Mehr Prüflinge - TÜV Nord hat sich verkalkuliert

Erhöhte Wartezeit

Der TÜV Nord hat sich offenbar verrechnet: Er hat für den Sommer 2017 mit zwei Prozent weniger Fahrprüfungen gerechnet und entsprechend weniger Prüfer aufgestellt. In der Realität sind es aber fünf Prozent mehr. In vielen Orten führt das zu langen Wartezeiten. Wie ist das in Castrop-Rauxel? Eine Stichprobe.

CASTROP-RAUXEL

, 28.06.2017, 18:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mehr Prüflinge - TÜV Nord hat sich verkalkuliert

Der TÜV Nord hat mit einem Rückgang der Zahl von Prüflingen gerechnet. Tatsächlich sind die Zahlen aber angestiegen. Viele Menschen in Castrop-Rauxel müssen deshalb länger warten, bis sie ihre Führerscheinprüfung ablegen können.

Grund der Entwicklung: Immer mehr geflüchtete Menschen wollen eine Fahrprüfung ablegen, weil ihr Führerschein aus der Nicht-EU-Heimat hier nicht anerkannt wird und sie die Prüfung seit einiger Zeit auch auf Arabisch ablegen können. Für die hiesigen Fahrschulen bedeutet das, dass sie länger als üblich auf die angefragten Prüftermine warten müssen.

Termine entsprechend planen

Keine tolle Situation für die Prüflinge, die befürchten müssen, das Erlernte zu vergessen oder noch ein paar Fahrstunden nehmen zu müssen. Das wiederum treibt ihre Kosten in die Höhe.

Wurden die gewünschten Prüfungen bislang rund vier Wochen vorher beim TÜV angemeldet, müsse man derzeit etwa zwei Wochen länger auf einen Termin warten, heißt es bei einigen Fahrschulen.

Doch die, die wir am Telefon sprachen, haben sich mit der Situation arrangiert: „Ich beantrage die Plätze einfach früher“, sagt Bodo von Eichstedt, seit 37 Jahren Fahrlehrer. „Es gab immer mal Probleme mit den Terminen, da muss man entsprechend planen“, erklärt er auf Anfrage unserer Redaktion. Er habe stets ein volles Haus, Flüchtlinge seien unter seinen Schülern im Moment nicht.

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Zwei statt drei Fahrstunden

Diese Personengruppe erhöht dagegen die Zahl der Prüflinge einer anderen Fahrschule, die wir ebenfalls anfragten. Auch hier habe man sich mit den längeren Wartezeiten auf einen Termin arrangiert. Und zwar so: Die Fahrstunden werden bis zum Termin „gestreckt“, die Fahrschüler machen also etwa zwei statt drei pro Woche. So entstünden keine Mehrkosten für die Schüler; nur die Zeit bis zum Führerschein verlängert sich etwas.

Mit einem „Maßnahmenpaket“, so Pressesprecher Rainer Camen vom TÜV Nord in Essen, wolle man gegen die Terminschwierigkeiten angehen. Sie seien zuletzt durch einen besonders hohen Krankenstand bei den Prüfern noch verstärkt worden.

Prüfungen an Samstagen

Vier Einzelmaßnahmen nennt er konkret auf Anfrage: „Wir bieten ab sofort auch Prüfungen an Samstagen an, dazu machen unsere Prüfer Überstunden“, so Camen. Außerdem habe man jetzt Unterstützung von Prüfern aus anderen Regionen. Und darüber hinaus stelle man neue Leute ein.

In drei Wochen, hoffe er, werde sich die Situation wieder normalisiert haben.  

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