Einen Zigarettenautomaten (Symbolfoto) wollten die Männer knacken, darauf deuten zumindest viele Indizien hin. © Borys Sarad
Spätes Geständnis

Klare Indizien nach Knackversuch am Automaten: Dennoch kuriose Erklärungen

Zwei Männer versuchten, einen Zigarettenautomaten zu knacken. Das schlug fehl. Sie wurden beobachtet, am Automaten fand man klare Spuren und einen Haufen Werkzeug. Und dann diese Geschichte...

Dicke Aktenbündel und Gesetzessammlungen sind auf dem Richterpult ein üblicher Anblick. Doch jetzt gab es im Castrop-Rauxeler Amtsgericht etwas anderes zu bestaunen: eine Werkzeugsammlung mit schwerem Bolzenschneider, mehreren Schraubendrehern und Maulschlüsseln.

Wichtige Indizien, denn die beiden Angeklagten hatten beim ersten Versuch einer Gerichtsverhandlung noch eisern geschwiegen. Ihnen wurde ein versuchter Diebstahl vorgehalten. Sie sollen sich Mitte Dezember 2020 gegen Mitternacht an einem Zigarettenautomaten in Deininghausen zu schaffen gemacht haben.

Aufmerksamer Anwohner

Ein Anwohner sah sie dabei und informierte die Polizei. Doch den Beamten gegenüber erklärten sie, das Werkzeug für ihre Fahrräder gebraucht zu haben.

Die Story der Beschuldigten: Angeklagter A kam spätabends zu seinem Freund, dem Angeklagten B, und bat ihn, mit ihm von Dortmund nach Deininghausen zu fahren. Dort stand sein verschlossenes Fahrrad, dessen Schlüssel er verloren hatte. Deshalb der Bolzenschneider im Gepäck.

Freund B war zu dieser Zeit gerade dabei, das Hinterrad seines Rades zu reparieren. Mit Schraubendreher und Maulschlüssel. „Das habe ich dann mitgenommen, um unterwegs was nachzuziehen“, erklärte er. Mit dem Kumpel auf der Sattelstange ging es los.

Erst wurde die Kette des Rades geknackt, damit der Kumpel eigenständig zurück radeln konnte, dann bekam der Angeklagte B Lust auf eine Zigarette.

Aufbruchsspuren waren eindeutig

Also der Stopp am Automaten. „Ich habe 10 Euro reingesteckt, aber nichts funktionierte. Darum habe ich ein paar Mal davor getreten, mehr nicht“, beteuerte einer der beiden.

Doch der Anwohner hatte andere Geräusche gehört, und die Polizei fand frische Metallspäne. „Deutliche Aufbruchsspuren“, so die Polizeibeamtin. Den Angeklagten B hätten sie am Automaten angetroffen, seinen Begleiter einige Meter entfernt auf dem Rad.

„Ich habe gar nichts gemacht, ich rauche ja auch gar nicht“, sagte der. Er habe nur auf den Freund gewartet. Und der blieb eisern dabei, kein Werkzeug benutzt zu haben.

Erst als der Strafrichter sein „Wort zum Sonntag“ an die Angeklagten richtete, indem er auflistete, dass sich ein Geständnis positiv auf das Strafmaß auswirken könnte, knickte er doch noch ein. Wohlwissend, dass viel auf dem Spiel stand für ihn – denn er steht unter laufender Bewährung.

Späte Einsicht

„Ja, ich gebe alles zu“, sagte er dann doch noch. Der Mann sprach von einer dummen, spontanen Idee, weil er so sauer gewesen sei, dass der Automat keine Zigaretten ausgespuckt hätte.

Sein (spätes) Geständnis und dazu eine ärztlich bestätigte Intelligenzminderung veranlassten das Gericht, eine weitere Bewährungsstrafe von einem halben Jahr auszusprechen. Für den Freund, der Schmiere stand, gab es eine Geldstrafe über 900 Euro.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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