Leben mit Coronavirus: Infizierte Castrop-Rauxelerin (39) berichtet

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Eine 39-jährige Castrop-Rauxelerin verbrachte zwei Wochen in Quarantäne, sie hatte das Coronavirus. Nach dem Ende der Isolation sollte sie direkt wieder im Krankenhaus arbeiten.

Castrop-Rauxel

, 31.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sollte ein schöner Ischgl-Urlaub mit einer Freundin (33) aus dem Elsass werden, doch Andrea K. (39), die aus beruflichen Gründen lieber anonym bleiben möchte, kehrte mit dem Coronavirus zurück.

Sie seien öfters in dem österreichischen Skiort, so wie nun auch Anfang März. „Wir kennen dort Land und Leute und hatten dementsprechend auch Kontakt zu vielen Menschen“, sagt Andrea K.

Durchfall, Haut- und Gliederschmerzen, Husten und Atemnot

Das Thema Coronavirus hätten sie mitbekommen. Am 7. März in Ischgl angekommen, wollten sie aber einfach einen schönen Urlaub verbringen. Das ging aber nur bis 11. März gut. „Es fing dann mit Durchfall an. Den hatten wir zunächst noch auf das Wasser geschoben, wie man das eben mal so macht“, sagt die 39-Jährige, die weiter ausführt: „Dann kamen aber Haut- und Gliederschmerzen dazu, zudem Husten und Atemnot. Ich konnte ohne Ibuprofen fast gar nichts mehr machen.“

Ihrer Freundin ging es ebenfalls nicht gut, sie hatte zudem noch Fieber. Doch die beiden Frauen blieben vor Ort, bis am Freitag (13.) die österreichische Bundesregierung Ischgl und das Paznauntal zum Risikogebiet erklärte. „Wir sind in einer Hau-Ruck-Aktion ins Auto und haben den Ort verlassen, bevor alles evakuiert wurde“, sagt Andrea K.

Freundin ging es schlechter, der Test fiel aber negativ aus

Auf dem Weg nach Deutschland erfuhren sie dann von Freunden, die ebenfalls in Ischgl waren, dass diese positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Auf dem Weg in die Heimat hielten sie am Uniklinikum Ulm und ließen sich ebenfalls testen.

Bei einem Skiurlaub in Ischgl hat sich eine Castrop-Rauxelerin mit dem Coronavirus infiziert.

Bei einem Skiurlaub in Ischgl hat sich eine Castrop-Rauxelerin mit dem Coronavirus infiziert. © privat

Das Ergebnis: Die Castrop-Rauxelerin hatte das Coronavirus, ihre Freundin nicht - obwohl es ihr mit 39,8 Grad Fieber deutlich schlechter ging. Erst vier Tage später folgte bei ihr auch ein positiver Test. Sie sollten sich aber beide umgehend nach der Heimkehr in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Doch nun gab es ein Problem: Eigentlich gab es in den heimischen vier Wänden keine optimalen Bedingungen für eine Isolation der 39-jährigen Castrop-Rauxelerin. „Mein Mann hat eine Vorerkrankung, zudem haben wir eine zwölfjährige Tochter“, sagt Andrea K.

Mann errichtete einen eigenen Bereich im Haus für Andrea K.

Aber ihr Mann handelte blitzschnell: Er zog eine provisorische Mauer im Haus, sodass Andrea K. ein eigenes Zimmer und Bad hatte sowie ein Fenster hinaus zum Garten. Auch aus Eigenschutz: Ihr Mann war zwar nicht positiv getestet, sollte sich aber dennoch vorsorglich auch in Quarantäne begeben.

„Jeden Morgen kam dann eine WhatsApp-Nachricht mit der Frage, was ich frühstücken möchte“, sagt die 39-Jährige. Das Essen wurde ihr von draußen aus Richtung Garten vor das Fenster gestellt. Die Lebensmittel bekam die Familie von Nachbarn und Freunden geliefert, die diese dann vor der Haustür abstellten und anklingelten.

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Auch wenn sich die erste Woche nach der Rückkehr aus Ischgl schwierig gestaltete: „Ich konnte quasi gar nichts essen. Das Coronavirus sorgte dafür, dass ich keinen Geschmack mehr hatte, alles fühlte sich wie Brei im Mund an“, sagt die Castrop-Rauxelerin.

Auf einem Luftbett schlief sie fortan zwei Wochen lang, in der ersten Woche der Quarantäne machte sie 39-Jährige aufgrund der Symptome auch fast nichts anderes als schlafen. Dann ging es ihr langsam besser. Sie telefonierte viel mit Freunden oder ihren Eltern.

Tochter von Andrea K. vermisste ihre Mutter

Doch noch mehr als die Symptome machte ihr eine andere Sache zu schaffen. „Ich war im Urlaub und dann zwei Wochen in Quarantäne. Meine Tochter sagte irgendwann: ‚Mama, du wolltest doch nur eine Woche weg sein und jetzt kann ich immer noch nicht zu dir.‘ Es war das Schlimmste, meine Tochter nicht in den Arm nehmen zu können“, so Andrea.

Das Gesundheitsamt hielt den Kontakt zu der Infizierten und meldete sich am Sonntag (29.) zum letzten Mal mit einer positiven Nachricht: Die zweiwöchige Quarantäne ist aufgehoben. „Die infizierte Person wird gefragt, wie sie sich fühle. Ist die Antwort positiv, kann sie die Isolation verlassen“, sagt der Kreissprecher Jochem Manz stellvertretend für das Kreis-Gesundheitsamt.

Als Krankenhaus-Mitarbeiterin kann sie nicht sofort wieder arbeiten

Doch wohl fühlte sich Andrea mit dieser Nachricht nicht. „Kann ich denn zu 100 Prozent sicher sein, dass ich niemanden anstecke? Das Gesundheitsamt sagte mir, ich kann ab Montag wieder ganz normal rausgehen und auch arbeiten“, so Andrea K.

Kreissprecher Jochem Manz bestätigte, dass das der übliche Vorgang sei. Nur die Aussage, dass Andrea K. als Krankenhaus-Mitarbeiterin sofort wieder arbeiten könne, sei nicht richtig. Dabei gelten laut Manz nämlich die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Und die besagen: Medizinisches Personal dürfe erst wieder in den Job einsteigen, wenn es in den vergangenen 48 Stunden symptomfrei gewesen sei und zwei negative Coronavirus-Tests innerhalb von 24 Stunden absolviere.

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„Das wurde mir leider nicht so mitgeteilt. Die zwei Tests werde ich definitiv absolvieren, bevor ich wieder in meinen Beruf einsteige. Dann habe ich auch ein reines Gewissen, dass ich niemanden mehr anstecken kann“, sagt die Castrop-Rauxelerin. Kontrolltests nach dem Ende der Quarantäne gebe es nämlich nicht.

Den Urlaub in Ischgl bereue sie nicht, doch nun freue sie sich vor allem auf eine Sache: „Meine Familie und ganz besonders meine Tochter wieder in den Arm nehmen zu können.“

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