Knepper-Sprengung: Fotograf Marcel Kusch (26) erklärt, was sein Bild so besonders macht

rnAuszeichnung

Das Foto der Knepper-Sprengung von Marcel Kusch (26) zählt zu den NRW-Pressefotos 2019. Uns hat der Fotograf erzählt, wie er sich vorbereitet hat und was die spezielle Herausforderung war.

Castrop-Rauxel

, 01.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kühlturm sackt in sich zusammen, eine Staubwolke streckt sich in den Himmel. Im Vordergrund eine Reihe von Menschen. Dieses ausdrucksstarke Foto zeigt die Sprengung des Knepper-Kraftwerks und wird derzeit im Düsseldorfer Landtag ausgestellt.

Gezeigt werden dort 38 NRW-Pressefotos des Jahres. Das Foto der Sprengung stammt von dem Recklinghauser Fotografen Marcel Kusch. Er reichte mehrere Fotos ein und gewann außerdem den mit 2000 Euro dotierten Nachwuchspreis für ein Foto, das die Feuerwehr dabei zeigt, wie sie gerade ein Schaf aus der Bredouille rettet.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

NRW-Pressefotos 2019 - Die Gewinner

Der Landtag Nordrhein-Westfalen zeigt bis 16. Januar 2020 eine Ausstellung „NRW-Pressefoto 2019“. Unter den 38 ausgestellten Bildern ist auch ein Foto aus Castrop-Rauxel dabei. Marcel Kusch fotografierte die „Sprengung Kraftwerk Knepper“.
20.12.2019
/
Nachwuchspreis: Marcel Kusch – „Schafe werden in Dortmund gerettet“
30. September 2019, Deutsche Presseagentur
Stellungnahme der Jury:
Die Jury würdigt, dass das Foto für gleich mehrere aktuelle Themen steht: Es zeigt den oft kräftezehrenden Einsatz von Rettungskräften in Notfällen. Man sieht hier förmlich, wie die Feuerwehr „anpackt“. Und das in einer Zeit, in der der manchmal respektlose Umgang mit Rettungskräften in der Öffentlichkeit oft Thema der Berichterstattung in Nordrhein-Westfalen war. Das gilt genauso für den Klimawandel, dessen Folgen hier bei der Überflutung der Wiese sichtbar werden. © dpa
Platz 1: Thilo Schmülgen – „Feier der ‚Kölschen Kippa Köpp' in der Synagoge Köln“
Die Jury überzeugte, wie ein deutschlandweit relevantes Thema mit lokalem Bezug umgesetzt wurde. Kippas und Karnevalskappen auf einem Bild – das wirkt zunächst wie ein Gegensatz. Es sind aber nicht nur Kopfbedeckungen, sondern Symbole, die wie nebeneinandergestellt wirken. Dieser Gegensatz fesselt den Betrachter. Das Bild beeindruckt, weil es die Normalität im Umgang miteinander zeigt. Es ist ein ungewöhnliches Bild. © REUTERS
Platz 2: David Klammer –„Aktivisten stürmen in den Tagebau Garzweiler“
22. Juni 2019, Laif – Agentur für Photos und Reportagen
Stellungnahme der Jury:
Es war nicht alleine die Aufnahme dieses gesichtslosen Ansturms und seiner Dynamik, die die Jury überzeugte. Das Foto stellt zudem eine wichtige Frage: Denn wenn auch die meisten Aktivisten friedlich und viele ihrer Demonstrationen wie bunte Happenings sind, steht vor dem Hintergrund so mancher Eskalation immer die Sorge im Raum: Wie gewaltbereit ist der Kima-Protest eigentlich? Uniforme Optik und Vermummung der Aktivisten, der sandige Boden, viel Staub in der Luft, geben dieser Szene also nicht nur eine surreale Wirkung, sondern lassen die Möglichkeit erahnen, dass die Situation durchaus auch eskalieren kann. © David Klammer
Platz 3: Christoph Reichwein – „Skeptischer Blick hinter der Eistheke“
5. Dezember 2018, Rheinische Post
Stellungnahme der Jury:
Christoph Reichwein setzt mit seiner Fotografie nicht nur ein landespolitisches Thema bildstark um, sondern lässt eine Komposition entstehen, die neben der Darstellung eines bestimmten Augenblicks eine übergeordnete Bildkomposition erschafft. Die Jury bewertete unter anderem das perfekte Zusammenspiel von Licht, Farbe und perspektivischem Raum als besonders positiv. Das Bild selbst wirkt aufgrund seiner visuellen Gegensätze. Die eigentliche Handlung bleibt dem Betrachter verborgen, so dass die Fotografie auf diese Weise eine großartige Spannung erzeugen kann. © Ja
Sonderpreis: Kerstin Kokoska – „Fridays for Future in Essen“
30. August 2019, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Stellungnahme der Jury:
Beim Rückblick auf die politischen Entwicklungen in diesem Jahr ist die Diskussion über die Klimapolitik ein Thema, das stark nachhallt. Symbol der gesellschaftlichen Auseinandersetzung waren die Demonstrationen „Fridays for Future“. Zehntausende junge Menschen schwänzten auch in Nordrhein-Westfalen die Schule und forderten von der Politik einen stärkeren Klimaschutz.© FUNKE Foto Services
Undotiert, aber Teil der Ausstellung ist dieses Foto von Michael Gottschalk, der das in Dorsten entstandene Foto „Missbildungen bei Neugeborenen – Baby Leon mit seiner Mutter Laura“ einreichte. © Michael Gottschalk
Der Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks Knepper in Castrop-Rauxel wird gesprengt. Die Abbruchfirma Hagedorn hat das 2014 stillgelegte Kraftwerk 2017 von Uniper und Eon gekauft und will die Fläche für eine neue Nutzung erschließen. Dieses Foto ist ebenfalls Teil der Ausstellung.© dpa

