Samstag ist AfD-Parteitag in Marl. Firma Stolzenhoff weist Vorwürfe zurück, sie würde Essen liefern, spricht von Geschäftsschädigung: „Wir wollen mit der AfD nicht in Verbindung gebracht werden.“

Castrop-Rauxel

, 16.01.2020, 19:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

Große Aufregung gibt es vor dem AfD-Landesparteitag am Samstag (18.1.) in Marl-Sinsen. Nicht wegen der möglicherweise markigen Botschaften, sondern darum, wer dafür sorgt, dass die Politiker etwas auf die Gabel bekommen.

Die Drähte dafür sollten am Castrop-Rauxeler Stadtmittelpunkt zusammen laufen. So lautet ein sich hartnäckig haltendes Gerücht, untermauert durch einen Beitrag in der Facebook-Gruppe „Du bist Castroper, wenn“. Das weist nicht nur auf eine Demo am Samstag hin, sondern expressis verbis auf die „Stolzenhoff Catering Company“, die wie das Eventzentrum.NRW die AfD „beherberge“. Verbreitet wurde das von Marcus Liedschulte, Chef des Kreisverbands Recklinghausen von „Die Partei“.

Marcus Liedschulte von „Die Partei“.

Marcus Liedschulte von „Die Partei“. © Christian Püls

Der Castrop-Rauxeler, schon vor Urzeiten mit der Antifa unterwegs, Ex-Gastwirt verschiedener Kult-Kneipen in Castrop-Rauxel und Hundetrainer, hat das vor einigen Tagen ins Netz gestellt.

„Wir haben mit dem Parteitag der AfD rein gar nichts zu tun“

Was aber ist dran an einer möglichen Verbindung des Eventzentrums, Stolzenhoff vom Europaplatz und der AfD? Geschäftsführer Dennis Stolzenhoff sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir haben mit dem Parteitag der AfD rein gar nichts zu tun.“

Das Eventzentrum würde nicht mit dem Catering-Service beliefert oder sonstwie versorgt. Auch aus seiner Einstellung macht er keinen Hehl: „Wir wollen mit der AfD nicht in Verbindung gebracht werden.“ Das sei nicht böse gemeint, aber den Politik-Stil mancher ihrer Vertreter wolle man nicht unterstützen.

Alles nur ein großes Missverständnis?

Stolzenhoff habe, so sagt er am Dienstag auf Anfrage, Liedschulte angeschrieben und ihn aufgefordert, den Post zu löschen. Dann habe man ein bisschen hin und her getextet, schließlich habe Stolzenhoff auch ein Gespräch angeboten, aber Liedschulte habe nicht mehr geantwortet.

Dem Vorwurf widerspricht Liedschulte im Gespräch mit unserer Redaktion energisch. Er sagt, die Anfrage an Stolzenhoff per E-Mail sei vom 3. Januar gewesen. Und ein Teil der Kommunikation überdies öffentlich auf Facebook einsehbar. „Stolzenhoff hat dann nicht mehr geantwortet“, so Liedschulte.

Stolzenhoff vielfältig gesellschaftlich engagiert

Stolzenhoff Catering ist in Castrop-Rauxel vielfältig engagiert beim Weihnachtsessen für Bedürftige, der Bürgerstiftung Emscher-Lippe, beim geplanten Kinderhospiz Sonnenherz an der Stadtgrenze in Westrich und anderen Projekten für das Gemeinwohl. Dass diese Firma überhaupt mit dem Eventzentrum im Marl in Verbindung gebracht wird, erklärt Dennis Stolzenhoff mit dessen Anfrage, als die Location in Marl umgebaut worden sei. Man habe zunächst wohlwollend auf die Anfrage reagiert, aber seit mehr als einem Jahr nichts mehr damit zu tun gehabt. Und auch keine Aufträge abgewickelt.

Zwischen der Stadthalle und der Europahalle befindet sich eine Gastronomie Stolzenhoff, die wie in den Hallen selbst hier das Catering übernimmt.

Zwischen der Stadthalle und der Europahalle befindet sich eine Gastronomie Stolzenhoff, die wie in den Hallen selbst hier das Catering übernimmt. © Tobias Weckenbrock

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir ein persönliches Gespräch in dieser Sache mit Liedschulte geführt hätten“, sagt Stolzenhoff. Schließlich sei hier auch eine mögliche Geschäftsschädigung ein Thema, weshalb er sich rechtliche Schritte vorbehalte. Also unterm Strich nur ein Missverständnis zwischen den Protagonisten von „Die Partei“ und dem Caterer, der seit knapp 20 Jahren eine große Erfolgsgeschichte vom Castrop-Rauxeler Stadtmittelpunkt aus schreibt?

DGB stellt sich dem „Vormarsch der extremen Rechten entgegen“

Diese Gemengelage dürfte die große Schar, die zur Kundgebung beim Landesparteitag der AfD aufruft, nur am Rande betreffen. Einen großen Bahnhof wird es am Samstag in Marl-Sinsen ohnehin geben. Geplant ist unter anderem eine Großkundgebung vor dem Eventzentrum.NRW, zu der viele Gruppen, Parteien und Verbände aufrufen.

Mit dabei ist auch der DGB Emscher-Lippe, der vor dem Hintergrund des Landesparteitags der AfD einen Aufruf gegen Rassismus gestartet hat, dem sich der DGB Castrop-Rauxel angeschlossen hat. Aber dazu später mehr.

Die Castrop-Rauxeler DGB-Chefin Sabine Seibel sagt: „Wo immer sich der braune Mob zusammenrottet, werden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter da sein, und sich ihm entgegenstellen.“

Im „Aufruf gegen Rassismus“ der Gewerkschafter aus der Region Emscher-Lippe heißt es unter anderem: „Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften stellen sich dem Vormarsch der extremen Rechten entgegen. Gemeinsam mit vielen Partner*innen stehen wir für eine Gesellschaft ein, in der alle Menschen, unabhängig von Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft und sozialem Status ohne Angst und Unsicherheit leben können.“

Die Demo am Samstag, 18. Januar, beginnt um 8.30 Uhr neben der Veranstaltungshalle auf dem Park&Ride-Parkplatz am Bahnhof an der Gräwenkolkstraße in Marl-Sinsen.

Grundsätzlich dürfte es einmal mehr um eine Gratwanderung gehen: Die AfD sitzt dank ihrer Wahlergebnisse im Bundestag, in mehreren Länderparlamenten, konnte bei der Europawahl auch in Castrop-Rauxel zweistellige Ergebnisse einfahren, besonders in Habinghorst und Ickern. Aber ihr rechter Flügel steht beim Bundesverfassungsschutz unter Extremismus-Verdacht.

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