Kinderpornos: Castrop-Rauxeler hat über Jahre Fotos und Videos gesammelt

rnFamilie geschockt

Jahrelang hat ein 60-jähriger Castrop-Rauxeler kinderpornographische Fotos und Videos gespeichert. Vor Gericht taten ihm vor allem Richter und Staatsanwaltschaft leid.

Castrop-Rauxel

, 12.08.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein „Spaß“ unter Kollegen. Was früher der schlüpfrige Witz auf dem Firmenflur war, sind heute anscheinend delikate Fotos in entsprechenden Whatsapp-Gruppen. So soll es zumindest bei einem 60-jährigen Castrop-Rauxeler gewesen sein. Irgendwann sollen im Kollegenkreis Fotos von nackten Frauen die Runde gemacht haben.

Auch als kinderpornographische Fotos dazu kamen, schaute der 60-Jährige sie sich nicht nur an. Der Mann speicherte sogar, was über das Netz angeflogen kam. Wurde begierig auf mehr. „Ich habe dann mal eins angeklickt, und sofort ploppten 100 andere auf“, schilderte er nun vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht.

Über Jahre sei das so gegangen. 229 Dateien und ein Video hatte er gehortet. „Ich wusste nicht, dass es verboten ist“, wollte er sich entschuldigen. Doch das glaubte bei dem Gerichtstermin niemand.

Polizei vor der Tür

Ehefrau und Kinder wurden mit der erschreckenden Tatsache konfrontiert, als im April 2017 die Polizei vor der Tür stand und belastendes Material konfiszierte. Spätestens nach dem zweiten Hausbesuch der Polizei im Dezember 2018 half nur noch die Flucht nach vorn, damit die Familie nicht zerbrach.

„Ich habe meiner Familie alles gestanden, versucht, es zu erklären“, schilderte der Familienvater jetzt die Situation vor dem Amtsgericht. Denn dorthin hat ihn die Anklage wegen Besitzes pornografischer Kinderfotos gebracht.

Im Zuhörerraum auch seine Tochter. Befremdlich, fand der Richter, doch der Verteidiger erklärte das als Beweis dafür, dass sein Mandant daheim reinen Tisch gemacht habe. Seine Familie stehe hinter ihm.

„Er war wohl zu neugierig“, so die Tochter. Die Ehefrau hatte schriftlich beteuert, dass ihr Mann niemals fremdgegangen, niemals die eigenen Kinder angefasst habe. „Meine Kinder wissen alles, auch, dass ich mich sehr schäme“, gab der Mann an.

Bewährungsstrafe

Er entschuldigte sich, dass es Richter, Verteidiger und Staatsanwaltschaft nicht erspart geblieben sei, die Kinderpornos sichten zu müssen. Die Staatsanwältin forderte eine Haftstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Dazu eine Zahlung von 1400 Euro.

Der Verteidiger hoffte auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Doch der Richter blieb sogar leicht über der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sechs Monate Haft mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Dazu 1500 Euro, zu zahlen an die Aktion Kinderschutz in Karlsruhe. Zusätzlich die Auflage, sich bei einer einschlägigen Beratungsstelle Hilfe zu suchen.

Denn eines war ihm unangenehm aufgefallen: Der 60-Jährige bereue zwar, dass sich andere die Fotos anschauen mussten, doch dass hinter jedem dieser ekelhaften Fotos ein Kind steht, das ein Martyrium durchlitten hat, sei ihm anscheinend noch nicht klar.

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