Labradormischling beißt Rentner in beide Beine

rnGericht

Ein Freitagmorgen im Mai. Der 80-Jährige harkt seinen Vorgarten. Da beißt der Labradormischling des Nachbarn zu. In beide Beine. Grobe Fahrlässigkeit heißt es in der Anklage gegen den Halter.

Castrop-Rauxel

, 04.11.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Bissspuren sind bis heute sichtbar“, sagte der geschädigte Rentner vor dem Amstgericht in Castrop-Rauxel aus. Zweimal habe der Hund, so die Schilderung in der Anklageschrift, ihn an diesem Vormittag in die linke Wade gebissen, dann zweimal ins rechte Bein. In die Wade und in den Oberschenkel. Weil der Mann zudem einen Blutverdünner einnehmen muss, dauerte die Heilung lange, platzten die Wunden wieder auf.

Komische Geräusche

Das Herrchen des Hundes saß jetzt auf der Anklagebank. Ein 75-jähriger Rentner. Er sei mit dem Hund im Haus gewesen, als das Tier aufstand und hinausging. „Der will trinken“, habe er gedacht. Doch die Geräusche, die er dann vernahm, hätten sich nicht nach dem Wassernapf angehört.

„Als ich nachsah, stellte ich fest, dass die Haustür einen Spalt aufstand und mein Hund draußen war“, schilderte er. Nachdem er das Tier wieder ins Haus gerufen hatte, sei er zum Nachbarn gegangen.

Das bestätigte der 80-Jährige. „Ja, er hat gefragt, ob sein Hund mich gezwickt habe“, erinnerte er sich. Auch daran, dass der Nachbar nachgeschoben habe: „Dann muss ich mich wohl entschuldigen.“

Entschädigung erhalten

Das war dem Geschädigten zu wenig. Er erstattete Anzeige und machte über seinen Anwalt eine Entschädigung geltend.

Die ist inzwischen auch geflossen. 1000 Euro Schmerzensgeld und 165 Euro obendrauf für Verbandmaterial und sonstige medizinische Notwendigkeiten.

„Eine stolze Summe“, fand der Richter und meinte, dass er bei seiner Aktendurchsicht sehr wohl an ein Schmerzensgeld gedacht, es aber niedriger angesetzt hätte.

Auch der Verteidiger des Angeklagten plauderte über seine Vorbereitungen. Und verriet ein paar Details, die nicht zum angeklagten Vorfall gehörten, aber das nachbarschaftliche Verhältnis beleuchteten.

Noch andere Streitigkeiten

Kletterpflanzen sei das Stichwort, an dem sich die Gemüter zudem erhitzen würden. Während der Anwalt schilderte, dass die Pflanzen vom Nachbarn über den Zaun und an einem Baum im Garten seines Mandanten wieder hochwucherten, sagte der Zeuge, das Zeug gehöre doch dem Angeklagten. Und sei im Übrigen weg.

Vom Tisch ist auch die aktuelle Anklage. Der Strafrichter stellte das Verfahren in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wegen Geringfügigkeit ein. Dennoch hat es dauerhafte Folgen auch für den Hund.

Der Labradormischling darf nach einer Wesensprüfung, wo er zwar alle Tests mit Bravour bestanden haben soll, so der Angeklagte, nur noch mit Leine und Maulkorb nach draußen. Wohl eine gute Vorsichtsmaßnahme, denn der Hund ist groß und kräftig, wie sein Halter bestätigte.

Lesen Sie jetzt