Die Wahl-Superlative: Höchste Beteiligung, bester Kandidat, grünstes Ergebnis

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Wahl-Ergebnisse bleiben auch nach dem Wahltag interessant: Wo waren Wähler am eifrigsten? Wer war der beste Direktkandidat? Wo wurde links, wo rechts gewählt? 10 Castrop-Rauxeler Superlative.

Castrop-Rauxel

, 18.09.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Wahlabend einer Kommunalwahl stehen einige wenige Fakten im Fokus: Wer zieht in den Stadtrat ein, wie ist das Stimmenverhältnis insgesamt? Wer wird Bürgermeister oder wer kommt in die Stichwahl? Diese Fragen sind längst abgearbeitet. Aber dennoch lohnt auch ein paar Tage später noch ein Blick in die Ergebnisse, wenn man sich auf die Details fokussiert: Wir haben zehn Superlative herausgefischt.

? Wer war der beste Direktkandidat für den Stadtrat?

Bürgermeister Rajko Kravanja trat für die SPD im Wahlbezirk 04 (Ickern rund um die Aapwiesen) an. Das ist vielleicht eine Reminiszenz an seine fußballerische Ausrichtung als Anhänger des FC Schalke, es hat aber auch damit zu tun, dass er in Ickern aufgewachsen ist. Jedenfalls könnte auch sein Amtsbonus und seine Prominenz dazu beigetragen haben, dass er der beste Direktkandidat bei dieser Wahl war. Er holte dort 51,7 Prozent der Stimmen und ließ den jungen CDU-Kandidaten Robin Mainz (17,3 Prozent) alt aussehen. Lässt man den Bürgermeister außen vor, gelang einem Neuling ein echter Coup: Daniel Djan holte als zweitbester Direktkandidat 49,5 Prozent und verpasste der CDU die größte Schlappe im Wahlbezirk 05: Prof. Dr. Dieter Kopetz kam gegen ihn in Ickern nur auf 16,9 Prozent.

? Wo war das Duell zweiter Direktkandidaten am knappsten?

Sie ziehen beide in den Stadtrat ein, aber das Direktmandat konnte nur einer holen: Das Rennen zwischen Daniel Molloisch (SPD), der am Ende um 31 Stimmen vor Michael Fritsch (CDU) lag, war so knapp wie keines sonst in der Stadt. Um 36 Stimmen lag Hubertus Wilbring (SPD) in der Altstadt vor Michael Breilmann (CDU), ebenso erging es Malte Fercke (SPD) gegen Michael Schneider (CDU) im Bereich Sekundarschule Süd (Altstadt).

? Wo haben die Volksparteien SPD und CDU die geringste Unterstützung erfahren?

Den schwersten Stand hatte die SPD in Frohlinde: Im Wahlbezirk 23 holte Jan-Philip Hermes weniger als 30 Prozent, mit 29,5 Prozent nur 468 Stimmen. Er unterlag also deutlich Frank Steinbach (CDU, 39,7 Prozent). Der Spitzenkandidat der Grünen, Bert Wagener, holte hier 18,8 Prozent der Stimmen. Die CDU schnitt besonders in Ickern schlecht ab: Martina Wilbring kam neben Dieter Kopetz als einzige auf unter 17 Prozent: Sie verlor in Ickern gegen Fabian Abitz mit 16,97 Prozent (gegen 45,8 Prozent). Alles allerdings keine Überraschung: Ickern ist Stammland der SPD, Frohlinde Stammland der CDU.

? Wo waren die Wahlberechtigten besonders eifrig?

Bei einer Gesamt-Wahlbeteiligung von 44,8 Prozent gibt es natürlich Abweichungen. Das geringste Interesse an einer Stimmabgabe hatten statistisch betrachtet die Menschen, die in Ickern an der Grundschule Am Busch wählen sollten: Nur 36,6 Prozent der Wahlberechtigten folgten dem Ruf an die Urne oder dem Aufruf zur Briefwahl. Unter 40 Prozent lag die Quote außerdem in Habinghorst (Erich-Kästner-GS / FNR, teils mit Pöppinghausen) und in Deininghausen (teils mit Dorf Rauxel). Besonders fleißig waren die Wähler in der Kinderburg und im Kolbe-Haus in Henrichenburg (Wahlbezirk 08) mit über 60 Prozent Wahlbeteiligung.

? Wo waren die meisten und die wenigsten Stimmen gültig?

