So sieht Bibi nicht mehr aus: Profi-Zeichnerin aus Castrop-Rauxel gibt der Hexe ein Manga-Gesicht

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Bibi und Tina sind Geschichte. Die beliebte Hexe Bibi Blocksberg hat jetzt eine japanische Freundin – deutsches Kulturgut im Manga-Style. Dahinter steckt eine Zeichnerin aus Castrop-Rauxel. Die Verwandlung ist enorm.

Castrop-Rauxel

, 16.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Japanerin Hirara Natsume ist professionelle Manga-Zeichnerin. In Japan der Traum vieler Kinder, die mit den Comics aufwachsen. Hirara Natsume hat mit sechs Jahren angefangen, Mangas zu zeichnen. Auf die Uni ist sie nur gegangen, um Zeit zu haben, sie zu zeichnen.

Schließlich gewinnt sie einen Verlags-Wettbewerb und wird als professionelle Manga-Zeichnerin unter Vertrag genommen. Die Liebe zieht Hirara Natsume danach nach Castrop-Rauxel. Ihrer Liebe zu Mangas bleibt sie treu. Jetzt ist ihr erster deutscher Manga erschienen.

In „Bibi & Miyu“ sehen die Leser ein bekanntes Gesicht. Die junge Hexe Bibi Blocksberg bekommt eine neue Mitschülerin: Miyu aus Japan. Die beiden werden Freundinnen, denn genau wie Bibi hat auch Miyu ein Geheimnis.

Hirara Natsume ist professionalle Manga-Zeichnerin aus Castrop-Rauxel. Aus einer handgezeichneten Skizze macht sie schließlich eine Seite in ihrem Manga. Die Skizze ist noch spiegelverkehrt gezeichnet, da Japaner von rechts nach links lesen.

Hirara Natsume ist professionalle Manga-Zeichnerin aus Castrop-Rauxel. Aus einer handgezeichneten Skizze macht sie schließlich eine Seite in ihrem Manga. Die Skizze ist noch spiegelverkehrt gezeichnet, da Japaner von rechts nach links lesen. © Jessica Hauck

Die Geschichten von Bibi Blocksberg kannte Hirara Natsume gar nicht, bevor sie für den Manga engagiert wurde. „Ich wusste nicht, dass Bibi in Deutschland so berühmt ist“, sagt die Castrop-Rauxelerin. Die Hörspiele, die in Deutschland fast jedes Kind kennt, hat Natsume noch nie gehört. Hörspiele kennen japanische Kinder eigentlich nicht, erzählt sie.

„Ich muss Emotionen zeichnen“

Deshalb sei es anfangs schwer gewesen, Bibis Charakter zu greifen und in die Bilder einzubringen. Denn Hirara Natsume ist von einer Autorin für die Zeichnungen engagiert worden. Olivia Vieweg hat ihr Dialoge und einfache Regieanweisungen, ähnlich wie bei einem Theater-Skript, geschickt.

Bibi Blocksberg fliegt in dem Manga „Bibi & Miyu“ nach Japan. Ihr Gesicht weist die typischen Stilelemente der japanischen Comics auf: große Augen, kleine Nase.

Bibi Blocksberg fliegt in dem Manga „Bibi & Miyu“ nach Japan. Ihr Gesicht weist die typischen Stilelemente der japanischen Comics auf: große Augen, kleine Nase. © Tokyopop-Verlag

Bibi Blocksberg fliegt in dem Manga „Bibi & Miyu“ nach Japan. Ihr Gesicht weist die typischen Stilelemente der japanischen Comics auf: große Augen, kleine Nase.

Bibi Blocksberg fliegt in dem Manga „Bibi & Miyu“ nach Japan. Ihr Gesicht weist die typischen Stilelemente der japanischen Comics auf: große Augen, kleine Nase. © Tokyopop-Verlag

Diese Dialoge hat die Manga-Zeichnerin dann mit ihren Bildern zum Leben erweckt. „Ich muss ihre Emotionen zeichnen“, sagt Hirara Natsume. Inzwischen hat sie Bibi gut kennengelernt. Ihr Charakter sei pur, sagt die Zeichnerin, „sie ist sehr optimistisch und mutig“.

