Labrador-Hündin Luna ist tot: Wurde an der Rennbahn mutwillig Rattengift ausgelegt?

rnAlte Rennbahn

Rattengift an der alten Rennbahn wurde Hündin Luna zum Verhängnis. Herrchen Ralf Reinert musste seinen Labrador einschläfern lassen. Jetzt warnt er alle Hundehalter vor blauem Granulat.

Castrop-Rauxel

, 18.01.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Luna hat den Kampf um ihr Leben verloren. Am Sonntag konnte die schwarze Labrador-Hündin plötzlich ihre Hinterläufe nicht mehr bewegen. Was zunächst wie ein Bandscheibenvorfall aussah, entpuppte sich am Dienstag als noch viel größeres Übel: Die Hündin hatte Rattengift gefressen. Am Donnerstag dann die traurige Gewissheit: Der Hund musste eingeschläfert werden.

Vergiftung war am Ende zu schwerwiegend

Auch eine stationäre Behandlung in der Tierklinik am Kaiserberg in Duisburg konnte Luna nicht mehr retten. „Die Ärzte haben gesagt, wenn Luna schon acht oder neun Jahre alt wäre, hätte sie überhaupt keine Chance gehabt“, hatte Ralf Reinert im Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwochabend noch gesagt - voll Hoffnung auf eine Genesung seiner Hündin. Doch auch für das Jungtier war die Vergiftung am Ende zu schwerwiegend.

Das Naherholungsgebiet an der alten Rennbahn ist ein beliebter Platz für Hundehalter in Castrop-Rauxel.

Das Naherholungsgebiet an der alten Rennbahn ist ein beliebter Platz für Hundehalter in Castrop-Rauxel. © Tobias Weckenbrock

Schuld an Lunas Tod sind kleine blaue Körner: Rattengift. Bekannte von Ralf Reinert haben das giftige Granulat später in der Nähe des Zielturms auf der Rennwiese auf Schwerin gefunden. Dort gingen Reinert und Luna in der vergangenen Woche Gassi - wie viele andere auch. Denn das Naherholungsgebiet ist ein beliebter Treffpunkt unter Hundefreunden.

Rattengift wurde wohl mutwillig ausgelegt

Für Ralf Reinert steht fest: „Das Gift hat jemand gezielt und mutwillig ausgelegt. In solch einem Gebiet verstreut niemand von offizieller Seite Rattengift.“ Das bestätigt auch die Stadtpressestelle auf Nachfrage. „In öffentlichen Grünanlagen legt die Stadtverwaltung kein Rattengift aus“, heißt es in einer Mitteilung auf Anfrage unserer Redaktion.

„Das Gift hat jemand gezielt und mutwillig ausgelegt.“
Ralf Reinert, Hundehalter

Bei Rattenbefall in städtischen Gebäuden oder auf städtischen Grundstücken werde ein Schädlingsbekämpfer beauftragt, der entscheide, ob Gift oder Fallen zur Bekämpfung eingesetzt würden, heißt es weiter. Der EUV-Stadtbetrieb kontrolliere zudem das Kanalnetz und lege dort beizeiten Giftköder aus - aber eben nur dort.

Per Facebook-Beitrag warnte Reinert am Mittwoch andere Hundehalter. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. 75 Kommentare erntete der Beitrag bis Donnerstagmittag. Viele Genesungswünsche für Luna waren dabei - und natürlich Wut und Entsetzen über den Vorfall.

Labradore schnappen öfters was zu fressen auf

Wann genau Luna das Rattengift gefressen hat, kann Reinert nicht sagen. Zum einen, weil es keine Seltenheit war, dass Luna beim Gassigehen etwas aufschnappte. „Labradore fressen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist“, so Reinert. Erst neulich habe sich seine Hündin den Magen an zu vielen Eicheln verdorben. „Doch nach 20 Minuten war das Thema wieder durch.“

Am Ende konnte Labrador-Hündin Luna nur noch mit Hilfe stehen.

