Linke wollen Bus-Ticket für alle in Castrop-Rauxel – zahlen sollen die Bürger

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Kostenfreier Nahverkehr, 365-Euro-Ticket oder den Nahverkehr über eine Umlage finanzieren? Letzteres haben die Linken in der Ratssitzung beantragt. Und bekamen Gegenwind.

Castrop-Rauxel

, 04.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der öffentliche Nahverkehr in Castrop-Rauxel soll zukünftig umlagefinanziert werden. Bürgerticket nennt sich der Vorschlag, den die Partei Die Linke jetzt in den Rat eingebracht hat.

Alle Bürger sollen ein VRR-Ticket der höchsten Preisstufe erhalten und sozial gestaffelt bezahlen. Die Kosten für den Einzelnen blieben dabei „weit unter den heutigen Preisen für Monatskarten“.

Laufende Kosten über Umlage finanzieren

Laufende Kosten dieses Modellprojekts würden über die Umlage finanziert. Bund und Land sollen als Geldgeber mit ins Boot. Auch, um mit Investitionen die Verkehrsflotte und Infrastruktur des ÖPNV zu verbessern.

Die Wende für einen klimafreundlichen Verkehrssektor in Castrop-Rauxel soll so eingeleitet werden.

Klar ist, dass dringend Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr her müssen. Gerade in der Preisstruktur. Zum 1. Januar 2020 hebt der VRR seine Preise erneut an. Insgesamt um 1,8 Prozent. Schwerpunkt liegt auf den Monats- und Vierer-Tickets.

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Kreis muss 20 Millionen Euro pro Jahr zuschießen

Trotzdem bleibt die Finanzierung von Bus und Bahn ein Zuschussgeschäft. 2019 muss der Kreis für den Betrieb der Vestischen 20 Millionen Euro dazugeben, wie SPD-Verkehrsexperte und Kreistagsmitglied Bernd Goerke auf die Anfrage der Linken im Rat entgegnet.

Inwiefern sich das bessern würde, wenn das Geld stattdessen aus einer Umlagefinanzierung käme, bleibt unklar. Konkrete Zahlen nennt der Antrag der Linksfraktion nicht.

Kostenloser Nahverkehr nicht finanzierbar

Würde man Bus und Bahn kostenlos zur Verfügung stellen, wie im Eifel-Städtchen Monheim geplant, müsste der Kreis laut Goerke auf einen Schlag 50 Millionen Euro mehr aufbringen. Allein für das Angebot der Vestischen.

Betrachtungen für Bogestra, DSW21 und HCR, die in Castrop-Rauxel ebenfalls unterwegs sind, gibt es nicht. Britta Heydenbluth, Sprecherin der Dortmunder Stadtwerke DSW21, bezifferte in einem Interview zum Thema kostenloser Nahverkehr in Dortmund den potenziellen Ausfall bei Einahmen über Ticketpreise auf etwa 100 Millionen Euro.

Einer Einführung des 365-Euro-Tickets, nach Wiener Vorbild, gibt der VRR eine klare Absage. Es drohten Verluste von 450 Millionen Euro bei verbundweiter Gültigkeit.

Infrastruktur und Angebot verbessern

In der Ratssitzung stellte Bernd Goerke: „Es muss Geld für den Ausbau von Infrastruktur und Angebot in die Hand genommen werden, bevor die Fahrpreise fallen können.“

Spätestens da wird es für Castrop-Rauxel schwer. Denn der Nahverkehr zählt als „freiwillige Ausgabe“. Geld, das die Stadt im Stärkungspakt nicht ausgeben kann.

Fraglich sei, ob man das System kommunal überhaupt umgesetzt bekomme, so Bert Wagner von den Grünen. Der Rat hat den Antrag mehrheitlich abgelehnt.

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