Mädchen (11) aus Habinghorst missbraucht: Angeklagter bemängelt „unfaire“ Gutachter

rnLandgericht Bochum

Im Prozess um den Missbrauch eines Mädchens aus Habinghorst geht ein Gutachten von der vollen Schuldfähigkeit des Angeklagten aus. Die Verteidigung beklagt: Das Gutachten strotze vor Ignoranz.

Castrop-Rauxel, Bochum

, 15.01.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neue Verteidiger-Offensive im Missbrauchs-Prozess gegen einen Briefzusteller (55) mit Opfern aus Castrop-Rauxel und Umgebung: Die zwei Pflichtverteidiger des Angeklagten aus Datteln haben am Mittwoch (15.1.) am Bochumer Landgericht erneut scharfe Kritik an den psychiatrisch-psychologischen Sachverständigen erkennen lassen.

Das Gutachterduo – Prof. Sabine Nowara und Dr. Egbert Kühn – habe „grundlegende Verfahrensrechte des Angeklagten“ missachtet, indem es externe ärztliche Auskünfte zur Gesundheits-Historie des Briefzustellers gar nicht erst eingeholt beziehungsweise schlicht ignoriert habe, hieß es in Beweis- und Befangenheitsanträgen.

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Obendrein, so die Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff und Matthias Tillmann, strotze das Gutachten vor Fehlern, Verwechslungen und fatalen Schlussfolgerungen.

Weiteres Gutachten unausweichlich?

Die zwei Sachverständigen hätten erkennbar eine parteiische Haltung gegenüber dem Dattelner eingenommen, sodass ein „weiteres Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit durch andere Sachverständige“ unausweichlich sei. Zuvor soll aber in jedem Fall auch noch der Hausarzt des sechsfachen Vaters zur Frage des jahrelangen, regelmäßigen Verordnens von Antidepressiva-Tabletten als Zeuge vernommen werden.

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Ende Dezember 2019 hatte die 8. Jugendschutzkammer einen ersten Befangenheits-Vorstoß der Verteidigung abgelehnt. Der Briefzusteller habe eine mutmaßliche Entgleisung der Rechtspsychologin Sabine Nowara am Rande einer Befragung im Gefängnis („Wissen Sie, mit Kindern sowas geht gar nicht“) nicht ausreichend glaubhaft gemacht hat, hatte das Gericht argumentiert.

Sachverständige empfehlen Sicherungsverwahrung

Das bisherige Gutachten geht von voller Schuldfähigkeit aus und empfiehlt eine Unterbringung des 55-Jährigen in der Sicherungsverwahrung. Wie die Richter die nun nachgebesserten Ablehnungs- und Beweisanträge der Verteidigung einstufen, ließen sie noch offen. Aktuell sind noch vier Verhandlungstage bis zum 19. Februar anberaumt.

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Der Briefzusteller hat in dem am 9. August 2019 gestarteten Prozess gleich zu Beginn zugegeben, neben einem elfjährigen Mädchen aus Habinghorst in Serie Frauen und Kinder bei Übernachtungsbesuchen in seiner Wohnung betäubt, missbraucht und gefilmt zu haben. Während der sexuellen Handlungen soll der 55-Jährige häufig auch mit Messern Verstümmelungen angedeutet haben.

Die Schülerin aus Habinghorst hatte sich nach dem Übernachtungsbesuch Ende 2018 extrem auffällig verhalten, sodass die Eltern mit ihr umgehend in die Kinderklinik gefahren waren. Dort waren im Blut der Elfjährigen massiv erhöhte Werte eines starken Beruhigungsmittels entdeckt worden.

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