt

rnHeftiger Widerstand

Nachbarn hatten die Polizei gerufen, alarmiert durch Kindergeschrei und Hilferufe. Die Beamten trafen auf einen Mann, der kaum zu bändigen war – und trugen selbst Blessuren davon.

Castrop-Rauxel

, 20.08.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachbarschaft war in Aufruhr. Kindergeschrei und die Hilferufe einer Frau schürten ihre Besorgnis. Selbst in der Parallelstraße waren die Rufe noch zu hören. Die Polizei wurde informiert.

Das war Ende Mai gegen 23.30 Uhr. Gleich zwei Einsatzwagen fuhren vor, die Beamten trafen an der Wohnungstür auf einen äußerst aggressiven Mann. Der 36-Jährige wollte sich nicht ausweisen, wehrte ab mit den Worten: „Es ist nichts, es ist nichts passiert.“

Kinder weinten laut

Das glaubten die Einsatzkräfte nicht, zu laut weinten die Kinder im Hintergrund. Deshalb verschafften sie sich Zutritt zur Wohnung, was der 36-Jährige mit aller Kraft zu verhindern suchte. Er wurde mit Gewalt zu Boden gebracht, wehrte sich und verletzte dabei eine Beamtin. Schürfwunden und Prellungen, heißt es in der Anklage.

„Ich habe nur eine Person weggeschubst, da sind sie gleich mit mehreren Personen auf mich drauf“, schildert der 36-jährige ehemalige Pizzabäcker die Situation, die ihn jetzt vor das Amtsgericht Castrop-Rauxel brachte.

Gekämpft wie ein Bär

Die Beamten hatten die Situation anders in Erinnerung. „Er kam mit erhobenen Armen auf uns zu, hat gekämpft wie ein Bär. Er hat bis zur Fixierung einen enormen Kraftaufwand entwickelt“, berichtet die 29-jährige Polizistin. Ihr 24-jähriger Kollege bestätigt, dass es tatsächlich vier Personen bedurft habe, den Rasenden zu bändigen. Aufgezeichnet übrigens per Bodycam, die die Einsatzkräfte eingeschaltet hatten.

Der Angeklagte versicherte, seit dieser Nacht sei nichts mehr passiert. „Wir hatten Streit, aber ich habe meine Frau nicht geschlagen“, beteuerte er. Die Frau, die den Polizisten beim Einsatz schließlich weinend und aufgelöst im Flur der Wohnung entgegenkam, hatte gesagt, dass dies öfter vorkomme.

Stress sei der Grund gewesen, so der Familienvater. Wegen der angespannten finanziellen Lage, aber auch, weil seine Familie seine Frau nicht akzeptiere. Aus religiösen Gründen.

Geldstrafe

Was an der Straftat nichts ändern. Ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, also Widerstand gegen die Staatsgewalt, bilanzierte die Staatsanwältin. Eine Bewährungsstrafe von 4 Monaten, umgewandelt in eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 10 Euro, schlug sie als Strafmaß vor.

Der Richter schloss sich dem in seinem Urteil an. Verhängte die geforderte Geldstrafe über insgesamt 1200 Euro, gestattete indes eine Ratenzahlung von 25 Euro monatlich.

Ein Urteil, das den 36-Jährigen folglich lange an sein Fehlverhalten erinnern wird. Er will, sagte er, sich als Staplerfahrer einen Job suchen, um von Hartz IV wegzukommen und die Strafe besser abstottern zu können.

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