Kinderhospiz: Alle Zeichen stehen auf Grün, aber es ist noch ein langer Weg

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Auch die Pläne für das Kinderhospiz Sonnenherz sind wegen Corona ins Hintertreffen geraten. Aber es geht voran. In kleinen Schritten. Vielleicht kommt bald ein Minister nach Dortmund-Westrich.

Frohlinde, Westrich

, 15.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon zwei Mal ist der erste Spatenstich für das geplante Kinderhospiz der Elisabeth-Grümer-Stiftung in die Hose gegangen. Weder der 9.9.2019 noch der 2.2.20 ließen sich aus unterschiedlichen Gründen für das Projekt „Sonnenherz“ an der Stadtgrenze an der Bockenfelder Straße in Westrich verwirklichen. Wird das nun noch was? Der aktuelle Sachstand und Hintergründe in Fragen und Antworten.

? ? Wie ist der Sachstand jetzt?

Die Politik in Dortmund hat längst grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben. Nachdem es im Februar 2020 ein vom heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Frank Schwabe initiiertes Krisengespräch beim Verband der Krankenkassen (VDEK) in Dortmund gegeben hat, liegt der Ball jetzt bei der Stiftung. Sie muss sowohl ein Pflegekonzept entwickeln und vorlegen, als auch ein Leitbild für das Sonnenherz mit einem besonderen ganzheitlichen Ansatz entwerfen. Das braucht es u.a., um die Pflegekosten entsprechend abrechnen zu können. Der VDEK hat in einem Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigt, dass dies Aufgabe der Stiftung sei.

? Wie geht es weiter?

Laut Auskunft der Stiftungsvorsitzenden Elisabeth Grümer aus Frohlinde laufen die Gespräche für die Hausaufgaben auf Hochtouren. Allerdings hat es bislang wegen Corona keine persönliche Zusammenkunft geben können. An der Erarbeitung des Pflegekonzepts sind auch die künftige Leiterin des Kinderhospizes und eine Pflegewissenschaftlerin beteiligt.
Das Büro von Frank Schwabe, der als Botschafter für das Sonnenherz fungiert, und das Kinderhospiz Berliner Herz stünden flankierend im Bedarfsfall zur Seite, sagt Grümer. Auch der VDAB, ein Dachverband für Hospize und Einrichtungen der Altenhilfe, sei konsultierend mit am Start. Immerhin gilt das Sonnenherz in NRW und darüber hinaus mit seiner Ausrichtung auf stationäre und ambulante Pflege-Unterstützung für Kinder und Jugendliche, die eine verkürzte Lebenszeit oder den nahenden Tod vor Augen haben, als Pilotprojekt.

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? Wie steht es um die konkrete Unterstützung?

Elisabeth Grümer sagt: „Wir sind vor allem den Spendern unendlich dankbar.“ Jeder Cent auf dem gemeinsamen Weg helfe. Und die Unterstützung in Dortmund und in Castrop-Rauxel sei großartig. „Das macht uns auch Mut“, erklärt die 73-Jährige.

? Wie ist der Stand beim Förderverein für das Kinderhospiz?

Auch dem Coronavirus geschuldet hat es hier einige Hürden gegeben, die mit der Digitalisierung zu tun haben. „Aber wir sind auf einem guten Weg“, sagt der bisherige kommissarische Vorsitzende des Fördervereins, der Dortmunder SPD-Fraktionschef Norbert Schilff, im Gespräch mit unserer Redaktion. Schilff hat erneut bekundet, dass er sich mit seinem ganzen Herzblut für das Projekt einsetzen wolle. Dazu muss man wissen, dass Schilff privat ganz genau weiß, was es heißt, ein Kind zu verlieren.

Elisabeth Grümer und Architekt Klaus Winkelmann mit Plänen für das Kinderhospiz.

