Maskenpflicht in der Fußgängerzone: Skepsis Ja, Verweigerung Nein

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Seit Dienstag gilt in der Castroper Fußgängerzone Maskenpflicht. Ordnungsamtsmitarbeiter kontrollieren sie. Das Bild, das sich ihnen bietet, gleicht einem Puzzle aus fünf Teilen.

Castrop

, 13.10.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

An Masken haben wir uns alle gewöhnt in den vergangenen Monaten. Doch bisher galt die Faustformel: Wenn ich ein Geschäft betrete, setze ich die Maske auf. Komme ich wieder raus, kann ich die Maske wieder absetzen.

Seit Dienstag ist das zumindest in der Fußgängerzone der Castroper Altstadt anders. Als Reaktion auf die hohen Infizierten-Zahlen gilt dort die Maskenpflicht überall. Das Gesamtbild, wie die Menschen damit umgehen, ist wie ein Puzzle, das sich aus fünf verschiedenen Teilen zusammensetzt.

Teil 1 bilden die Menschen, die ohnehin eine Maske tragen. Ob sie im Internet gesehen oder in der Zeitung gelesen haben, dass sie damit ihre Pflicht erfüllen, oder ob sie die Maske aus Überzeugung tragen, ist nicht ohne Weiteres auszumachen. Denn Dienstag ist Markttag – und da sind Masken ohnehin seit einiger Zeit Pflicht zwischen den Buden. Ziemlich klar ist aber: Die Maskenträger machen den größten Teil derer aus, die hier unterwegs sind .

Die allermeisten Menschen halten sich am Dienstag (13.10.) an die Maskenpflicht in der Fußgängerzone in der Castroper Altstadt.

Die allermeisten Menschen halten sich am Dienstag (13.10.) an die Maskenpflicht in der Fußgängerzone in der Castroper Altstadt. © Matthias Langrock

Teil 2 sind diejenigen, die ohne Maske unterwegs sind. Das können sie unbehelligt tun, solange sie nicht an einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes vorbeikommen. Der spricht die Maskenlosen an. Und ist erfolgreich: Kein Gespräch endet, ohne dass sich der Angesprochene mehr oder weniger schuldbewusst eine Maske aufsetzt und erst dann weitergeht.

Niemand riskiert den offenen Konflikt

Die weniger Schuldbewussten bilden Teil 3. Sie verweigern sich der Maske nicht komplett, riskieren keinen Konflikt mit dem Ordnungsamt, aber wenn sie sich außer Hörweite wähnen, lassen sie ihren Gefühlen freien Lauf. „Wir werden doch hier eh alle nur vera...t“, grummelt eine Dame mittleren Alters vor sich in. „Der hat auch keine auf, der hat auch keine auf“, geht es weiter, während sie in die Gesichter der anderen Passanten schaut – bis sie vor einem Geschäft auf einen Bekannten trifft, dem sie um den Hals fällt. „Hey, was ist mit Corona?“, sagt der Umarmte. „Ach, Corona“, antwortet die Frau und wiederholt ihre Beschimpfung von vorhin, bevor die fröhliche Unterhaltung weitergeht.

50 Meter weiter steht Teil 4 in Person eines Herrn, der diskutieren möchte: „Überlegen Sie mal, wie viele Leute mit Corona infiziert sind. Das macht 0,00... Prozent aus“, sagt er zu Mitarbeitern des EUV und einer weiteren Kollegin des Ordnungsamtes, die aber nicht wegen der Maskenpflicht hier ist, sondern, um das Markttreiben zu überwachen.

Der Herr hatte noch gar nichts davon gehört, dass überhaupt Maskenpflicht herrscht. „Das muss dann auch mal irgendwo stehen“, merkt er an. „Im Ruhr Park sind überall Schilder, hier ist nichts.“ Und in der Tat: Wer die Nachricht nicht anderswo aufgeschnappt hat, wird sie hier nur vom Ordnungsamt direkt zu hören kriegen. Auf Tafeln weist der EUV zwar auf Maskenpflicht an Markttagen hin. Aber nicht auf die allgemeine Maskenpflicht in der Fußgängerzone. Aber die gilt ja auch erst seit der neuen Allgemeinverfügung von Montagabend.

Drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren sehr freundlich

Hendrik Fadenhauer, Christian Stallmann und Denis Knopp sind die drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die die Einhaltung der Maskenpflicht kontrollieren. Sie haben sich zwischen die Bäckerei Schickentanz und das Asia Bistro Panda gestellt. Jeder, der vom Marktplatz Richtung Fußgängerzone läuft, kommt an ihnen vorbei.

Hendrik Fadenhauer, Christian Stallmann und Denis Knopp (v.l.). vom Ordnungsamt Castrop-Rauxel haben am Dienstag die Einhaltung der Maskenpflicht in der Fußgängerzone kontrolliert.

Hendrik Fadenhauer, Christian Stallmann und Denis Knopp (v.l.). vom Ordnungsamt Castrop-Rauxel haben am Dienstag die Einhaltung der Maskenpflicht in der Fußgängerzone kontrolliert. © Matthias Langrock

Die meisten Menschen ohne Maske sind sich gar nicht bewusst, dass sie etwas Verbotenes tun. Sprechen Fadenhauer, Stallmann oder Knopp sie an, sind sie ehrlich überrascht. Und reagieren sofort. „Jeder hat eine Maske dabei“, sagt Christian Stallmann.

Ein Bußgeld, 50 Euro wären es aktuell, wollen die drei gar nicht verhängen. „Die Regelung ist ja noch ganz neu, die muss sich erst mal setzen“, schätzt Denis Knopp. „Zwei bis vier Tage“ werde das wohl dauern. Die Gespräche führen Hendrik Fadenhauer, Christian Stallmann und Denis Knopp äußerst freundlich. Sie weisen nicht nur auf die Maskenpflicht hin, sondern erklären.

Ordnungsamt-Mitarbeiter erklären Hintergrund der Maskenpflicht

Erklären, dass die Warnstufe Rot in allen Städten des Kreises Recklinghausen gilt, also auch in Datteln oder Waltrop. Und deshalb auch in Castrop-Rauxel, obwohl die Stadt allein gar nicht über der Marke von 50 Neu-Infizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liege.

Dass es dabei bleibt, dass Castrop-Rauxel nicht auch über die 50er-Marke rutscht, ist Denis Knopps erklärtes Ziel. „Sonst haben wir hier bald noch viel schärfere Maßnahmen“, sagt er. Aktuell gilt die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit stadtweit nur hier in der Fußgängerzone. In Waltrop und anderen Städten, da werde sie auch schon in weiteren Straßen verhängt.

Ein Anliegen wollen die Ordnungsamt-Mitarbeiter noch loswerden: den eindringlichen Appell an die Gastronomen, die Kundendaten zu registrieren und sich an die Vorschriften zu halten, um selbst einem Bußgeld zu entgehen: „Die Zeit des Ermahnens ist vorbei.“

Ordnungsamt: Große Mehrheit zeigt viel Verständnis

Insgesamt aber, da sind sich die drei einig, zeigt die große Mehrheit der Castrop-Rauxeler Bürger viel Verständnis für die Maßnahmen: Wir haben tolle Leute hier, sagen sie.

In diesem Moment kommt ein Passant ohne Maske vorbei. Als er auf die Pflicht angesprochen wird, reagiert er anders als alle anderen Castrop-Rauxeler an jenem Mittag: Aus seiner Tasche holt er keine Maske, sondern ein Stück Papier: offenbar ein Attest, das ihn von der Pflicht befreit. Der Mann, er bildet gewissermaßen Teil 5 des bunten Bildes in der Castroper Fußgängerzone.

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