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Kritische Briefe an Micky Beisenherz: „Wenn Sie schon die Gefühle anderer verletzen...“

rnDie „Hostienrebellion“

Die „Hostienrebellion“ von Obercastrop wirkt nach: Bei einigen Castrop-Rauxelern sitzt der Stachel, den Micky Beisenherz in die katholische Kirche stach. Wir fassen Leserbriefe zusammen.

Obercastrop

, 18.05.2019 / Lesedauer: 3 min

„Ich weiß nicht, was Sie geritten hat“, schreibt Wilhelm Winkelmann in einem offenen Brief an Micky Beisenherz. „Hostienrebellion, das zeigt schon, dass hier jedes Verständnis für das sich vollziehende Geheimnis fehlt“, meint Fabian Kaese aus Ickern. „Billige und primitive Effekthascherei, die die Gefühle zahlreicher Gläubiger zutiefst verletzt“, findet Michael Fritsch. Und Kajo Krekeler aus Obercastrop meint, es habe ihn „doch sehr erstaunt, dass die Redaktion diese Wichtigtuerei als so bedeutend eingestuft hat, sie als Artikel auf die erste Seite des Lokalteils zu setzen.“

Nur wenige Berichte unserer Redaktion lösen so viele kritische Zuschriften aus wie die über die kirchenkritische Einlassung des bekannten Satirikers und Komödianten Micky Beisenherz. Der hatte vor zwei Wochen in einem Gottesdienst in St. Elisabeth Obercastrop im Erstkommunions-Gottesdienst den Leib Christi entgegen genommen, ihn aber an seine dreijährige Tochter weitergeben wollen, weil sie keine Kommunion, sondern nur einen Segen vom Pastor bekommen hatte.

Erst auf Facebook, dann im „Stern“

Bekannt wurde diese Geschichte erst dadurch, dass Micky Beisenherz selbst darüber schrieb: Auf Facebook, wo ihm selbst zigtausend Menschen folgen; und im „Stern“, für den er im Magazin und auf dem Webportal eine bissige Kolumne schreibt. Schon im Internet hatte es einen Sturm der Entrüstung gegeben, aber auch zustimmende Kommentare, dass er mit seinen Einlassungen den Nagel auf den Kopf getroffen habe. Ein Benediktiner-Mönch schrieb eine deutliche Replik darauf auf katholisch.de. Es war im übrigen nicht Beisenherz‘ erster kirchenkritischer Beitrag.

Und nach unserem Bericht in den Ruhr Nachrichten meldeten sich binnen kurzer Zeit mehrere Leserbriefschreiber zu Wort. „Wollten Sie der katholischen Kirche – wie so viele andere – einen weiteren Schaden zufügen?“, fragt Wilhelm Winkelmann, Diakon außer Dienst. Denn es sei ja inzwischen eine Art Sport geworden, „die Kirche zum Sündenbock für alles Mögliche zu machen nach dem Motto: Den Splitter im Auge der Kirche sehen Sie, den Balken in Ihrem Auge aber nicht!“ Die Erstkommunion sei die denkbar ungünstigste Gelegenheit dazu gewesen. „Wenn Sie sich schon als Satiriker versuchen, dann sollten Sie wenigstens wissen, worüber Sie schreiben.“

„Glaubenspraxis ins Lächerliche gezogen“

Das findet auch Fabian Kaese aus Ickern, aktiv in der Ickerner Gemeinde St. Antonius und Ratsherr für die CDU. „Herr Beisenherz, wir gehen nicht zur Kommunion, um eine Hostie, ein Stück Brot oder Esspapier zu bekommen!“, erklärt Kaese.

„Ihnen ging es nur darum, die Glaubenspraxis der katholischen Kirche öffentlich ins Lächerliche zu ziehen und so alle Gläubigen bewusst zu kränken. Das hat nichts mehr mit Satire oder Comedy zu tun, das ist einfach nur unterste Schublade.“

„Kleinkind instrumentalisiert“

„Wenn der Satiriker Beisenherz über die katholische Kirche, ihre Priester und Gläubigen herzieht“, findet Michael Fritsch, der bei der nächsten Kommunalwahl für die CDU für den Rat kandidieren soll, „so sollte das von den Betroffenen mit christlicher Gelassenheit ausgehalten werden. Wenn jedoch der Erziehungsberechtigte Beisenherz sein dreijähriges Kleinkind im Rahmen einer festlichen Erstkommunionmesse vorsätzlich mit dem Ziel instrumentalisiert, den Empfang eines Sakramentes der Lächerlichkeit preiszugeben, so ist das eine billige und primitive Effekthascherei.“

Das meint auch Wilhelm Winkelmann: „Wenn Sie schon die Gefühle anderer verletzen, dann sollten Sie wenigstens nicht zur Kommunion gehen und Ihre Tochter für Ihre Privatmeinung in einem sensiblen Bereich verwickeln, den sie als Dreijährige noch nicht versteht.“

Arroganz, Ignoranz, Überheblichkeit

Karl Josef Krekeler zeigte sich ebenfalls verärgert: „Bei soviel Arroganz, Ignoranz, Unerzogenheit, Überheblichkeit und maßloser Respektlosigkeit dieses Lustigmachers in seinem ja sogenannten modischen Kirchen- und Glaubensbashing, war die Lektüre der Zeilen für mich ein äußerst zweifelhaftes Vergnügen.“

Gelassen blieb bisher die Reaktion der Kirchengemeinde St. Lambertus: Pfarrer Winfried Grohsmann äußerte sich auf Anfrage bisher nicht. Pastor Christian Naton, der die Kommunion austeilte, sagte gelassen: „Das Kind hat seinen Segen bekommen so wie andere Kinder auch.“

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