Marsch gegen Rassismus - und für Opfer von Paris

Mit Laternen und Fackeln

Mit einer solchen - traurigen - Aktualität angesichts der Attacken von Paris hatten die Beteiligten des Marsches gegen Rassismus nicht gerechnet. Rund 90 Menschen zogen am Sonntagabend mit Laternen und Fackeln durch den Castrop-Rauxeler Stadtteil Habinghorst. Sie wollten ein Zeichen gegen Intoleranz und Extremismus setzen.

HABINGHORST

16.11.2015, 10:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von der Lange Straße führte der Marsch zum Skaterpark. Dann versammelten sich die Teilnehmer trotz andauernden Regens am Baum des Friedens.

Dass keine 48 Stunden vorher die französische Hauptstadt Paris einen islamistischen Terrorakt unfassbaren Ausmaßes erleben musste, verlieh dem Marsch eine weitere Dimension. „Wir lehnen jede Art von Faschismus und Extremismus ab“, machte Organisatorin Michaela Böttcher deutlich. „Ob politisch oder religiös, es kann nicht gut sein.“

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Der Lichtmarsch war vor gut eineinhalb Wochen als Zeichen gegen Rechtsextremismus geplant worden. „Uns war aufgefallen, dass im Stadtgebiet Sticker zu finden sind, die sich mit dem rechten Gedankengut beschäftigen“, so Böttcher.

"Muslime sind nicht an allem Schuld"

„Der Friedensbaum ist seit dem Anschlägen gegen Charlie Hebdo ein festes Zeichen, dass wir nochmals unterstreichen wollten“, betonte Böttcher, die sich gegen Vereinfachungen wehrt: „Muslime sind nicht an allem Schuld.“ Bürgermeister Rajko Kravanja pflichtete ihr bei: „Wir müssen immer wieder aufstehen und dagegenhalten. Für Rassismus ist in unserer Stadt kein Platz.“

Dennoch ist es für Bürger muslimischen Glaubens seit dem Aufkommen des Islamischen Staates (IS) nicht einfacher geworden. „Als ich angefangen habe, mein Kopftuch zu tragen, da wurde ich schon gefragt, ob ich demnächst beim IS mitmache“, erinnerte sich Meliha Ucar an Vorfälle in der Schule. Esmar Yasar pflichtete ihr bei: „Selbst Lehrer haben solche Kommentare abgegeben. Das ist schon sehr traurig.“

"Deutschland ist meine Heimat, nicht die Türkei"

Die beiden waren zusammen mit Zeynep Ay zum Marsch gegen Rassismus gekommen. Hielten Plakate hoch, die die Ungleichheit von Islam und Hass betonen. Sie berichteten von Alltagsrassismus, der sich einzig und allein auf ihr Äußeres – speziell das Kopftuch – stützt. „Hinzu kommen Sprüche wie: ‘Du sprichst aber gut Deutsch.‘ Natürlich tue ich das. Deutschland ist meine Heimat, nicht die Türkei“, sagte Yasar mit Nachdruck.

So war der Marsch gegen Rassismus nicht nur ein Zeichen gegen Rechtsextreme, sondern auch ein Appell an die Offenheit der Bürger. „Wenn man auf die Flüchtlinge zugeht, dann weichen die Zweifel schnell. Sie fliehen vor dem IS, weil sie Mensch sein wollen“, sagte Bürgermeister Kravanja. Ein Leben der offenen Arme sei nun angesagt, um sich gegen die Ressentiments zu wehren.

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