Maria Vollmer musste ins Gefängnis

Kultur im Knast

Tantra, Tupper und Tequila ist ein breiter Titel für eine Comedy-Show. Kabarettistin Maria Vollmer arbeitete diese Themen und mehr im Knast ab. Das Programm gefiel, aber nicht jedem.

Ickern

, 09.10.2019, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Maria Vollmer musste ins Gefängnis

Maria Vollmer stellte in der Reihe KultiK (Kultur im Knast) ihr neues Programm vor. © Uschi Bläss

„Ich bin ein bisschen aufgeregt“, gab Maria Vollmer auf der Bühne des Castroper Gefängnisses zu. Erst zum zweiten Mal testete die Kabarettistin ihr neues Programm. „Habe einfach einen Tequila getrunken – auf mich! Und noch einen auf‘s Haus und einen weiteren zur Sicherheit.“

Premiere feiert Vollmer am 7. November im Senftöpfchen. Ob ihre Späße ankommen, testete sie im Dienstag im offenen Vollzug der JVA an der Lerchenstraße 81.

Sie erzählte von skurrilen Geschenken zum Geburtstag, etwa ein Stück Seife, das aussieht wie Omas Zahnprothese. Dann beschreibt sie ihr Leben als Bahnkundin: „Das wahre Abenteuer heißt Regionalexpress.“

Vollmer klopft alle möglichen und unmöglichen Themen des Alltags ab

Im Fitness-Studio belegt sie den Kurs „wie reihe ich mich mit meinem Trolley in der S-Bahn“ ein. Sie hadert mit Leuten, die überall ihr Smartphone bedienen. „Ich habe mal 30 Jahre ohne Smartphone gelebt...“ Vollmer fährt sogar mit der Bahn, wenn sie zu Ikea will. Schwierigkeiten gebe es nur bei der Rückfahrt – wenn die Einbauküche in den Linienbus passen soll.

Und wie kam das Programm an? „Ist ganz gut“, bemerkte der noch jugendliche Insasse Frederic. Das Programm sei aber eher was für Leute, die schon älter seien als er selbst. Sandra Abtmeyer und Annika Greb geben Vollmer gute Noten. „Erst dachten wir, die Stimme sei ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber dann kam sie so langsam rein, und wir hatten sehr viel Spaß.“ „Tolles Programm“, sagte Klaus Mönch, „aber es fehlen so’n paar richtige Klopper.“

Sex ab 50

Die lieferte Vollmer nach der Pause. Sex ab 50 – wenn die Gelenke schmerzen. Mit der Beschreibung der gelenkschonenden Seitenstellung oder der Budapester Beinschere unter Anleitung der heiligen Vanessa kam das Publikum in Fahrt.

Mit Zwischenapplaus und Lachsalven wurde Vollmer belohnt. Bewunderung erhielt die an der Musicalschule ausgebildete Kabarettistin für ihre Gesangseinlagen. Gecoverte Songs sang sie mit eigenen Texten. Etwa „I will always love you“ von Whitney Houston „im Ei-i-ei ist ganz viel Cholesteri-hi-hiin“.

Späße über Mutmachzeitungen für Frauen ab 50, viele Lästereien über Tupperware, Alexa, Frauenfußball und George Clooney rundeten das umfangreiche Programm ab.

Ihre Texte schreibt Maria Vollmer selbst

Wie sie sich das alles merken kann? „Das weiß ich selber nicht so genau“, antwortete Vollmer. „Ich stampfe mir den Text nicht auf einmal rein. Vielmehr wird das Programm langsam entwickelt.“ Ihre Texte schreibt Vollmer selbst.

Anita und Franz Strewe hatten die Eintrittskarten beim Gewinnspiel unserer Redaktion gewonnen: „Ein supertoller Abend“, resümierten die beiden. „Maria Vollmer nimmt einen mit. Sie ist sehr lebendig und breit aufgestellt.“

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