Die Quoten lagen zwischen 99,6 Prozent in Dorf Rauxel und Frohlinde und 95,6 Prozent in der Marktschule Ickern (beides inklusive der Briefwähler in den jeweiligen Bezirken).

Thomas Krämerkämper vom BUND trat in Henrichenburg für die Grünen an und wurde von jedem fünften Wähler gewählt. Besser schnitt kein Grüner Kandidat auf Wahlbezirks-Ebene (inkl. Briefwahlstimmen) ab, nur Kurt Niemeyer schaffte im Wahllokal Center Pöppinghausen ein noch besseres Stimm-Ergebnis.

Thomas Krämerkämper vom BUND trat in Henrichenburg für die Grünen an und wurde von jedem fünften Wähler gewählt. Besser schnitt kein Grüner Kandidat auf Wahlbezirks-Ebene (inkl. Briefwahlstimmen) ab, nur Kurt Niemeyer schaffte im Wahllokal Center Pöppinghausen ein noch besseres Stimm-Ergebnis. © Tobias Weckenbrock

? Wo wurde besonders grün gewählt?

Ist es seine Prominenz oder die grundsätzliche Einstellung der Menschen dort? Mit knapp über 20 Prozent holte Thomas Krämerkämper in Henrichenburg das beste Stimmergebnis für Bündnis 90/Die Grünen. Der BUND-Landesvorstand ist einer der Vorkämpfer für ökologische Themen aus der Bürgerschaft und tritt hier oftmals als Kläger vor Verwaltungsgerichten in Erscheinung. Auf Wahllokal-Ebene betrachtet war ein Dorf noch grüner: Im Center Pöppinghausen wählten 26,2 Prozent der Wähler, die nicht Briefwahl machten, den Grünen Kurt Niemeyer.

? Welcher Stadtteil wählte am rechten Rand?

Die UBP fiel durch rechtspopulistische Wahlplakate auf und hat schon seit vielen Jahren einen solchen Ruf. Sie profitierte vielleicht davon, dass die AfD vor Ort nicht genügend Personal zusammenbekam, um selbst anzutreten, und wurde knapp viertstärkste Kraft in Castrop-Rauxel. Ihr bestes Einzelergebnis holte sie mit 6,9 Prozent im Wahlbezirk 10. Im Habinghorster Wahllokal Realschule holte Direktkandidat Dierecks 8,8 Prozent, in Pöppinghausen immerhin 6,9 Prozent.

In der Fridtjof-Nansen-Realschule wurde besonders "extrem" gewählt: Die Linke kam hier auf über 10 Prozent, die rechte UBP auf 8,8 Prozent. "Die Partei" erzielte hier eines ihrer besten Ergebnisse, die CDU eines ihrer schlechtesten.

In der Fridtjof-Nansen-Realschule wurde besonders "extrem" gewählt: Die Linke kam hier auf über 10 Prozent, die rechte UBP auf 8,8 Prozent. "Die Partei" erzielte hier eines ihrer besten Ergebnisse, die CDU eines ihrer schlechtesten. © Stadt

? Wo haben die Stichwahl-Bürgermeisterkandidaten ihre Hochburgen?

In Ickern konnte Rajko Kravanja auf Wahllokal-Ebene zum Teil über 60 Prozent einheimsen. Der stärkste Wahlbezirk war für ihn bei der Bürgermeisterwahl die 05 (Marktschule) mit 57,8 Prozent. Bei Oliver Lind (CDU) steckte der Name mit drin: In Frohlinde an der Lindenschule holte er 36,4 Prozent. Allerdings lag er selbst hier um 78 Stimmen (5 Prozentpunkte) hinter Kravanja.

? Wo waren ihre Ergebnisse am schwächsten?

Frohlinde war Kravanjas schwächster Bezirk mit 41,3 Prozent. Lind schnitt am schwächsten im Lutherhaus und in der Marktschule in Ickern ab – mit jeweils 16,3 Prozent.

? Wo kam die neue „Die Partei“ am besten an?

Sie holte insgesamt 775 Stimmen. Das reicht im neuen Rat zu zwei Sitzen. Ihr bestes Ergebnis mit 4,2 Prozent holte sie in Habinghorst (FNR) und 4,1 Prozent in Ickern (GS Am Busch). Besonders schwach schnitt sie in Frohlinde ab (1,8 Prozent). In Becklem/Henrichenburg trat sie nicht einmal an.

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