Der 26-jährige dpa-Fotograf erklärt im Interview, was die Herausforderung bei seinem Job ist.

Warum haben Sie das Bild von der Knepper-Sprengung für den Wettbewerb eingereicht?

Der Kühlturm was das gewaltigste und imposanteste, was an dem Tag gesprengt wurde. Das so ein Zeichen für Industriegeschichte in Schutt und Asche gelegt wird, passiert nicht so oft.

Knepper-Sprengung: Fotograf Marcel Kusch (26) erklärt, was sein Bild so besonders macht

Der Recklinghauser Fotograf Marcel Kusch arbeitet für die Deutsche Presse Agentur (dpa). © Marcel Kusch

Hat am Tag der Sprengung alles so geklappt, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Nicht wirklich. Mir wurde ein Platz auf dem Werksgelände zugewiesen, von dem aus ich fotografieren sollte. Das war aber viel zu nah dran und gleichzeitig hatte ich kein freies Sichtfeld. Ich habe schnell festgestellt, dass das vorne und hinten nicht klappt. Zum Glück hatten wir noch genug Zeit.
Also bin ich mit einem Kollegen ins Auto und wir sind zehn Minuten entfernt zu einem anderen Standort gefahren. Wir haben uns gedacht: „Entweder es klappt, oder wir verhauen es beide.“ Von der Landstraße konnten wir quer über die Felder auf das Kraftwerk blicken. Da war schnell klar, dass es ein gutes Bild wird.

Wie viele Fotos haben Sie dann gemacht?

Ich hatte zwei Kameras dabei und habe insgesamt rund 500 Bilder gemacht. Man will den perfekten Moment festhalten und weiß vorher nicht, wo fallen die Türme hin, wo gehen die Menschen hin?

Jetzt lesen

Wie haben Sie aus der Masse genau dieses Bild ausgewählt, was jetzt im Düsseldorfer Landtag zu sehen ist?

Ich finde, es funktioniert, weil es mehrere Ebenen abbildet. Auf der einen Seite den imposanten Turm, der in Schutt und Asche gelegt wird, und in Relation dazu im Vordergrund die Menschen. Das Foto funktioniert also durch die unterschiedlichen Ebenen und die Konstellation erzeugt eine gewisse Spannung.

Was ist die Herausforderung bei der Arbeit als Pressefotograf?
Ich versuche immer, mit einem einzigen Foto die ganze Geschichte zu erzählen, den Betrachter mit einem Foto also so zu informieren, wie er es gerne hätte.

Öffnungszeiten

Ausstellung im Landtag: Pressefotos-NRW 2019

  • Die Ausstellung in der Wandelhalle des Landtags NRW, Platz des Landtags 1 in Düsseldorf, kann täglich besucht werden nach Anmeldung unter veranstaltungen@landtag.nrw.de oder Tel. (0211) 884-2129 bzw. -2330.
  • Außerdem können Interessierte sie am 11. und 12. Januar von 11 bis 17 Uhr ohne Anmeldung besichtigen.
Lesen Sie jetzt