Erste Skizze entsteht noch spiegelverkehrt

Hirara Natsume liest die Dialoge und entwickelt daraus die ersten Bilder: Sie zeichnet einen ersten Entwurf, das Storyboard, per Hand auf Papier. Auch die Sprechblasen mit den Dialogen hat sie gezeichnet – allerdings spiegelverkehrt. Weil in Japan von rechts nach links gelesen wird, zeichnet Natsume auch in dieser Richtung. Für die deutschen Sehgewohnheiten wurden die Bilder für den Manga gespiegelt.

Manga

Drei Bände von Bibi & Miyu geplant

  • Bibi & Miyu (Band 1) ist im Tokyopop-Verlag erschienen. Das Buch kostet 8,30 Euro und ist unter anderem in der Castroper Leselust, Münsterstraße 14, erhältlich (ISBN: 978-3-8420-4889-8). Es sind bislang drei Bände der Reihe geplant.
  • Skizzen, Grüße und Leseproben zeigt Hirara Natsume bei Instagram unter hirara_natsume.
  • Hirara Natsume ist einigen Jugendlichen in Castrop-Rauxel bekannt, weil sie Manga-Workshops beim Kulturruckssack gegeben hat.

Ihre ersten Entwürfe bekommt die Autorin der Geschichte zu sehen. Und auch der Verlag, der die Rechte an Bibi Blocksberg hat, muss sein Okay geben. Danach erstellt Hirare Natsume eine Grobskizze am Computer. Dafür nutzt sie ein riesiges Zeichen-Tablet. Damit zeichnet sie auch die fertigen Bilder mit allen Hintergründen und Schattierungen.

Sieben Monate habe es gedauert, bis der Bibi&Miyu-Manga fertig war, sagt Hirara Natsume. „Das ist eigentlich langsam als Manga-Zeichnerin.“ Aber in Deutschland würden die Leute mehr Urlaub machen und hätten mehr Freizeit, auch ihre Kollegen beim Verlag und die Autorin. „Ich finde das gut“, sagt Natsume.

So habe es eben sieben Monate gedauert, bis der Manga im August 2019 erschienen ist. Ihren Mann hat sie kennengelernt, als er in seinem Urlaub durch Japan gereist ist. In dem asiatischen Land haben die Arbeitnehmer kaum Urlaub, sagt die Zeichnerin.

Erste Auflage war schnell ausverkauft

Professionell als Manga-Zechnerin zu arbeiten ist nicht leicht – weder in Japan noch in Deutschland. In Japan gibt es viele, die hauptberuflich Mangas zeichnen wollen. In Deutschland gibt es nur wenige, die sich für diese Kunst interessieren. In Japan helfen sie Kindern, sich für Bücher und das Lesen zu interessieren. Sie selbst habe durch Mangas ihren Wortschatz erweitert, erzählt Natsume.

Bibi Blocksberg findet in Miyu eine neue Freundin und besucht mit ihr Japan – davon handelt der Manga von Hirara Natsume.

Bibi Blocksberg findet in Miyu eine neue Freundin und besucht mit ihr Japan – davon handelt der Manga von Hirara Natsume. © Jessica Hauck

Ihr Bibi-Blocksberg-Manga sei bislang gut angekommen. Die erste Auflage mit 5000 Exemplaren sei nach einer Woche verkauft gewesen. Nicht nur Kinder lesen ihn, auch Erwachsene, die Bibi noch von früher kennen. „Ich glaube, das interessiert die Leute, die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan“, sagt Hirara Natsume, die zurzeit am zweiten Band arbeitet. Auch einen dritten Teil plant der Verlag.

Hirara Natsume hofft, dass durch ihre Manga-Bücher diese Kunst in Deutschland bekannter wird. „Ich hoffe, mehr Menschen finden Zugang zu Mangas.“ Mangas seien nicht nur für Kinder, sie seien wie Romane. Nur eben gezeichnet.

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