Medikamente fehlen: Castrop-Rauxeler Apotheken haben mit Lieferengpässen zu kämpfen

rnArzneimittelmangel

Apotheker haben bundesweit mit Lieferengpässen zu kämpfen – es mangelt an lebenswichtigen Arzneimitteln. Castrop-Rauxeler Apotheker erklären, was die Gründe sein könnten.

Castrop-Rauxel

, 21.06.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Krankheit ist da, doch das wichtige Medikament fehlt. Trotz Verschreibung vom Arzt: etliche lebenswichtige Arzneimittel gehen derzeit nicht über die Ladentheke der Apotheken. Es fehlt etwa an Schmerzmitteln, Impfstoffen und Blutdrucksenkern.

Der Arzneimittelmangel ist ein deutschlandweites Problem. Auch in Castrop-Rauxel ist das Problem längst angekommen – dass die Medikamente eben nicht ankommen.

Ärzte können sich kaum darauf einstellen, was fehlt

„Es gibt zurzeit etwa 200 Positionen, die nicht lieferbar sind“, sagt Dr. Claus Ehrensberger, Apothekensprecher des Kreises Recklinghausen und Inhaber der Castrop-Rauxeler Apotheker Glückauf auf Schwerin.

Richtig einstellen können sich auch die Ärzte nicht darauf und die Verschreibungen anpassen. Abgesehen von Impfstoffen, für die es keinen Ersatz gibt, können sie bei anderen Arzneimitteln schlecht einfach die Medikation umstellen.

Medikamente fehlen: Castrop-Rauxeler Apotheken haben mit Lieferengpässen zu kämpfen

Apotheker Dr. Claus Ehrensberger © Ehrensberger

„Eins ist sicher: Verbesserungspotenzial ist da.“
Claus Ehrensberger, Apotheker

Denn: „Das ist immer temporär, was fehlt. Mal das eine, mal das andere“, sagt Ehrensberger.

Es fehlt an Impfstoffen gegen Tollwut oder auch Ibuprofen

Auch Winfried Radinger von der Altstadt-Apotheke am Markt hat mit dem Problem zu kämpfen. „Das dauert schon seit Monaten“, sagt er.

Impfstoffe gegen Tollwut oder FSME – einer Virusinfektion, die durch Zecken übertragen wird – seien aktuell knapp, sagt er im Gespräch mit der Redaktion am Dienstag, 18. Juni. „Ein weiteres großes Thema ist Ibuprofen. Da gibt es auch immer wieder große Probleme“, sagt Radinger.

Hersteller geben nur wenige Informationen weiter

Die Ursachenforschung ist nicht ganz leicht, die Informationslage von Herstellerseite eher dünn. Zumindest, wenn es um die akuten Probleme geht. „Die Informationen, die wir von den Herstellern bekommen, kann man nicht für bare Münze nehmen“, meint Radinger.

Warum Medikament X gerade jetzt nicht lieferbar ist, wissen also auch die Apotheker nicht. „Das könnten immer wieder mal Logistikprobleme sein“, schätzt Claus Ehrensberger. Das seien aber nur Mutmaßungen.

Die Produktion wird immer billiger

Die beiden Castrop-Rauxeler Apotheker haben trotzdem Antworten parat. Beide sind sich einig: Die übergeordnete Hauptursache seien die sogenannten Rabattverträge, die Krankenkassen mit Herstellern schließen. Die hätten immer mehr zugenommen.

Krankenkassen vereinbaren mit pharmazeutischen Firmen, also den Herstellern, Preisnachlässe. Verschreibt der Arzt dann genau jenes Medikament, das von mehreren Firmen vertrieben wird, dann händigt der Apotheker genau dieses Präparat an den Versicherten aus.

„Früher hieß es mal, Deutschland ist die Apotheke der Welt. Das ist schon lange nicht mehr so.“
Winfried Radinger, Apotheker

„Die Preise gehen in den Keller“, sagt Radinger. Denn auch die Produktion wird immer billiger – sowohl preislich, als auch mutmaßlich in der Qualität. „Es wird kaum noch in Deutschland produziert seit den Rabattverträgen“, sagt Claus Ehrensberger.

Produktionen mittlerweile fast komplett im Ausland

„Früher hieß es mal, Deutschland ist die Apotheke der Welt. Das ist schon lange nicht mehr so“, meint dazu Winfried Radinger.

„Die Produktion in den Billiglohnländern hat man nicht so unter Kontrolle“, sagt der Inhaber der Altstadt-Apotheke. Bei einem Blutdrucksenker gab es etwa vor Kurzem ein Problem mit Verunreinigungen, weswegen es zu Lieferengpässen kam. „Ich schätze, mit einer Produktion in Europa wäre das nicht passiert“, mutmaßt Radinger.

Dazu kommt: Trotz vieler verschiedener Firmen gebe es für die eigentliche Herstellung der Wirkstoffe jeweils immer nur einige wenige. „Wenn etwa zwei von weltweit drei Herstellern Produktionsprobleme haben, dann wird es knapp“, sagt Claus Ehrensberger.

Medikamente fehlen: Castrop-Rauxeler Apotheken haben mit Lieferengpässen zu kämpfen

Die Medikamentenschränke sind seit einigen Monaten nicht so befüllt, wie sie sein sollten. © Jens Lukas (Archiv)

Was die Apotheken tun können? Nicht viel, sind sich beide Apotheker einig. „Als öffentliche Apotheke hat man manchmal noch die Möglichkeit auf andere Firmen zurückzugreifen.“

Radinger meint: „Bei dem Blutdrucksenker kann etwa der Arzt gucken, die Medikation umzustellen. Aber das ist nervig für alle Beteiligten: den Arzt, den Apotheker und für den Patienten.“

Ist eine Besserung in Sicht?

Ein Licht am Ende des Tunnels ist für die Apotheker kaum zu sehen. „Ob sich das bessert, kann man im Moment nicht sagen. Eins ist sicher: Verbesserungspotenzial ist da“, sagt Ehrensberger.

Radinger wird noch konkreter: „Man sollte das System der Rabatt-Verträge überdenken.“

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