Ihr Laden war ihr Leben: Maria Sibbe hielt sich häufig im Hinterzimmer ihres Castrop-Rauxeler Juweliergeschäfts auf, ließ die Türe vorne offen. Das wurde ihr 1984 vermutlich zum Verhängnis.

Castrop-Rauxel

, 21.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Schmuck- und Uhrengeschäft Machens an der Oberen Münsterstraße in der Altstadt war in ganz Castrop-Rauxel bekannt. Ein brutaler Mord an Inhaberin Maria Sibbe erschütterte eine ganze Stadt.

Am 7. September 1984 ereignete sich im Juweliergeschäft ein schreckliches Verbrechen. Die Witwe Maria Sibbe wurde gegen 18 Uhr kaltblütig erstochen. Gegen 21 Uhr entdeckten spielende Kinder die Leiche, als sie zufällig durch das Schaufenster schauten. Maria Sibbe lag tot zwischen Theke und Ladentür.

Juweliergeschäft hat lange Tradition

Der Laden konnte auf eine lange Familientradition zurückblicken. Die 76-jährige Maria Sibbe führte das Juweliergeschäft seit vielen Jahren alleine. Sie hatte es von ihrem Vater Theo Machens übernommen und zunächst mit ihrem Bruder weitergeführt. Als der starb, wurde sie zur alleinigen Chefin.

Auch nach dem Tod ihres Mannes gab sie das Geschäft nicht auf, obwohl der es mit einem Baugeschäft zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht hatte. Es gab aber schon länger Gerüchte, dass sie sich in naher Zukunft zur Ruhe setzen wollte. Neue Ware hatte sie wohl schon länger nicht mehr bestellt. Doch zum wohlverdienten Ruhestand sollte es nie kommen.

Polizei geht von Raubmord aus

„Da Anzeichen für einen Einbruch nicht vorliegen, muss der Mord noch vor Ladenschluss verübt worden sein“, erklärte der zuständige Staatsanwalt Manfred Schümers damals im Gespräch mit der Zeitung. Weil der oder die Täter auch verschiedene Schmuckstücke stahlen, ging die Staatsanwaltschaft von einem Raubmord aus.

Die 76-Jährige soll häufig alleine im Laden gewesen sein. Misstrauen kannte sie nicht. So hielt sie sich oft im Hinterzimmer auf, ließ die Tür zum Laden offen, auch wenn sie alleine war. Die Polizei ging davon aus, dass das auch zum Tatzeitpunkt der Fall war.

Noch in derselben Nacht startete die Mordkommission ihre Ermittlungen. Die Spurensicherung dauerte bis 5 Uhr morgens. Die Polizei suchte im Umfeld des Tatorts nach einer Waffe, wurde aber nicht fündig.

„Wenn jeder mithilft, werden wir auch diesen Mordfall aufklären.“
Staatsanwalt Manfred Schümers

Der damals 34-jährige Sohn der Toten, Wilhelm Sibbe, der in Osnabrück wohnte, bekam noch am selben Abend die traurige Nachricht. Er kam sofort nach Castrop-Rauxel.

Die Polizei hoffte auf die Hilfe von Zeugen. Gesucht wurde vor allem eine 50- bis 60-jährige Frau, die von Zeugen im Gespräch mit der Ladeninhaberin gesehen worden war. Die meldete sich zwar schnell bei der Kripo, konnte aber keine konkreten Hinweise liefern.

Zur Klärung des Verbrechens versprach die Polizei direkt eine Belohnung in Höhe von 3000 Mark. Der Sohn der Ermordeten erhöhte die Belohnung auf 10.000 Mark.

Einbruch in die Privatwohnung

Einige Wochen vor dem grausamen Mord war Maria Sibbe schon Opfer eines Verbrechens geworden. Unbekannte waren in ihre Privatwohnung eingebrochen und hatten dort mehrere Wertgegenstände gestohlen. Nur Zufall? Einen Zusammenhang sah die Polizei nicht.

Weil es nur wenige Hinweise von Zeugen gab, tappten Staatsanwaltschaft und Polizei lange im Dunkeln. Von dem Aufruf hatten sie sich mehr erhofft, weil die Obere Münsterstraße damals noch sehr belebt war. „Einige Kunden des Geschäfts haben sich an uns gewandt“, sagte Staatsanwalt Schümers. Weiterbringen konnte das die Ermittlungen aber nur geringfügig.

Die erste heiße Spur

Nach ein paar Tagen gab es die erste heiße Spur. Eine anonyme Anruferin lieferte einen wichtigen Hinweis. Die Polizei suchte nach ihr, denn sie wollte unbedingt ein zweites Mal mit der Frau sprechen. Sie schien aber verängstigt zu sein.

Die Frau meldete sich tatsächlich noch einmal. Sie hatte kurz vor dem Tatzeitpunkt zwei Männer zwischen 20 und 25 Jahren beobachtet, wie sie das Geschäft von Maria Sibbe betraten. Ein weiteres Puzzlestück für die Kripo.

Drei Wochen lang ermitteln die Dortmunder Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei fieberhaft. Über 50 Hinweisen gehen die Ermittler danach. Einzige Erkenntnis: Es waren wohl zwei Täter, die Maria Sibbe ermordet haben.

Und dann? Die Mordkommission wird nach fünf Wochen aufgelöst. Der Fall wurde bis heute nicht aufgeklärt. Es war der erste unaufgeklärte Mord seit 1969 in Castrop-Rauxel.

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