Lkw-Fahrer muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten

rnGerichtsprozess

Eine regnerische Nacht im August hatte verheerende Folgen. Bei einem Unfall auf der A42 starb ein Autofahrer. Der Lkw-Fahrer, der das Auto rammte, steht jetzt vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 15.12.2018, 06:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

In seiner Urteilsbegründung bedankte sich der Richter des Amtsgerichts am Freitag für die sachliche und taktvolle Sitzung. Denn der Anlass zählte zu den schlimmsten, die er in seiner mehr als 16-jährigen Laufbahn zu verhandeln hatte: eine fahrlässige Tötung, ein tödlicher Unfall auf der A42 im Sommer 2017.

In der verregneten Sommernacht war kurz nach Mitternacht zunächst ein kleiner Peugeot mit der Leitplanke kollidiert, hatte sich gedreht und war schließlich mit einer völlig zerfetzten Front auf der Fahrbahn liegen geblieben. Das Fiasko folgte Sekunden später, als ein 40-Tonner ungebremst auffuhr und den Kleinwagen rund 250 Meter vor sich her schob. Der 47-jährige Peugeot-Fahrer starb noch an der Unfallstelle – trotz aller Wiederbelebungsversuche.

Psychologische Hilfe

Der 37-jährige Angeklagte, ein Berufskraftfahrer aus Mannheim, war noch immer, rund 16 Monate nach dem schrecklichen Ereignis, sichtlich gezeichnet, weinte, braucht noch immer psychologische Unterstützung.

Sein Lkw habe ein akustisches Signal abgesetzt, das aber sofort wieder verstummte – wie schon häufiger. Fehlalarme sind nicht selten, das bestätigte auch später der Sachverständige.

„Ich habe auf der Fahrbahn absolut nichts gesehen“, sagte der Angeklagte. Er sei weitergefahren, mit 90 Kilometern pro Stunde, und da habe es unvermittelt geknallt. „Irgendeinen Gegenstand“ habe er vermutet. Als er dann abbremste, zum Halten kam und ausstieg, erlitt er einen Schock.

Auf Sicht fahren

Ein Sachverständiger war noch in derselben Nacht vor Ort. Im Gericht schilderte er seine umfangreichen Untersuchungen. Ein Ergebnis: Wäre der 37-Jährige auf Sicht gefahren, hätte er womöglich den verunglückten Pkw gesehen und rechtzeitig abbremsen können. Doch er war mit 90 Km/h, und damit 10 Km/h schneller als erlaubt, unterwegs. Das Fahren auf Sicht, obwohl Verkehrsregel, sei realitätsfern, da waren sich alle im Gerichtssaal einig. Auch die Tatsache, sich auf die moderne Technik einer eingebauten Signalanlage zu verlassen, sei riskant.

Das Fazit: Mehrere Fehler haben wohl zur Katastrophe geführt. „Ich will den Fahrer deshalb nicht schlachten“, sagte der Anwalt der Opferfamilie, die als Nebenkläger auftrat. Er stelle daher keinen konkreten Antrag zur Strafhöhe. Der Richter verhängte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro, folgte dem Vorschlag des Verteidigers. An der eigentlichen Strafe, mit dem Wissen leben zu müssen, einer Familie den Ehemann und Vater genommen zu haben, trägt der Lkw-Fahrer lebenslang.

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