Kuschelhund Trevor geht mit Herrchen Henning Feigl jeden Tag mit ins Büro

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Hunde im Büro - das ist nicht überall selbstverständlich. Bei Henning Feigl schon. Er nimmt seinen Australian Shepherd täglich mit zur Arbeit. Hund, Herrchen und Kollegen profitieren davon.

Castrop-Rauxel

, 02.09.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Deutsche Tierschutzbund ruft jährlich zur Aktion „Kollege Hund“ auf. Ziel ist es, Unternehmen dazu zu bringen, für einen Tag das Tier am Arbeitsplatz zu erlauben. Und später dann vielleicht für immer. Je mehr Unternehmen das erlauben, umso weniger Tiere müssen zu Hause allein auf Herrchen oder Frauchen warten - oder am Ende im Tierheim leben. Henning Feigls drei Hunde stritten sich zu Hause, wenn sie alleine waren. Also hat der Castrop-Rauxeler kurz entschlossen einen mit ins Büro genommen.

Auf Tour zu den Patienten

Der sechs Jahre alte Australian Shepherd begrüßt dann alle Mitarbeiter bei „Pflege vor Ort“ und legt sich dann zu einer Mitarbeiterin von Henning Feigl. „Ich mache erst meine Runde und fahre zu den Patienten“, erklärt der stellvertretende Pflegedienstleiter.

Da könne Trevor schlecht mit, es sei denn die Patienten wünschen sich das explizit, dann dürfe er auch schon mal mit auf Tour. Wenn der Castrop-Rauxeler am frühen Mittag zurückkommt, geht es für den Australian Shepherd eine kurze Runde raus und dann wieder ins Büro.

„Er ist dann mein Schatten“, erklärt Feigl. Sitzt er selbst am Tisch, liegt Trevor daneben oder darunter, geht er zur Dienstplan-Tafel, trottet der Hund hinterher - nicht ohne einen „kleinen Schnack“ mit den Kollegen zu halten. „Er weiß genau, wo es Leckerchen gibt“, so Feigl.

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Zu Beginn hatte er in der Dienstbesprechung gefragt, ob es für alle okay sei, wenn er Trevor mitbringt. Seitdem ist der Vierbeiner Teil des Teams. „Der ist ein Kuschelhund, man kann ihn nur lieb haben“, findet Feigl. Seine Kollegen hätten sich dran gewöhnt und wer neu anfängt bei „Pflege vor Ort“, für den ist es normal, dass auch ein Vierbeiner im Büro ist.

Der Bundesverband Bürohund setzt sich für die vereinfachte Zulassung von Hunden in Büros ein. Markus Beyer ist der Vorsitzende. „Ich bin Trainer für Hundehalter in Berlin“, erzählt der 57-Jährige.

„Und viele haben mich gefragt, ob ich ihrem Hund das Alleinsein beibringen könne. Da habe ich mich gefragt: Warum?“ Nach einem Jahr stellt Beyer fest: Der Bedarf ist riesig. „Erst haben mich fast nur Hundehalter kontaktiert, heute fragen die Unternehmen: Was können wir machen, um Hunde zu integrieren?“

Der Wau-Effekt

Die Vorteile für Unternehmen seien immens: So könne auch dem Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burn-out mithilfe der Eingliederung von Hunden im Büro entgegengewirkt werden, glaubt Beyer. „Der Hund erdet, bringt den Halter und die Kollegen zum Lächeln.“

Das hat auch Henning Feigl festgestellt: „Man redet nicht immer nur über die Arbeit sondern hat noch andere Themen.“

Auch Psychotherapeut Christian Lüdke glaubt an die positive Wirkung von Hunden am Arbeitsplatz. Er ist selbst Hundebesitzer. „Man könnte es den Wau-Effekt nennen“, sagt der 59-Jährige. „Ein Hund ist ein Sympathieträger, der eine starke Bindung zum Menschen eingeht.“

Dabei würden Glückshormone ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut. „Hundebesitzer haben weniger Stress als andere Menschen. Und das überträgt sich auf die Kollegen“, erklärt der Psychotherapeut.

Kuschelhund Trevor geht mit Herrchen Henning Feigl jeden Tag mit ins Büro

Henning Feigl ist stellvertretender Pflegedienstleiter. Er nimmt seinen Australian Shepherd Trevor regelmäßig mit ins Büro. © Feigl

„Es kommt auf den Hund an und auf die Arbeitssituation“, findet Feigl, der seine anderen beiden Hunde nicht mitbringen würde. „Die sind zu sportlich.“ Auch bei einem Job mit Publikumsverkehr sei es ungünstig einen Hund dabei zu haben.

Manche Menschen haben Angst vor Hunden, auch bei Feigl im Büro. Tatsächlich konnte Trevor den Kolleginnen jedoch helfen, ihre Angst abzubauen. Er ist eben ein Kuschelhund.

Bürohund

So halten es andere Castrop-Rauxeler Unternehmen mit Vierbeinern im Büro

  • Beim EUV Stadtbetrieb sind Hunde im Büro nicht erlaubt. In Ausnahmefällen ermöglicht der EUV, den Hund (nach Absprache mit dem Vorstand) für eine kurzfristige Dauer mit ins Büro zu bringen. Ein solcher Fall wäre, wenn der Hund nicht anderweitig versorgt werden kann.
    Wird ein Hund mitgebracht, muss auf die Kolleginnen und Kollegen, die Angst vor Hunden haben oder Allergiker sind, Rücksicht genommen werden. Der Hund sollte gut erzogen sein und im Büro einen Rückzugsort bekommen. Ist ein Hund vorübergehend mit im Büro, so sind die Reaktionen und Erfahrungen nach Angaben von EUV-Sprecherin Sabine Latterner durchaus positiv.
  • Bei der Arbeitsagentur ist es Kunden und Mitarbeitern grundsätzlich nicht gestattet, Tiere mit in das Dienstgebäude zu nehmen. Ausgenommen sind Blindenführhunde. Ein entsprechender Hinweis ist am Eingang angebracht.
  • Bei der Stadtverwaltung gibt es zu dem Thema bislang keine Regelung. Bisher ist nach Angaben von Stadtsprecherin Annette Robenek noch keine Anfrage von Mitarbeitern gestellt worden.
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