Elisabeth Grümer und Architekt Klaus Winkelmann mit Plänen für das Kinderhospiz. © Schlehenkamp

? Was sind die nächsten Schritte des Fördervereins?In den Sommerferien soll eine Vorstandssitzung einberufen werden – im Rathaus in Dortmund. Dann soll das weitere Vorgehen festgezurrt werden. Im September, sagt Schilff, werde es dann eine Mitgliederversammlung geben. „Möglicherweise mieten wir dafür die Castrop-Rauxeler Stadthalle an“, so Schilff. Auf jeden Fall soll es dann auch Vorstandswahlen geben. „Ich stehe für das Amt des ersten Vorsitzenden zur Verfügung“, bekräftigt Schilff. Und fügt hinzu: „Ich bin gerne bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.“

? Wieviele Mitglieder hat der vor gut zwei Jahren gegründete Förderverein für das Sonnenherz?

Stand jetzt etwa 90. Dass es deutlich mehr werden sollten und müssten, sei klar. In der Vergangenheit habe es hier ein bisschen gerumpelt, nachdem der Amtsvorgänger das Handtuch geworfen hätte. Wichtig ist ein funktionierender Förderverein auch deshalb, weil es laut der Stiftungsvorsitzenden Elisabeth Grümer immer eines Eigenanteils bei der Finanzierung bedarf. Grümer verweist hier auf den Förderverein des geplanten Hospizes in Marl. Der hat bereits 1000 Mitglieder und ist seit vier Jahren am Start. „Für das Sonnenherz bräuchten wir mindestens 400“, gibt die Frohlinderin eine Richtschnur vor.
Um das Ganze ein bisschen greifbarer zu machen: Für das Erwachsenen-Hospiz braucht es im Jahr ungefähr zur Finanzierung einen Eigenanteil von plusminus 150.000 Euro, beim Kinderhospiz ist mit einer Größenordnung von mindestens 300.000 Euro zu rechnen. Das ist damit zu erklären, dass die Kosten zur temporären Aufnahme von Geschwister-Kindern und Eltern in den Appartements nicht bezuschusst werden.

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? Sind Aktionen geplant wie im Kontext bei der Errichtung des seit 2012 bestehenden Hospizes an der Westricher Straße?

Zur Erinnerung: Seinerzeit erzielte im Vorfeld die Tour de Hospiz, eine Radfahraktion zur Unterstützung, ein großes Echo aus der Bürgerschaft. Und der Weihnachtsmarkt auf dem Grümer-Hof an der Dortmunder Straße brachte 7000 Leute auf die Beine. Grümer: „Ich wäre froh, wenn wir das wieder hinkriegten, am Liebsten auch mit der Nutzung der alten Scheune.“ Da seien freilich noch einige Dinge mit dem Golfclub wegen der Nachnutzung zu regeln.

? Wie sieht es bei der Logistik für den Bau des Kinderhospizes aus?

Architekt Klaus Winkelmann sagt: „Wir stehen Gewehr bei Fuß, für die dicken Aufträge haben wir schon Partner gefunden.“

? Was ist in diesem Jahr mit dem Tag der offenen Tür im bestehenden Hospiz?

Laut Grümer wird es den wohl wegen Corona nicht geben können. Auch der geplante Besuch beim Kinderhospiz in Berlin in diesem Frühjahr, bei dem neben anderen die Castrop-Rauxeler Sozialdezernentin Regina Kleff mit von der Partie sein sollte, musste Corona bedingt abgesagt werden. „Aber wir werden das nachholen“, sagt Elisabeth Grümer. So ist denn wegen der Pandemie Einiges planerisch nach hinten geraten. Fazit gleichwohl: Das Kinderhospiz wird kommen. Dank aller Beteiligten und Unterstützer, die sich unermüdlich dafür einsetzen.

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? Gibt es einen neuen Termin für den Spatenstich?

Nein. Da ist die Stiftung ein bisschen vorsichtiger geworden. „Wir wollen aber auf jeden Fall in diesem Jahr loslegen“, sagt Elisabeth Grümer. Und womöglich steht politischer Promi-Besuch ins Haus. Das Sekretariat von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat schon vor einiger Zeit erklärt: Wenn es die Terminlage zulasse, käme Spahn zum ersten Spatenstich.

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