„Immer mehr Fälle“: Feuerwehrmann hat die Nase voll von Ausrastern am Einsatzort

rnBrandeinsatz Lange Straße

Nach dem Vorfall an der Langen Straße, bei dem ein Auto über die Ausrüstung der Feuerwehr fuhr, ist die Debatte um Respekt vor Rettungskräften entflammt. Ein Castrop-Rauxeler geht dagegen vor.

Habinghorst

, 30.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas Jedamzik kommt aus Castrop-Rauxel. Er arbeitet hauptberuflich bei der Feuerwehr in Dortmund, ist engagiert bei der Freiwilligen Feuerwehr in Herne und 1. stellertretender Landesvorsitzender der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft NRW. Ihn ärgert maßlos, was am Samstagabend (26.10.) in Habinghorst geschah.

Respekt-Kampagne startete 2016

Er kennt weitere solcher Fälle, die auch just in diesen Tagen vor sich gingen. Und er initiierte schon 2016 daraus eine Kampagne, die bei Facebook große Reichweiten erzielt.

„Wir hatten ja jetzt wieder zwei solcher Vorfälle in kurzer Zeit“, sagt Jedamzik im Gespräch mit unserer Redaktion: „In Herne gab es den Versuch, einen Rettungswagen zu stehlen“, erzählt er.

„Der Fahrer war gerade dabei, Geräte für den Abtransport vorzubereiten. Als er vorne in den Wagen einsteigen wollte, saß ein 19-Jähriger auf dem Fahrersitz und wollte gerade mit dem Wagen losfahren.“

Autofahrer fuhr über Austüstung der Feuerwehr

Kaum zu glauben, wenn man diesen Vorfall hört und liest – aber ebenso real wie die Geschichte, die sich in Habinghorst zutrug: Ein Autofahrer fuhr beim Ausparken über die Ausrüstung, die die Feuerwehr direkt am Auto zum Einpacken abgelegt hatte. Eher versehentlich in der Dunkelheit, aber dennoch ärgerlich: Man rechnet mit einem beträchtlichen Schaden an den Spezialgeräten.

Nun machte im Nachgang der Beifahrer des Autos der Feuerwehr den Vorwurf, einen Fehler gemacht zu haben – und diesen nun dem Autofahrer in die Schuhe schieben zu wollen. Es kam zu einer lautstarken Auseinandersetzung, zu der auch die Polizei hinzugerufen wurde. Die ermittelt nun und wird die Streithähne noch vernehmen.

„Genauso ein Fall“

Jedamzik sagt nun: „Ich war bei dem Fall selber nicht vor Ort. Aber das ist ja genau so ein Fall, warum wir 2016 diese Kampagne ins Leben gerufen haben.“ Er verweist dabei auf „Respekt?! Ja bitte!“

Das ist eine Facebookseite mit inzwischen 15.000 Fans, auf der er mit anderen Kollegen der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachverhalte postet, die diesem gleichkommen, und mit Bildern und Statements wirbt für mehr Respekt gegenüber Rettungskräften.

„Ich habe von Kollegen immer mehr von solchen Fällen gehört. Darum haben wir die Videoclips gedreht, auch um darzustellen, dass Retter bei der Arbeit von Unbeteiligten zum Teil so schwer verletzt wurden, dass sie dienstunfähig wurden“, erzählt Jedamzik. Am 11. November seien er und seine Mitstreiter ins NRW-Innenministerium eingeladen.

„Andere Kampagnen sind meist gefloppt“

Das Ziel sei, eine große Reichweite zu erzielen. „Es gab schon viele solcher Kampagnen, aber die sind meist gefloppt. Bei uns explodiert das gerade von den Zugriffszahlen her.“

Mit Pöbeleien wie in Habinghorst fange es an. Ruckzuck fliege die Faust oder ein Gegenstand. „Ich bin seit 13 Jahren in der Dortmunder Nordstadt im Einsatz. Früher wurde nur geschrien, heute wird immer häufiger auch etwas geworfen“, so Jedamzik.

Fachkräftemangel kommt noch hinzu

Man wolle auch bald in die Schulen gehen, um der Jugend klarzumachen: Wir haben Mangel an Personal, absoluten Fachkräftemangel. Jedamzik: „Im Herbst gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Pension. In Dortmund sind das in drei Jahren rund 200 Leute – von derzeit rund 1000 Mitarbeitern. Wir haben aber schon 154.000 Überstunden aufgebaut. Ich weiß nicht, wie man das noch handlen will: Wie soll man so viele ausbilden?“

Die Kampagne, die er mit anstieß, wirbt um Respekt gegenüber Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Ursprung war ein Kurzfilm, der 2016 starkes öffentliches Interesse hervorrief.

Man hindert Retter daran, ihre Arbeit zu leisten

Darin berichteten Einsatzkräfte von Angriffen auf sich selbst und zeigten die Folge dieses Verhaltens auf: Man hindert die Retter daran, ihre Arbeit zu leisten, und gefährdet so das Leben anderer Menschen.

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