LKW-Fahrer hat keinen Führerschein und keinen Job

rnGericht

Er ist 58 Jahre alt und fährt LKW. Sein ganzes Berufsleben lang. „Er kann nur LKW fahren, als Einziges“, sagt sein Pflichtverteidiger. Denn der Trucker stand vor Gericht. Mal wieder.

Castrop-Rauxel

, 01.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Mann aus Castrop-Rauxel hat ein großes Problem: Er besitzt keinen gültigen Führerschein. Und derzeit auch keinen Job.

Den „echten“ Führerschein musste er schon vor längerer Zeit abgeben. Doch die Familie musste weiterhin versorgt werden. So fuhr der Mann fortan ohne Führerschein – und fiel mehrfach auf. Das Fahren ohne Führerschein wurde von Gerichten schon mehrfach geahndet, mit Geldstrafen und zuletzt mit einer Bewährungsstrafe.

Papiere auf dem Schwarzmarkt gekauft

Der Angeklagte suchte einen Ausweg aus dem Dilemma und riss sich noch tiefer in den Schlamassel. Er kaufte sich die Papiere auf dem Schwarzmarkt. Für 750 Euro. Er habe dazu nur ein Passfoto per Whatsapp übermitteln müssen. Danach seien ihm ein Führerschein so wie ein Reisepass mit seinem Konterfei übermittelt worden.

Fortan war der gebürtige Türke, wenn er im LKW saß, als Bulgare auf Tour. Bis ihn am 1. Oktober 2018, exakt um 10.01 Uhr, Polizeibeamte kurz vor Ochtrup stoppten, weil er etwas zu schnell unterwegs war.

„Der Führerschein sah komisch aus“

„Eigentlich nichts Wildes“, sagte einer der beiden Polizisten im Zeugenstand aus. Bis sie die Papiere in Händen hielten. „Der Führerschein sah irgendwie komisch aus, im Sonnenlicht sah man nix, kein Hologramm, kein Farbenspiel.“ Deshalb hätte man genauer hingeschaut und die Fälschung schnell erkannt. Auch den Reisepass des Fahrers, der sich als Bulgare ausgab, wurde als falsch identifiziert. Auf Nachfrage bei der Behörde erfuhren sie zudem, dass kein Führerschein auf den aufgeführten Namen registriert war. Zeit für den Angeklagten, seine wahre Identität preiszugeben, sonst hätte unverzüglich eine Untersuchungshaft gedroht.

Und nun, Monate später, das Gerichtsverfahren. „Er hat das Risiko verkannt“, sagte sein Verteidiger, sprach von Kavaliersdelikt. Denn eine MPU, eine medizinisch-psychologische Untersuchung, wie es für den Neuerwerb einer Fahrerlaubnis Voraussetzung ist, sei für seinen Mandanten eine riesige Hürde. Doch Staatsanwältin und Richter sahen das anders. Trotz des Geständnisses erachteten sie die Sozialprognose nicht als positiv. Weil der 58-Jährige sowohl Wiederholungstäter wie auch Bewährungsversager sei. Weder Geld- noch die drohende Haftstrafe hätten eine abschreckende Wirkung gezeigt. So lautete das Urteil: Zehn Monate Haft ohne Bewährung.

Eine kleine Kuriosität am Rande: Dem Richter war der bulgarische Name auf den Papieren aus einem anderen Verfahren bereits bekannt. Dem unbekannten Fälscher scheint es in dieser Hinsicht an Kreativität zu mangeln.

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