Am Ende konnte Labrador-Hündin Luna nur noch mit Hilfe stehen. © Ralf Reinert

Zum anderen fällt die Eingrenzung des Zeitpunkts schwer, weil Rattengift ein tückisches Zeug ist. Die Wirkung tritt oft stark zeitverzögert ein, manchmal erst nach Tagen.

Röntgenaufnahmen, MRT-Untersuchung und Blutanalyse

Als Luna am Sonntag plötzlich nicht mehr die Hinterläufe bewegen kann, fährt Reinert mit ihr zum tierärztlichen Notdienst. Röntgenaufnahmen werden gemacht, der Verdacht lautet auf Bandscheibenvorfall. Montags geht es erneut zum Tierarzt. Der rät zu einer Operation in Duisburg. Dort bringt eine MRT-Untersuchung am Dienstag aber die Erkenntnis: Lunas Bandscheiben sind in Ordnung.

Also nimmt man der Hündin Blut ab. Dabei kommt heraus: Die Blutgerinnung ist gehemmt. Das ist die Hauptwirkung von Rattengift. Heißt im Klartext: Luna ist dabei, innerlich zu verbluten. Ihre Hinterläufe kann sie nicht mehr bewegen, weil eine Bluteinlagerung auf ihr Rückenmark drückt.

So schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen

Tierarzt Dr. Jörg Ehrhardt hat eine Praxis an der Karlstraße in Obercastrop. Er kennt das Problem, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Es komme leider immer wieder vor, dass Hunde Rattengift fressen. In solchen Fällen sei es sehr wichtig, schnell einen Tierarzt aufzusuchen. Schnell heißt: innerhalb von 30 Minuten. Dann könne man den Hund zum Erbrechen bringen - und so verhindern, dass die Wirkstoffe Schaden anrichten.

„Wenn man die Vergiftung rechtzeitig erkennt und aggressiv genug behandelt, stehen die Chancen auf Genesung gut.“
Dr. Jörg Ehrhardt, Tierarzt

Ist der Vergiftungsprozess fortgeschritten, werde den Hunden hochdosiertes Vitamin K als Gegenmittel verabreicht. Auch Blut- oder Plasma-Transfusionen werden in schweren Fällen durchgeführt. „Wenn man die Vergiftung rechtzeitig erkennt und aggressiv genug behandelt, stehen die Chancen auf Genesung gut“, erklärt Jörg Eckhardt. Folgeschäden würden die Tiere in der Regel nicht erleiden.

In Lunas Fall war die Vergiftung am Ende zu schwerwiegend, der entstandene Schaden im Körper des Tieres bereits zu groß. Am Mittwoch konnte der Labrador nur noch mit Hilfe stehen - und mit Mühe und Not sein kleines Geschäft verrichten.

Arztrechnungen in Höhe von 1300 Euro

Neben all der Trauer und dem Schmerz über den Verlust ihres Hundes hat die Tragödie um Luna für Familie Reinert zu allem Überfluss auch noch eine ganz andere, banale Dimension: die Behandlungskosten. „Für Hunde gibt es keine Krankenversicherung. Bis jetzt liegen die Behandlungskosten bereits bei 1300 Euro“, hatte Ralf Reinert noch am Mittwoch erklärt. Seit Donnerstag ist leider klar: Es werden wohl auch noch Bestattungskosten hinzukommen. Doch angesichts des Verlustes des geliebten Familienmitglieds geraten die monetären Einbußen sicherlich zur Nebensache.

Das empfiehlt die Stadt Castrop-Rauxel:
  • Hundebesitzer oder andere Personen, die umherliegende Giftköder (oder Wurststücke, die mit Glasscherben versehen wurden o.ä.) entdecken, können sich direkt an die Polizei wenden.
  • Auch das Kreisveterinäramt oder der Bereich Ordnung und Bürgerservice der Stadtverwaltung sind die richtigen Ansprechpartner.
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