Letzte Schicht ist vorbei: Kult-Polizist Bernhard Steingaß im Ruhestand

rnBezirksbeamter in Castrop-Rauxel

Bernhard Steingaß war jahrelang Bezirksbeamter in Castrop-Rauxel. Nun ist er im Ruhestand. Im Gespräch erzählt er von traurigen Momenten und einer völlig missglückten Hilfsaktion.

Castrop-Rauxel

, 14.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Straßen von Castrop-Rauxel waren sein Revier. Als zuständiger Beamter für die Bezirke Altstadt, Behringhausen und anfangs auch noch Henrichenburg ist der heute 61-Jährige vielen Castrop-Rauxelern ein Begriff. Doch mit seinem Dienst ist jetzt Schluss. Bereits im Frühjahr beendete Steingaß seine Polizeiarbeit.

Neben Begegnungen mit Politikern wie Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher erinnert er sich im Rückblick vor allem an eine traurige Begebenheit und einen Fall, der es wohl in jede TV-Show geschafft hätte.

Seit 2007 im Bezirksdienst

Lediglich eine Bewerbung habe er in seinem Leben schreiben müssen, erzählt Bernhard Steingaß. Noch während er das Albert-Einstein-Gymnasium in Bochum besuchte, sei in ihm der Wunsch gereift, bei der Polizei anzufangen. „Nach einer Berufsberatung und einem Besuch bei einem Einstellungsberater der Polizei in Bochum habe ich mich beworben und den Einstellungstest dann auch bestanden“, so Steingaß.

Polizeihauptkommissar Bernhard Steingaß war seit 1992 in Castrop-Rauxel im Einsatz.

Polizeihauptkommissar Bernhard Steingaß war seit 1992 in Castrop-Rauxel im Einsatz. © Karim Laouari

Nach der Ausbildung in Bochum ging es nach Bonn zur Landeseinsatzhundertschaft. Ein Dienst mit außergewöhnlichen Gelegenheiten: „Ich konnte während dieser Zeit unter anderem Gespräche mit Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher führen, ehe meine Familie und ich uns entschieden haben, nach Castrop-Rauxel zu ziehen“, erklärt der einstige Polizeihauptkommissar.

Für Steingaß war das der Beginn seiner polizeilichen Laufbahn in der Europastadt. Nach der Versetzung 1992 und der anfänglichen Arbeit im Wach- und Wechseldienst war er von 1996 bis 2004 als Jugendkontaktbeamter tätig, bevor es über das Ressort Drogen- und Straßenkriminalität 2007 zum Bezirksdienst ging.

Zwei Einsätze sind im Gedächtnis geblieben

In dieser Zeit verstand sich der gebürtige Bochumer insbesondere als „Ansprechpartner für die in meinem Bezirk lebenden Menschen“. Die Vollstreckung von Haftbefehlen und Sondereinsätze bei Fußballspielen gehörten ebenso zu seinem Aufgabenbereich wie der stetige Kontakt zu Schulen, Kindergärten und sozialen Einrichtungen.

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Zwei Fälle sind Steingaß in all den Jahren als Polizeibeamter allerdings besonders im Kopf geblieben. Mindestens einen der beiden wird er wohl nie vergessen: „Als junger Polizeibeamter musste ich an einem Karfreitag einem Elternpaar sagen, dass ihr Sohn und die Oma bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Die Eltern waren gerade dabei, den Tisch für das Osteressen zu decken. Dieser Einsatz hat sehr lange nachgewirkt“, so der dreifache Familienvater.

Auf der anderen Seite ist allerdings auch ein Fall im Gedächtnis geblieben, der an Kuriosität kaum zu überbieten ist. Während einer Nachtschicht habe er einem alkoholisierten Mann beim Aufschließen seiner Wohnung helfen wollen. Laut Steingaß hatte sich der Schlüssel im Türschloss verhakt.

Großer Fan des VfL Bochum

„Irgendwann hat der Herr meinen Kollegen und mich gebeten, die Tür für ihn einzudrücken. Im Anschluss stellte sich allerdings heraus, dass es sich gar nicht um die Wohnung des Mannes handelte.“ Ein Nachbar erklärte den Beamten anschließend, dass sich die Wohnung des Mannes auf der anderen Seite des Hausflures befand.

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Erinnerungen, die wohl noch lange Bestand haben. Dazu gehören auch einschneidende Veränderungen, die Steingaß in den vergangenen Jahrzehnten im Polizeidienst miterlebt hat: Ende der 1970er-Jahre sei den Beamten beispielsweise noch mit „richtiger Unterwürfigkeit“ begegnet worden. „Heute ist das Verhalten teilweise wirklich respektlos. Da hat man mittlerweile viel erlebt.“

Für seinen Ruhestand hat der Fußballfan deshalb ruhigere Pläne gefasst: „Ich habe eine große Familie, für die ich jetzt mehr Zeit haben werde. Und ich hoffe, dass ich in Zukunft wieder häufiger beim VfL Bochum im Stadion zu Gast sein kann.“ Möglichst bald auch wieder in der Bundesliga.

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