Kreis bekommt Corona-Tests wieder bezahlt – aber Zentren sind abgebaut

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Die Kassenärztliche Vereinigung rudert zurück. Der Kreis Recklinghausen darf Corona-Tests wieder über die Krankenkasse abrechnen. Ob er seine Testzentren wieder aufbaut ist jedoch fraglich.

Castrop-Rauxel

, 23.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kreis Recklinghausen war, gelinde gesagt, nicht gerade erfreut über das Schreiben, das er in dieser Woche von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zugeschickt bekommen hat. In diesem stand, dass für alle Tests bei Personen, die Symptome auf Corona zeigen, oder die in stationäre Einrichtungen aufgenommen werden sollen, ab sofort die niedergelassenen Ärzte zuständig seien.

Der gleichzeitige Entzug der Betriebsstättennummer bedeutete, dass der Kreis die Tests, die er bis dato in Durchfahrtszentren durchgeführt hatte, nicht mehr über die Krankenkassen hätte abrechnen können, sondern selbst hätte tragen müssen. Er beschloss deshalb, die Durchfahrtzentren an der Paracelsusklinik in Marl und am Prosperhospital in Recklinghausen zu schließen.

Möglichkeit der Testung soll bei den Gesundheitsämtern bleiben

„Wir bedauern sehr, dass die Kassenärztliche Vereinigung ohne Vorankündigung diesen Schritt gegangen ist und damit ein bewährtes, hervorragend funktionierendes System abrupt beendet hat“, wurde Landrat Cay Süberkrüb am Mittwoch in einer Pressemitteilung zitiert.

Die KVWL reagierte auf die Kritik des Kreis Recklinghausen und anderer Kommunen. „Wir haben uns gefragt, wie können wir eine Lösung finden, die für KVWL, Krankenkassen und Kommunen zufriedenstellend ist“, sagt Vanessa Pudlo. In Absprache mit den Krankenkassen habe man deshalb entschieden, die Möglichkeit der Testung bei den Gesundheitsämtern zu belassen.

Am Donnerstagabend habe den Kreis Recklinghausen ein Schreiben der KVWL erreicht, in dem steht, dass er über seine Betriebsstättenummer doch weiter abrechnen dürfe, sagt Svenja Küchmeister vom Kreis Recklinghausen. „Der Krisenstab muss jetzt entscheiden, ob man dem auch nachkommt, schließlich sind die Testzentren schon abgebaut.“

„Es war ein strukturiertes System“

Außerdem sei fraglich, ob die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen nach dem Hin-und-Her motiviert seien, weiterzumachen, sagt Küchmeister. „Das Verfahren, das wir eingeführt hatten, hatte sich bewährt. Es gab einen schnellen Termin für alle, keine Warteschlangen, alles hat reibungslos funktioniert, es war ein strukturiertes System.“

Es sei allerdings nur ein System auf Zeit gewesen, erklärt Pudlo. Die KVWL hatte in den ersten Wochen der Krise eigene Testzentren aufgebaut. Grund für die Auslagerung der Tests sei auch gewesen, dass in den Arztpraxen nicht genügend Schutzausrüstung zur Verfügung gestanden habe, sagt Pudlo.

Man habe sich deshalb dazu entschieden, die Tests auszulagern, um die reguläre ambulante Versorgung aufrechterhalten zu können.

„Wir sehen aber jetzt auch, dass die Strukturen nicht mehr überall benötigt werden und es möglich ist, in die Praxen zurückzukehren. Die Corona-Krise wird uns scheinbar noch länger beschäftigen, das muss langfristig das Ziel sein, in den Versorgungsalltag und die eigentliche Zuständigkeit zurückfinden“, sagt die Pressesprecherin.

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Bei Symptomen sollte man weiterhin zuerst anrufen

Es sei nie darum gegangen, nicht mehr zu testen, sondern darum, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen in den Praxen stattfinden sollten, erklärt Pudlo. Wie die Ärzte diese Testungen durchführen, um Infektionen in der Praxis zu verhindern, liege bei den Ärzten. Wichtig sei weiterhin, dass Patienten mit Symptomen zuerst anrufen, sagt Pudlo.

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Auf den vom Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, geäußerten Vorwurf, Kassenärzte würden teilweise eine Ausweitung von Corona-Tests bremsen, entgegnet Pudlo: „Massentests sind noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, auch wenn das perspektivisch so sein soll. Bislang zahlt die Krankenkasse nur die Tests von Personen, die Symptome aufweisen.“ Ob darüber hinaus getestet werde, entscheide der Gesetzgeber.

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