Kirchen haben wohl keinen Platz für Flüchtlinge

Nach Papst-Appell

Die Zuspitzung in der Flüchtlingsfrage beschäftigt zunehmend auch die heimischen Kirchengemeinden. Sie wurden vom Papst aufgefordert, Wohnraum bereitzustellen. Diesem Appell werden die Castrop-Rauxeler Gemeinden jedoch kaum nachkommen können.

CASTROP-RAUXEL

, 08.09.2015 / Lesedauer: 3 min

„Die Gemeindehäuser sind in aller Regel für die Erstaufnahme ungeeignet“, erklärte Arno Wittekind, Pfarrer der evangelischen Paulusgemeinde und stellvertretender Superintendent. Er begründete das mit fehlenden sanitären Anlagen.

Ähnlich argumentierte sein Habinghorster Amtsbruder Sven Teschner im Hinblick auf das Christophorus-Haus. „Wir stellen unsere Häuser gerne für Sprachkurse oder als Versammlungsorte zur Verfügung, aber mit Wohnraum können wir nicht dienen“, stellte er klar. Die Gemeinde besitze zwar zwei Wohnungen, doch die seien langfristig vermietet.

Pfarrei hat Thema auf der Tagesordnung

Schon seit Längerem hat die benachbarte katholische Kirchengemeinde St. Josef zwei Wohnungen über ihrem Kindergarten für Flüchtlinge vorgehalten, wie der Pfarrer von Corpus Christi, Zbigniew Szarata, bestätigte. Gleichzeitig versicherte er, dass die Pfarrei das Thema auf die Tagesordnung gesetzt habe. „Wir werden auf der nächsten Pfarrgemeinderatssitzung über die Flüchtlingssituation reden“, kündigte er an.

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Winfried Grohsmann, Chef des Pastoralverbunds Süd, sieht die Möglichkeiten einer Flüchtlingsunterbringung ebenfalls begrenzt. Auf die Frage, ob die Gemeinde nicht die nicht mehr genutzten Häuser am Rochus-Hospital reaktivieren könne, sagte er: „Die Immobilien sind bereits verkauft und von den Versorgungsleitungen abgeschnitten.“ Gleichzeitig plädierte er für mehr Anstrengungen bei der materiellen Hilfe. „Dabei müssen wir neben den vielen Ehrenamtlichen jetzt alle Gemeindemitglieder mitnehmen“, forderte er.

Schönstatt-Haus in Frohlinde ist eine Option

Eine mögliche Option für Flüchtlingswohnungen ist auch noch das Schönstatt-Haus in Frohlinde, über dessen Zukunft in dieser Woche eine Vorentscheidung fällt. Bliebe es im Besitz der katholischen Schönstatt-Bewegung, könnte es Flüchtlingen zugute kommen. Geht das Haus hingegen an einen interessierten Frohlinder Investor, dürfte ein zügiger Umbau der Immobilie eine Aufnahme von Flüchtlingen an der Hubertusstraße entgegenstehen.

Papst Franziskus hatte angesichts der Flucht Zehntausender Menschen nach Europa zu mehr Solidarität und Hilfe aufgerufen. „Ich appelliere an alle Pfarreien, religiösen Gemeinschaften, Klöster und Wallfahrtsorte in ganz Europa (...), eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom. „Angesichts der Tragödie von Zehntausenden Flüchtlingen, die wegen Tod, Krieg und Hunger fliehen“, müsse man den Menschen beistehen und ihnen konkrete Hoffnung geben, forderte der 78-Jährige, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Möge jede Pfarrgemeinde und jede geistliche Gemeinschaft in Europa eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. #Jubiläum#refugeeswelcome

— Papst Franziskus (@Pontifex_de)

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